Voll im Harz

Nachbarn

Ich hab gehört, die deutschen Arbeitslosen wern jetz im Harz 4 eingesetzt, wose als Regenfänger arbeiten müssen. Dabei würd ich es als viel sinnvoller ansehn, wenn man se in Wehrdörfern an unserer Ostgrenze nach Afghanichverstan ansiedeln würde, denn Hans-Lothar, der Krieger, schafft das ja offensichtlich nich mit links, dort die ständigen Panza-Angriffe von dem IS abzuwehrn. Nach dem Zusammenbruch meines Insel-Teil-Paradieses hatte ich zuerst übalegt, ob ich mich in der Uckermark niederlasse, wo sonst kaum eina iss. Aba da bin ich jetz doch zu arm für. Außadem laufen mir in der Gegend zu viele glatzenhafte Leute mit Fahnen und Trommeln rum. Und denn diese ständige existenzielle Bedrohung, die bin ich ganich mehr gewöhnt. Afghanichverstan gleich nebenan, Libyen im Süden und Mali im Südwesten, das iss ja schon n 3-Fronten-Kriech. Ob die deutsche Kriechs-Ministerin Ursula, die ich nich kenne, DAS wirklich hinkricht? Ich mein, wenn 20% ihrer Lage-Einschätzungen so fehlerhaft sind wie ihre Dissertation, denn könnten wa den gerade laufenden 3.Welt-Kriech eventuell auch valieren. Ihr Vatta, der Ernst Albrecht, hatte n Buddha im Regal.
Nach dem Etappen-Skandal müssen wa hier von monatlich ~700EUR leben, Ausgaben das Doppelte (inkl. Schuldentilgung). Iss also ein sehr substantielles Leben. Vielleicht krich ich noch ne Rente dazu, die ich jetz wieda beantragt hab. Jedenfalls brauch ich keinen Müll nach Eßbarem zu filzen. Würde mir sowieso nich schmecken, weil total übapfeffert. Hat doch son unterarmtätowierter Arbeitsloser auf YouTube mit seinem Tablett (Armut auf hohem Niveau!) vorgerechnet, wie er mehr Klo-Papier für Durchfall bräuchte und das denn von den anderen Ausgaben abziehen müsse. Ja, wenn man falsch lebt! Ich brauch zum Bleistift gakein Klopapier in meinem hintaindischen Klo, höchstens mehr Wassa. Aba dafür hab ich meine eigene Pumpe. Muß also nur Strom bezahlen. Und das Abwassa geht kostenlos erst innen Fischteich und dann inne Reisfelder.
Blaise Pascal (1623-62) war der Ansicht, alles Unglück der Menschen entstamme einem, „nämlich daß sie unfähig sind, in Ruhe allein in ihrem Zimmer bleiben zu können. Kein Mensch, der genug zum Leben hat, würde sich, wenn er es nur verstünde, zufrieden zu Haus zu bleiben, aufmachen, um die Meere zu befahren oder eine Festung zu belagern.“ Pascal konnte nich wissen, wie man heutzutage mit Hilfe eines Computers auch in seinem Zimmer eine Menge Unglück erzeugen kann. Und wenn dann son armer Arbeitsloser erzählt, wie seine Tochter ne teure „Jack Wolfskin“-Jacke braucht, weil ihre Klassen-Kameradinnen alle eine besitzen, denn krich ich die kalte Wut – mit son paar Erinnerungen an das Schuh-Design meines Sohnes. Eltern sollten sich sowas NICH gefallen lassen – sofern se nich selbst gehirngewaschen sind.
Gerhard Schulze (*1944) stellte in „Gehen ohne Grund“ die Frage nach dem Ablauf von Geschichte als zyklisches oder lineares System. Das zyklische Verständnis geht von der ewigen Wiederkehr von Mustern aus, ohne daß jene völlig gleich stattfinden (Sonnen-Aufgang, Ernte, Tod). Die Erkenntnis solcher Verläufe verschafft Orientierungs-Sicherheit durch beobachtbare Regelmäßigkeit. Der Erfolg des Verhaltens läßt sich an der gelungenen Existenz-Sicherung messen. Mit Aufgabe der bäuerlichen Wirtschaft wird das zyklische Verständnis im urbanem Umfeld von einem linearem Zeitablauf mit der Aussicht auf eine noch zu erreichende positive Utopie ersetzt. Dies fördert jedoch zunehmende Orientierungslosigkeit und Schizophrenie, da man sich für die alltäglich-zyklischen Abläufe nicht mehr interessiert, sondern stattdessen auf noch zu erfüllendes Glück (in Chat-Räumen) ausgerichtet ist. Die dabei sich scheinbar ständig und mit zunehmender Geschwindigkeit verändernden Variablen des Lebens müssen mit intensiver Informations-Aufnahme begleitet werden, obwohl die physische und psychische Ausstattung des Menschen sich ebenso unwesentlich verändert wie die Grundstruktur von Wirtschafts-Abläufen. Das dafür suchthaft frequentierte Informations-Dienstleistungs-Gewerbe suggeriert den Nutzern, wie permanent etwas Neues passiert, auf das reagiert werden müsse. So ist die Bereitschaft, wieder an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen, in D seit 1945 schleichend aber signifikant gestiegen. Die entstehende Erlebnis-Gesellschaft (Kosmetika, Mode, Tourismus, soziale Medien) schafft nicht etwa durch Neudefinition von Kommunikation Erlebnis-Fortschritt sondern Desorientierung und Suchtverhalten. Echte Erlebnisse benötigen wegen ihres reflexiven Charakters Zeit und Aufmerksamkeit: „Durch Vermehrung und Verdichtung der Erlebnisgegenstände erreicht man notwendig das Gegenteil dessen, was man beabsichtigt hat – der Versuch der Vermehrung des Erlebnisreichtums führt zur Erlebnisverarmung.“ Der (weltfremde) sich selbst orientierende Mensch sollte kognitive Unsicherheit ertragen und sich nicht in Okkultes flüchten. Dazu sollte er geistige Kompetenz erringen, auch und besonders im Argumentieren, indem er z.B. lernt, normative und empirische Aussagen zu unterscheiden, und Grundfähigkeiten in integrativem Denken (vernetztes Wissen) mit Mut zur Lückenhaftigkeit zu entwickeln.

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