Kommando-Unternehmen

korem

Und dann bin ich wieder unterwegs nach Manado. Survival-Training. Beim Umsteigen (3x) an einem der illegalen mikro-Halteplätze gerate ich ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bis der Mini-Bus gefüllt ist, werde ich von fröhlichen Wilden ausgefragt, die sich in allen geöffneten Fenstern drängeln. Einer bezeichnet einen anderen als manadonesischen Ziegen-Bock. Ich wende ein, das sei eine Lüge, ich hätte selber Ziegen. OH, er kann Indonesisch! Jetzt geht’s erst richtich los. Ein anderer will nach Deutschland. Da müsse er ersma was können, wird ihm entgegengehalten. So isses!
In der Bank, wo ich der gut deutsch-sprechenden Leiterin von den bizarren Transaktionen meiner untreuen Frau erzähle, verabschiedet sie mich mit: „Gott sei Dank!“ Wahrscheinlich meint sie: „Gott sei mit Ihnen!“ Gott iss in Nordsulawesi ja imma dabei – auch bei Finanz-Geschäften.
Vor der Kaserne „Kommando Militer Santiago“ im Zentrum Manados iss schwer was los. Zwar steht kein Bewaffneter im Wachhäuschen, doch wende ich meine bewährte Taktik an, ersma interessiert außerhalb rumzustehen – und schon winken sie mir zu, doch reinzukommen. Der ganze Rasen-Vorplatz ist mit Stangen und Bändern markiert, als ob man irgendeine Ordnung herstellen wollte. Niemand kümmert sich drum, auch ich steige einfach rüber. Die Ehefrauen der Soldaten, grün uniformiert oder für Tanz-Darbietungen bunt kostümiert, die im Staats-Dienst immer parallel zu ihren Männern organisiert sind, amüsieren sich prächtich mit verschiedenen Wettbewerben. Zum Bleistift laufen sie ein sehr kurzes Stück – in Anbetracht ihrer meist wulstigen Figuren sollten sie ruhich länger laufen – und am Ziel stülpen sie ihre Gesichter in Schalen und essen irgendwas, daß es weiß um ihre Köpfe staubt. Anscheinend iss das lustich. Eine auf dem Rasen hockende Gruppe aus Soldaten und ihren Frauen lädt mich ein, mich dazu zu setzen. Man bietet mir sogar Sonnenblumen-Kerne zum Aufknacken an. Dann fragen sie mich aus. Es iss so leicht, hier Kontakt zu bekommen. Die Menschen sind zu Ausländern offen und freundlich – anfangs – und Deutsche sind immer sehr willkommen.
Ein Stück weiter, als ich eine dünne, knabenhaft wirkende junge Frau mit indischen Gesichtszügen überhole, spricht sie mich charmant an. Das Übliche. Sie lernt Sprachen, will auch Deutsch lernen, und zügig kommen wir zum Thema Religion. Es mache nichts, daß ich Buddhist sei, der EINE Gott residiere ja über allen Religionen, und, Tom, ob wir nicht zusammen beten könnten?
HIER? Auf dem Parkplatz vor einer Bank? Das sollte man doch vielleicht besser in dem protestantischen Verwaltungs-Palast schräg gegenüber versuchen. Selbst wenn sie was anderes als Beten von mir wollte, ich würde es nich auf einem Parkplatz tun. Außerdem müßte sie das Reden dabei einstellen, denn ihre Stimme klingt wie – ich kann es nich beschreiben – genau passend zu ihrer missionarischen Dummheit. Und weshalb sollich übahaupt beten? Ich happ doch keine Zwillinge umgebracht.
Auf der Rückfahrt wird es eng in der Blechdose. Ich muß auf dem „VIP“-Sitz platznehmen, einem schlichten Brett über dem Mittelgang. Zuerst schläft mein linker Fuß ein (für Schuh-Größe 43 ist sowieso kein Raum vorhanden), dann mein rechter, doch ich darf nich einschlafen, denn es gibt viel Bewegung. Damit die Fahrgäste hinter mir aussteigen können, muß ich zuerst raus. Als ich wieder reinwill, verhake ich mich mit einem eingeschlafenen Kinderbein. Das Kleinkind auf dem Schoß seiner Mutter protestiert, verhält sich jedoch, als ob das Bein nich ihm gehöre. Auch die Mutta fühlt sich nich wirklich zuständich. Also steige ich ÜBA das Bein, was etwa so aussieht wie die Yoga-Position „Reihernder Kranich“ in einem Müll-Container. Neben mir sitzt eine rundliche Quergestreifte, die permanent ißt, mir aba, anders als die fröhlichen Soldaten, nix abgibt. Sie fragt nich ma, welche Religion ich hätte. Das iss nich in Ordnung.
Der Bus leert sich, und ich kann die hintere Sitzbank entern, wo ein Gymnasiast mit übalangen Fingernägeln schläft. Bei einer stärkeren Bremsung rutsche ich mit der ganzen Bank nach vorne. Anstelle von Auto-Sitzen hat man Sitze aus Lochblechen montiert, wie man sie neuerdings in Warteräumen findet. Das schafft Platz. Sie sind mit Hilfe von ausgemusterten Motorrad-Bremsscheiben auf den Boden geschraubt. Die Bank, auf der ich sitze, jedoch nich. Ganz hinten riecht man bei längerer Fahrt, wie die Abgase des Wagens in den Fahrgastraum wirbeln.

Nachts reißt mich ein schnalzender Zimmer-Gecko aus dem Schlaf, und ich finde mein Gehirn nich gleich wieder. Überhaupt schlafe ich nur noch stückweise und werde immer dünner. Sobald ich aufwache, fängt mein Gehirn an zu kochen.

2 Gedanken zu „Kommando-Unternehmen

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