Am Haken

hooked

Und wieder droht das Ende der Kultur durch Zivilisation. Was hatten sich doch die Pädagogen gesorgt über den wachsenden TV-Konsum und andere Drogen, Horror-Videos, Baller-Spiele – jetzt auch noch soziale Medien. OH GOTT! Die Jugend erschien immer wieder höchst gefährdet. Und auch diesmal macht es ihr die Erwachsenenwelt vor: Suchtverhalten. 5½Std. täglich verbringe der Amerikaner mit seinen digitalen Medien. Die Hälfte dieser Zeit mit dem Handphone. Nach meiner hiesigen Beobachtung eher mehr. Bei weiblichen Studenten sollen es 10Std. täglich sein, wobei das Gerät auch nachts stets griffbereit neben dem Bett liegt – die erste Aktion nach dem Aufwachen. ¾ der 18-24jährigen Engländer checken ihr Phone 221 Mal am Tag – durchschnittlich alle 4,3min. „What does it mean to shift overnight from a society in which people walk down the street looking around to one in which people walk down the street looking at machines?“ fragt sich Jacob Weisberg in „We Are Hopelessly Hooked“. Nicht nur wie sie sich mit schlafwandlerischer Sicherheit durch den Verkehr bewegen ohne aufzublicken, weist auf extreme Verhaltens-Änderungen. Sherry Turkle, Soziologie-Professorin am MIT, nennt das neue Phänomen „Smartphone Addiction“. Ihrer Ansicht nach leidet die Qualtät menschlicher Beziehungen durch die revolutionär neuen Kommunikationsmittel. Ungeteilte Aufmerksamkeit wird für den Gegenüber zur Seltenheit, weil der Partner sich in einem selbst gewählten Kommunikations-Netz verfangen hat, das ihn absorbiert und eventuell in völliger Verblendung sogar ruiniert. Entwicklung von Identität in Einsamkeit findet nicht mehr statt, gelesen wird nur noch Komprimiertes. Der digitale Schirm verändere die Persönlichkeit hin zur Unfähigkeit, wirkliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Scheinbar bietet er immer eine Alternative für unbefriedigende Existenz, sodaß man sich nicht mehr um die Bewältigung von Wirklichkeit bemühen muß, sondern in eine Traumwelt der anstrengungslos unterhaltenden Total-Kommunikation abdriftet.
Hier in Indonesien kann man Jugendliche beobachten, deren Überlebensfähigkeit sich dramatisch verändert. Weitgehend ohne Beziehung zu der sie umgebenden Natur und ländlichen Kultur, gehen sie kaum noch zu Fuß, sind ständig elektronisch vernetzt, benötigen erheblich mehr Geld, sind jedoch zu körperlicher Arbeit als Bauern kaum noch zu bewegen. Vielleicht gebildeter und informierter als ihre Eltern, doch ausgerichtet auf eine westlich geprägte Kultur, die für sie kaum erreichbar ist.
Turkle empfiehlt Thoreaus „Walden“ zu lesen. Ich empfehle, es zu leben.
In den elektronischen Wind geschrieben. Man hat es mit Süchtigen zu tun.
„There’s nobody listening.“

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