Inselleben

Lucy

Das ist schon SEHR interessant – jedenfalls für mich: Damals in D hab ich alles gelesen über tropisches Inselleben, was ich in die Finger kriegen konnte. Hatte genuch Zeit, mich vorzubereiten. Nun wiedergelesen und verglichen: Was ist auch so gelaufen, was ganz anders? Bei Lucy Irvine, *1956 („Eva und Mister Robinson“, 1983), stimmte 1980 die Versuchsanordnung für 14 Monate Insel in der Torres-Strait von vorherein nich. Man heiratet dafür keinen erheblich älteren Mann (Gerald W. Kingsland, 1930-2000), der einen per Anzeige in einem Londoner Magazin aufgegabelt hat, und macht dann erst auf der Insel die Erfahrung, daß man nich zusammenpaßt. Dabei fühlte sie sich als Teil der Nachkriegs-Generation, die wie ich durchaus zum Ausstieg bereit war, denn alles Alte schien versagt zu haben: „In gewisser Weise jedoch war es das goldene Zeitalter der Möglichkeiten … Mauern und Barrieren fielen in alle Richtungen, und man konnte entweder selbst helfen, sie umzustoßen, oder man stand bloß dabei und sah zu.“ Doch für die beiden naiven Neu-Insulaner entwickelt sich das fast tödlich.
Der Holländer Bob Snoijink (*1946) hatte da mit seiner indonesischen Frau und deren prämenstrueller Launenhaftigkeit mehr Erfahrung. Trotzdem begannen sie 1987 ihr einjähriges Inselleben (Pazifisches Glück“, 1991) mit einer schon vorher zerrütteten Ehe, die durch den tropischen Einfluß genas. So gesehen, wäre noch Platz auf dem kriselnden Büchermarkt für meine dritte Variante: Ehe geht erst durch den Insel-Aufenthalt kaputt. Doch scheint auch bei Bob was schiefgelaufen zu sein. Das sentimentale Ende seines Buchs verlangt die Beantwortung der Frage: Welche Folgen hatte der Aufenthalt auf der Fiji-Insel? Nur Wikipedia klärt auf, daß er inzwischen nicht mehr mit der selben Frau verheiratet ist, mit der er nur den Größenunterschied gemeinsam hatte. Somit bestätigt sich mein Eindruck einer stellenweise pathetisch-esoterisch verklärten Insel-Erfahrung, die letztlich an der Wirklichkeit zerschellte. Wie weit reichte die gespürte Erleuchtung? „Ist das vielleicht Erleuchtung? In Harmonie zu leben und sich auf jeden neuen Tag zu freuen, weil sich die Problematik des Lebens auf eine überschaubare Einfachheit reduziert hat?“ Diese unprätentiöse Weisheit scheint „man als Gratisbeigabe zu bekommen, wenn man von der Natur und in enger Verbundenheit mit ihr lebt.“ Es muß ja nicht ein menschenfeindliches Ökotop sein mit Trinkwasser-Problemen, nur 10m über dem Meeresspiegel – bei bis zu 15m Sturmfluten. „Der Ozean ist ein Ort der Paranoia, wo jeder von jedem gejagt wird … Urwald ist per definitionem unangenehm.“ Und so ist Bob schließlich doch in dem Land verblieben, in dem „Besorgtheit als eine Grundeigenschaft von Generation zu Generation“ weitervererbt wird, jedoch „jeder Büroangestellte von einem Leben auf einer unbewohnten Insel“ träumt – weit entfernt von allem und jedem, aber nahe an dem, was zählt, „denn das Leben hier hat eine Qualität, die im Westen sehr teuer bezahlt werden muß oder die es dort gar nicht gibt“.

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