Neuer Morgen?

neumorgen

„O Herr!“ rief ich. „Hast Du auch diese schleimigen Monster geschaffen? Willst Du, daß sie Deinen Garten vernichten? Oder willst Du mich prüfen wie Hiob?“
Axel Hacke, „Nächte mit Bosch“

Ich verspürte eine deutliche Erleichterung, nachdem ich meine Frau aufgefordert hatte, so bald wie möglich auszuziehen. Exakt vor einem Jahr hatte ich Harry entdeckt, ihren Romance-Scammer, und nun Edmond. Da war mir klar, daß ich schon lange keine Chance mehr hatte, unsere Ehe zu retten. Zuerst die tiefe Entäuschung, über Jahre so heimtückisch betrogen worden zu sein, die Schlaf- und Eßstörungen – alles schien zusammenzubrechen, und ich befand mich in einer aussichtslosen Lage. Was ich in D viel leichter hätte bewältigen können, wurde hier im fremden Land zu einer existenzbedrohenden Krise. Dabei hatte ich gehofft, daß meine Frau einfach in ein Haus ziehen könne, welches sie besitzt und ich gar nicht kenne – auch so ein typisches Beispiel ihrer katastrophalen Wirtschaftsweise, mit der sie mich zu übergehen versuchte und statt dessen rekordhaft tief in der Schuldenfalle landete. Dieses Haus hat sie jedoch inzwischen vermietet – wo von ich nichts wußte – und so gibt es keinen schnellen Auszug.

Und dann dieser Morgen, der mir wie keiner vorher erschien, obwohl die Farben und Wolken des Himmels nichts Ungewöhnliches zeigten. Doch wußte ich plötzlich sicher, wie ich von nun an als einer der schratigsten Schrate Nordsulawesis weiterleben werde. Das Haus wird verkommen, weil ich die Arbeit nich allein schaffen kann. Anders als meine 67jährige Frau, die im Internet von einem Betrüger zum nächsten taumelt, werde ich alter Mann keine neue mehr finden. Statt dessen in einsiedlerischen Wahnsinn und permanentes Schweigen abdriften, und man wird mich mehr oder weniger verwest entdecken, wenn die Ziegen vor Hunger klagend schreien. Jene waren wieder ganz freundlich zu mir – nachdem ich sie gefüttert hatte – auch die Katzen schienen zufrieden, und die Barsche lutschten mir an den Zehen. Vielleicht werde ich allein schon dadurch mein Gleichgewicht wiederfinden, wenn ich meine Frau nich mehr dabei beobachten muß, wie sie mich online betrügt.
Und dieser Gedanke ließ mich tatsächlich schmunzeln: Was machen eigentlich frische Paare, die heimlich online zueinander gefunden haben, wenn die Flitterwochen vorüber sind, und die Langeweile wieder einsetzt? Denn die kommt mit Sicherheit, wenn man selber alt, langweilig und auf externe Unterhaltung angewiesen ist. Was wird Edmond denken, wenn er meine Frau auf ihren Handphones rumknibbeln sieht, und sie beim Nähertreten schnell die Seite wechselt? Wird er einen Anflug zerstörerischen Mißtrauens spüren? Und sie, wenn sie ihren Lover dabei beobachtet? Von mir kennt sie das ja gar nicht. Viel Spaß und alles Gute!
Im späteren Verlauf des Tages verging mir das Schmunzeln. Ich kann morgens aufwachen, und meine Frau hat neue Schulden gemacht, bzw. alte, um ihre erheblich jüngeren Online-Lover zu finanzieren. Diese Schulden offenbart sie immer erst, wenn es sich nich mehr verheimlichen läßt, weil sie völlich pleite iss. Kein Monat ohne Skandal. Ich weiß ganich mehr, wie oft ich sie deutlich gefragt hab, ob das jetzt ALLES sei. Immer nur Lügen als Antwort, weil sie mich „schonen“ wollte! So zartfühlend isse. Daß ich Schlechtes über sie im Blog veröffentliche, empört sie sehr. Wie ich sie verprügelt hab, nachdem ich die Quittungen für 52000USD Überweisungen nach Zypern entdeckte, gefiel ihr ganz und gar nich. Mir auch nich, hat mir aba gutgetan. Man muß mich nur lange genuch mißhandeln, dann hör ich auf, Buddhist zu sein. Wer da hinterher nur an einem blauen Auge und Schwellungen leidet, hat noch Glück gehabt.
Also fuhr ich im Mikro zur Bank, um dort ~7500EUR zur erneuten Schuldenbegleichung abzuheben, bevor uns 20% Schuldzinsen MONATLICH weiter ruinieren. Im Sehr-Lautsprecher sang eine mickrige Maus von „Cintaaa“ (Liiebee) und über „Sayaaang“ (Liiiebster), also genau das, was meine Frau ihrem neuen Romance-Scammer Edmond nachts im Skype-Chat in die Ohren schmiert. Ich krich noch Paranoia! Sehr nah vor mir saß ein Wilder mit abstehenden Ohren, und ich verspürte auf einmal den starken Drang, ihm eins abzubeißen, obwohl ich ziemlicher Vegetarier bin, jedoch hab ich in letzter Zeit sehr wenich gegessen. „Thomas!“ warnte ich mich lautlos. „Jetz reiß dich zusammen! Der Mann hat mit dem ganzen Scheiß ganix zu tun!“
Nein, das dauert noch mit dem neuen Morgen, da nun erstmal die schwärzeste Nacht ausgebrochen ist, denn ich habe meine offensichtlich geisteskranke Frau aus dem Haus gejagt.

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