Am Strick

rinderkrieg

Eigentlich wissen die Wilden, was ich will und was nich. Aber sie probieren immer wieder, wie weit sie gehen können. Ich werde meiner Tag-Cloud wohl bald ein „Anarchie 2“ hinzufügen müssen.
Wenn sie den Eindruck bekommen, ich nutze mein Land nich richtich, helfen sie gerne. Um Ratten, Frösche, Warane und Vögel zu jagen, streifen die Kegel ihrer grellen Taschenlampen spät nachts durch die Gegend wie die faschistoiden Flak-Scheinwerfer der „20th Century Fox“. Seit ich sie nachts angegriffen hab, wagen sie sich nur noch in den Grenzbereich. Ihre aufgestellten Fallen zerstöre ich, sofern ich sie entdecke. Den Rindern, die die Landlosen auf meinen Reisfeldern anpflocken, zerhacke ich die Stricke. Eine schöne Sammlung habe ich inzwischen schon wieder zusammen.
Seit mehrere meiner Pächter unter Hinterlassung ihrer Schulden aufgegeben haben (Mißernten und -wirtschaft), „verfällt“ das Land – aus ihrer Sicht. Tatsächlich schadet die Renaturierung höchstens mir. Auch meine Früchte lassen die Wilden nich verkommen, wenn ich sie nich schnell genuch ernte. Ihre Rinder zertreten die Dämme der Reisfelder. Reparaturen sind sehr arbeitsaufwendig. Das kümmert aber keinen Wilden. Er nimmt sich, was er braucht. Gesunde Bäume werden so angehackt, daß man sie bald als Feuerholz nutzen kann. Wildes Siedeln auf meinem Land hab ich ihnen bereits abgewöhnt. Dem letzten Rind markierte ich noch den Hintern mit meinem Haumesser. So erkennt man sich das nächste Mal gleich wieder. Reden hilft nix. Früher brachten die Landbesitzer fremde Rinder zum Bürgermeister oder hängten sie mit ihren Stricken an den nächsten Baum. Nix mit Konsens, reine Machtpolitik.
Nach meiner letzten Attacke gegen 5 Rinder sind alle wie wechgezaubert.
Übrigens hat das niederländische Könichspaar gerade einen Kuhstall besucht. Ich dagegen traf auf meiner letzten Tour nach Manado vor einem chinesischen Restaurant, wo ich imma wunderbaren, eiskalten Frucht-Shake trinke, ein älteres holländisches Paar, das mich gleich ausfragte. Deshalb weiß ich, daß nich alle Holländer degeniert sind. Als ich erzählte, wie ich allein lebe, weil meine Frau mich betrogen hat, machte die kurze indonesische Frau mit der Handkante eine Schnittbewegung in Höhe ihres Halses, was wohl bedeuten sollte: Das reicht! Ich antwortete mit der gleichen Geste. Wir waren uns einich.
Auf der Rückfahrt hockte ich im mikro für kleine Leute neben einem sehr dünnen, ätherischem Wesen, bei dem es sich vermutlich um einen Studenten handelte, der sicher keine Rinder jagt, denn der Überstand der Fingernägel seiner makellos käsigen Hände war ~1cm lang. Meiner eher minus 1mm.
Und dann war die Telefon-Leitung wieder tot.

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4 Gedanken zu „Am Strick

  1. Ha ha ha, was für ein Video. Du schleichst dich an den Strohhalm ran und zeigst uns wie du schnappen kann. Die Augen rollst du hin und her, bläst auch deine Backen auf, als wenn das Wässerchen Champagner wär.
    Dein Dschungelbeitrag „Am Strick“ ist wieder grandios und pfiffig dokumentiert.

  2. Wenn mich keine mehr liebt, muß ich eben zum Strohhalm greifen.
    Schön, daß Dir das schwierige Stückchen Film gefallen hat. Ich glaube, in der Richtung kommt noch mehr. Heute habe ich den Gesang einer fast zahnlosen Alten mit dem HP im Bus aufgenommen. Extra für mich gesungen. Dabei lagen ihre Hühner uns zu Füßen.

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