Gebeugt, aber nich gebrochen

gebeugt2

In einer der schlaflosen Nächte tigere ich mit kochendem Hirn durch die mondhellen Räume, möchte schreien bis zur Heiserkeit, verkneife mir auch das, weiß nich mehr, ob ich weinen oder lachen muß über die stereotypen Online-Liebesschwüre dieser alten Frau, die mich schon jahrelang betrügt, jedoch behauptete, mein Verdacht sei nur ein Hirngespinst, sich dabei auf solch unelegante Weise selbst zerstört, indem sie sich jüngere Männer zu kaufen versucht, und Chet Baker setzt seine Trompete ab, um „Almost blue“ zu singen.

„WAS! – SCHON 16 JAHRE HIER? – HIIIIE! – IN INDONESIEN? – HIIIIE!“ schreit der schwerhörige, alte Chinese hinter mir im Mikro so laut, daß sich alle Mitfahrenden zu ihm drehen. Nach jedem Satz qiuetscht er, wie das nur Chinesen können. Beim Aussteigen vor seinem Laden isser so von mir begeistert, daß er für mich bezahlt. Wieder 27Cent gespart. Ja, 16 Jahre, eine abenteuerliche Zeit, die merkwürdigste meines Lebens, die mich mit ihrer Intensität so absorbiert hat, daß ich nich bemerkte, wie sich meine Frau von mir heimlich entfernte. Ich glaubte, sie würde es ebenso genießen, wie wir etwas außergewöhnlich Schönes gemeinsam verwirklicht haben. Jedoch in ihrem Heimatdorf, das sie schon viel länger – bis zum Überdruß kennt. Und da wollte se immer raus. Und denn wollte se wieda rein. Und jetzt willse wieda raus. Und offensichtlich isse psychisch gestört.
Doch würde sie immer ein Schirm für mich bleiben, beruhigt sie mich. Wohl sone Art Knirps, der nich richtich aufgeht und sich selbst zerlegt? Zahlen müsse ich allerdings dafür, meint sie, und fängt an zu handeln. SIE braucht n Schirm! Einen Fallschirm! Denn wer so wie sie auf jeden Ohrenbläser reinfällt und sich an Illusionen orientiert, ist erheblich gefährdeter als ich. Gegen DIESEN Schirm muß ich mich abschirmen: Indonesische Staatsbürgerschaft, Umschreibung der Grundstücke auf meinen Namen, Scheidung. Das kostet viel Geld, was mir – dank meiner Frau – abhanden gekommen iss. Mit indonesischer Staatsbürgerschaft könnte ich nich mehr frei nach D reisen. Muß auch nich sein. Ich kann dann überhaupt nich mehr verreisen, weil man ein Haus hier nich unbeaufsichtigt lassen kann. Eigentlich brauch ich ganich mehr zu reisen. Bin längst angekommen. Ich darf mich nur nich beim Arbeiten verletzen, krank und bewegungsunfähig werden, dann wird Alleinsein zum existenziellen Problem. Es bleibt auch weder Zeit noch Energie für Kreativität übrich, seit ich sie rausgeschmissen und ich den ganzen Haushalt allein zu bewältigen habe. Das iss schade.
Und wenn da ein vermeintlich reicher, alter, hilfloser Mann in einem von Dschungel umgebenen, übergroßen Haus lebt, fangen die jungen Wölfe draußen an, ihre Kreise enger zu ziehen. Sie heulen den Mond an in ihrem hoffnungslosen Suff und warten darauf, daß der Alte einen Fehler macht.

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