Survival

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Jetz happ ich auch ein hape. Endlich! Teil der Ausrüstung für mein neues Survival-Training. Ich hasse diese Dinga. Sie gehörn zu den Werkzeugen, die meine Ehe zerstörten. Doch ohne geht’s nich. Macht man sich hier genauso verdächtich wie ohne Religion. Jeda hauptberufliche Kokosnuß-Öffner hat eins. Da happ ich ersma gleich 1 Zellvieh gefont. Imma mittem Schrubba-Stiel war ja nix. Ging ganz prima, nur kann ich dem Ding nich abgewöhnen, mich Jahre jünger zu glätten. Iss 1 „Samsung Galaxy A3“. Das alte! War schwierich zu kriegen. Vastehn die Wilden nich, warum man nich das neue A3 will, wenns gerade erschienen iss. Will ich aba nich, weil länga und teurer. Ich happ das A3 ausgesucht, weil es leicht (110g) und nich so brettlang (13cm) daherfönt. Will ja nur telephonieren, wenn ich ma Hilfe brauche, meine Frau jedoch endgültich abgehauen iss. Geistich isse eh schon wech. Denn kann ich zum Bleistift Ruli, die Deutschlehrerin, anrufen, die mich zur Kinder-Malaktion im einzigen Buchladen Manados geladen hatte. Dort hockten lauter Zwerge auf einem Teppich und bemalten auf niedrigen Klapptischen vorgedruckte Käfer. Mit „Faber-Castell“-Stiften. Angeleitet von 2 uniformierten „Faber-Castell“-Animateusen. Es geht darum, den asiatischen Markt zu erobern, während die Chinesen schon in D Bleistifte produzieren, um sie mit „Made in Germany“ ausstatten zu können. „Neue [„Faber-Castell“] Buntstifte für meinen Sohn gekauft. Sie brechen leider beim Anspitzen permanent ab und sind absolut untauglich für die Schule. Dachte mal das sei ein Qualitätsprodukt. Bin echt enttäuscht!“ (Facebook-Kommentar). Als Student happ ich mit „Schwan-Stabilo“ gezeichnet.
Am Rand des Teppichs saßen die auf moslemische Weise in Tüchern verpackten Mütta. Eine in Dschungeltarn, das Kopftuch dazu passend in Dunkelgrün. Eine Soldatin war das nich. Diese pseudo-konservative Kleidung adaptiert alle Trends. Gern auch Wüstentarn. Oft oben Kopftuch, unten und hinten frißt jedoch der Spalt die Hose. Ich stellte mir einen Raum komplett in Dschungeltarn vor. Wand, Möbel, alles camoufliert. In der Mitte aufem dschungelgetarnten Sofa die Frau. Man würdse nur an den Bruchkanten der Muster wiedafinden. Ihre kleine Tochter, in ein leuchtend oranges Kopftuch eingewickelt, krabbelte weinend auf ihren Schoß: der auch zeichnende ältere Bruder hatte sie gemobbt. Die haben imma Vorrang, Töchter zählen nich. Jene müssen sich dem Bruder untaordnen. Deshalb fühlte sich die Mutta nur bei der Bedienung ihres Handphones gestört. Ich schlug vor, die Tochter auch mit Dschungeltarn auszustatten. So würde sie der Bruder vielleicht ganich mehr finden.
Dann holte eine ehrgeizige Mutta das Wettbewerbs-Bild ihrer Tochter aus eina Plastik-Röhre, mit dem letztere Insel-Meisterin werden soll. Die traditionelle Kultur der Minahasa war das Thema, doch fand ich weder Jeans noch Yamaha-Orgeln, Sehrlautsprecher oder Handphones in dem Gemälde. Stattdessen Cakalele-Tänzer und Warugas. Na gut, macht euch ma ruhich was vor mit euren traditionellen asiatischen Werten. Die tierische Natur egoistischer Gier iss in jedem Fall dominanter als Solidarität. Ich happ dann etwas üba das Bild rumgefachsimpelt. Z.B. daß die Erfolgs-Tochter sich vielleicht ma auf 2 der Hokuspokus-Tänzer fokussieren sollte, aba lieba hätt ich der Mutta gesacht: Laß doch deine Tochter einfach malen, wasse will (Warum muß eigentlich imma jemand siegen?). Die sah ohnehin schon irgendwie unglücklich in ihren Pop-Leggins mit englischem Fahnen-Muster aus. „To create is to explore tiny unfamiliar parts inside the soul“, steht in dem Laden an der Wand. Die Minahasa ham ihre alte Kultur noch schneller als die Deutschen verloren, dachte ich so vor mich hin, als ich in einem mikro nach Hause blechte. Doch bisse ne neue entwickeln, bin ich schon tot. Bis dahin muß ich noch irgendwie übaleben. In Manado wär ich beinahe gegen einen Lampen-Mast gelaufen, als ich mich beim Gehen umdrehte. Der stand mitten im unbürgerlichen Steig. Dabei hatte ich mein hape noch nich ma ausgepackt.
Nachts weckte mich das blöde Ding, weil ich es nich ausgeschaltet hatte. Schlimmer jedoch sind schwere Angst-Attacken, die mich neuerdings aus dem Schlaf reißen. Ich wage nich, Licht zu machen. Stattdessen sehe ich einen leuchtenden Metallkontakt. Wenn ich den berührte, würde alles um mich herum explodieren.

neuphonesw

4 Gedanken zu „Survival

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