Verlorene

ziegenland

Wir sin’doch bloß auf der Durchreise, sagte der Geißhirt.
Eine der Ziegen kotete ausgiebig auf den Straßenbelag. Trockene runde, wie Schrotkugeln rollende Böllchen. Das Tier lief graziös wieder aufs Grün, der wandelnde Ziegengleichmut, zwischen den Beinen schimmerten pralle Zitzen. Der Polizist sah den Geißhirt an.
Schaff endlich die Viecher da weg.
… Komm, Engelchen, sagte der Alte zu der dösend im Zugriemen harrenden Geiß. Sie öffnete ein Auge, ein rissiger Achat, voll von durchtriebener Ziegenschläue. Der Alte tätschelte ihren Rumpf, unter dem Fell traten die Knochen so stark hervor, daß man einen Hut daran hätte aufhängen können.

… Haben Sie noch mehr Tiere? sagte Suttree. Einen Hund oder so?
Nee. Bloß Ziegen. Ich glaub, wenn einer ma‘ damit anfängt, dann bleibt er auch dabei.
… Noch nie verheiratet gewesen?
Einmal.
Ich dreimal, un’das war dreimal zuviel.

… He, rief der Geißhirt.
Suttree drehte sich um.
Schaffen Se sich doch’n paar Ziegen an, dann sin’Se hier nich so einsam. Tät Ihn‘ bestimmt gut.
Wie kommen Sie denn darauf, daß ich einsam bin? sagte Suttree.
Der Geißhirt lächelte. Keine Ahnung, sagte er. Merkt man halt.

Cormac McCarthy, „Verlorene“, 1979

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