Im Glashaus

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Empfindung auf dem Lande. – Wenn man nicht feste, ruhige Linien am Horizonte seines Lebens hat, Gebirgs- und Waldlinien gleichsam, so wird der innerste Wille des Menschen selber unruhig, zerstreut und begehrlich wie das Wesen des Städters: er hat kein Glück und gibt kein Glück.“ Friedrich Nietzsche

Auf Amoxicillin-Trip kann ich im Sitzen schlafen. Höre ich nur noch die hohen Töne. Zikaden, Vögel, Ziegen. Am lautesten höre ich, was in meinem Mund abläuft. Die Wilden hör ich nich mehr. Will ich auch ganich. Alles schmeckt metallisch. Will ich nich. Informationen, die ohnehin nur noch tröpfchenweise in mein Gehirn gelangen, fließen außen an meinem Glas-Käfig ab. „Die haben einen Franzosen erschossen!“ Aus dem Handphone meiner Frau sind Schüsse zu hören (hohe Töne!). Hier auf der Veranda im Pazifik-Sonnenuntergang. Ich frage ganich mehr: Wo? Hier iss kein Franzose. Niemand schießt. Ist es Zufall, daß Eva das Paradies zerstört hat? Konnte sie auch ihre Rechnungen nich mehr bezahlen, weil sie all ihr Geld einer Schlange überwiesen hatte? Und machte sie sogar Schulden, um es ihr in den Rachen zu werfen? Kannst du dir vorstellen, dich auf solche Weise zu ruinieren? Wenn ich es nich erlebt hätte, überstiege es meine gläserne Amoxicillin-Phantasie.
Seit ich zum ersten Mal LSD nahm, glaubte ich, in die Leute hineinsehen zu können. Das hat mir nich gefallen, was ich dort sah. Deshalb hab ich mich in den Wald zurückgezogen. „Gona make the mountains be my home“, singt Jerry Garcia. Nietzsche bezweifelte, ob ein Vielgereister irgendwo in der Welt häßlichere Gegenden gefunden hätte als im menschlichen Gesicht. Ich dachte, seh ICH das bloß? Aber ich konnte mir nie sicher sein, ob es nur etwas war, was mein Hirn aus den Gesichtern interpretierte, auch aus Bewegungen und Sprache. Deshalb hab ich aufgehört hinzusehen. „Die Ehe ist für die zwanziger Jahre ein nötiges, für die dreißiger ein nützliches, aber nicht nötiges Institut: für das spätere Leben wird sie oft schädlich und befördert die geistige Rückbildung des Mannes.“ Letzteres muß nich sein, Friedrich. Sie kann zu einer Regression auf einen früheren, positiven Zustand – bei mir so ungefähr vor 1975 – führen, aber mit viel mehr ruhigem Wissen und Ausgeglichenheit. Ich mach eben da weiter, wo ich zu dem Ergebnis gekommen war, daß es für mich keine passende Frau geben würde. Und das hat sich ja – nach 40 Jahren – sehr spät bewahrheitet. Doch kommen am Ende des Lebens die Linien ins Taumeln, ohne daß man sich vor dem Leben als Abenteuer gedrückt hätte, so hat man was falsch gemacht. „Man verliert immer durch den allzu vertraulichen Umgang mit Frauen und Freunden; und mitunter verliert man die Perle seines Lebens dabei.“ Sofern es überhaupt eine echte war.

RCreport

http://www.ic3.gov/complaint/default.aspx
https://www.cia.gov/contact-cia/report-threats.html

„Das Geheimnis eines erstklassigen Schwindlers ist, genau zu wissen, was das Opfer will, und wie man es anstellen kann, daß er glaubt, er bekomme es.“
Ken Kesey, „Einer flog über das Kuckucksnest“

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