Blah hoch 4

blahzzz

KAPITEL 1
Untersuchung des Landes Bla-Bla-Bla
Wörter können dafür benutzt werden, was auch immer zu erklären. Aber das bedeutet nicht, daß sie der beste Weg sind, alles vollständig zu erläutern.
Was ist Bla-Bla-Bla?
Nicht jedes Wort ist bla-bla-bla.
‚Wir sind davon überzeugt, daß alle Menschen gleich erschaffen wurden, daß ihnen durch ihren Schöpfer Grundrechte, einschließlich derer auf Leben, Freiheit und Wohlfahrt erteilt wurden.‘ Vorwort der Unabhängigkeits-Erklärung, 1776.
Worte außerhalb des Alltäglichen. Wenn sie sehr nützlich sind, helfen sie uns beim Denken, lassen uns fühlen, lassen uns erinnern, informieren korrekt, zeigen uns den Weg, helfen zu verstehen, klären Schwieriges auf, lassen uns zusammenfinden und schenken dem Leben Sinn.
‚Oh! Ich bin schon frei geworden von irdischen Verbindungen … Ich strecke meine Hand aus und berühre das Antlitz Gottes.‘ aus ‚High Plight‘, John Gillespie Magee Jr., 1941. [Gemeint ist „High Flight“: „Oh! I have slipped the surly bonds of Earth … Put out my hand, and touched the face of God. – Oh! Ich bin den mürrischen Fesseln der Erde entschlüpft … .“ Und dann isser abgestürzt! Eine dürftige indonesische Übersetzung also. Aber was soll man sich unter „mürrischen“ Fesseln vorstellen?]
Im Moment, wo wir mit Wörtern arbeiten, verfassen wir nicht nur eine Weise der Betrachtung der Welt; die Wörter ordnen die Welt.‘ Yes we can.‘ ‚Eternal‘ [?]
Dies ist nicht die Qualität, wie wir sprechen.“

Gott sei Dank, möchte ich anfügen, denn das ist Bla-hoch-4. „Und was soll er gar anfangen, wenn Pietisten und andre Kühe aus dem Schwabenlande den armseligen Alltag und Stubenrauch ihres Daseins mit dem ‚Finger Gottes‚ zu einem Wunder von ‚Gnade‘, von ‚Vorsehung‘, von ‚Heilserfahrung‘ zurecht machen! Der bescheidenste Aufwand von Geist, um nicht zu sagen von Anstand, müßte diese Interpreten doch dazu bringen, sich des vollkommen Kindischen und Unwürdigen eines solchen Mißbrauchs der göttlichen Fingerferigkeit zu überführen. Mit einem noch so kleinen Maße von Frömmigkeit im Leibe sollte uns ein Gott, der zur rechten Zeit vom Schnupfen kuriert, … ein so absurder Gott sein, daß man ihn abschaffen müßte, selbst wenn er existierte.“
Friedrich Nietzsche, „Der Antichrist“.

In einem einfachen PC-Vokabel-Programm komme ich im Test sehr gut durch („Sehr guter Arbeit“), auch eine DDR-Grammatik hab ich bewältigt. Aber dieses Buch nicht. Selbst wenn ich die Vokabeln verstehe, ist der Ausdruck meist so simpel, daß ich oft über den Inhalt nur rätsele. Das Personal-Pronomen dia kann er, sie oder es bedeuten. Das wird nur aus dem Zusammenhang klar. Da in memandang (von pandang = Blick), memahami (von paham = Einsicht) und pemakaian (von pakai = benutzen) jeweils ein p fehlt, bin ich aufgeschmissen, wenn ich den Wortstamm nicht erinnere. Keins meiner Wörterbücher zeigt die erweiterte Form. Der moderne indonesische Intellekt frustriert mich mit seiner hartnäckigen Primitivität. Schluß damit! Im Dschungel brauche ich das nicht. Und ist es nicht vielmehr so, daß Business-Animateure wie Dan Roam allgemein mit zuviel Worten Banalitäten für Fachidioten mit begrenztem Selbstdenk-Potential verkaufen? Autoren, die damit erfolgreich sind, daß sie Bücher darüber verfassen, wie man erfolgreich wird? Mir scheint, daß sich aktuell eine Tsunami an visueller Vermittlung austobt, in der inhaltliche Komplexität – also alles was nicht in ein Handphone paßt – leicht untergeht.

rip

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