Algorithmisch

algo2

Algorithmusch ist ein Fachterminusch für geregelte Prozeduren zur Lösung definierter Probleme – oda Reizwort für Verschwörungsch-Theoretiker. Obwohl ein Algorithmusch im Prinschip einfach nur eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Arbeitsanweisung wie zum Bleistift ein Kochrezept isch, vasteh ich das sowieso alles nich. Deren Gefährlichkeit schon ganich. Hat es schon ma Wahlen gegeben, wo nich irgendwer auch ohne Algorithmusch manipuliert wurde? Oda hat vielleicht schon ma jemand ohne Einwirkung von Algorithmen wasch gekauft, wascher ganich braucht, wie zum Bleistift hochhackige Schuhe? Ham die Einäugigen nich schon imma die Blinden geführt? Manche brauchen nich ma Handphones, um ihren Verstand zu valieren. Zugegeben, das Internet identifiziert mich imma astrein als Indonesier, der in Manado wohnt. Zwar stimmt weder das eine noch das andere, doch fühlt man sich irgendwie vonner Stasi verfolgt, wenn angezeigt wird, wo man wann wa. Schon wenn mir indonesische Produkte in der Werbung angeboten werden, wie die „jam tangan terbaik di bulan ini“, obwohl ich bereits 3 gefälschte besitze. Auch bei der Aktien-Spekulation werden Algorithmen vawendet, weshalb ja alle Aktien-Käufer (ohne VW) reich wern. Sogar Buddha fand das Inda-Netz gut: „From the ancient Buddhist teachings we can learn that Buddhism has the wisdom to employ the latest technology to spread its teaching and spirits … Buddhism can also spread positive energy on the Internet and help people resist harmful information.”
Ein Algorithmusch sollte wenigstens bei denselben Voraussetzungen das gleiche Ergebnis liefern. Was zum Bleistift bei Wünschelruten- und Erdstrahlen-Magie nich der Fall isch. Dagegen müschte für die Bewässerung des mit einem roten X bezeichneten Reisfeldes schon seit mindestens 100 Jahren ein eindeutich beschreibbares Verfahren mit endlich vielen Schritten vorliegen. Nich so in Indonesien, wo die realen Probleme ungleich komplexer sind, als sie von Rechenmaschinen oda Touristen bewältigt werden können. Denn der Bewässerungs-Graben verläuft durch Feindesland. Ein Minahasa-Feind ist jedoch – bei ständiger Betonung seines Gemeinschafts-Gefühls – sich selbst imma der Nächste und entzieht sich jeder Berechenbarkeit. In einem Zeitalter, in dem gewohnte alte Feinde abhanden gekommen sind – der Kapitalist (weil JEDER einer sein will) oder der Kommunist (weil es KEINER sein will), hilft son Algorithmusch doch dabei, wenigstens auf die Gefahr hinzuweisen, wie wir PC-Benutzer alle bereits durch Maschinen manipuliert wern, die sogar anfangen, sich selbst zu programmieren. Andererseits gips noch sichere Inseln wie die TAZ-Redakschion, die zwar im Gesichtsbuch und bei Twitter mitmacht, was die Indonesien-Berichterstattung betrifft, jedoch im vorigen Jahrhundert hängengeblieben isch. „Die Linke muß endlich ihren technologischen Analphabetismus überwinden.“ Macht latürnich auch Schwierichkeiten, wenn man keinen Diktator mehr zur Verfügung hat. Damals lief im Lehrerzimmer ein Kollege rum, der sein allumfassendes Weltbild aus der TAZ bekam. Nie da gewesen, wußte er doch mehr üba Indonesien als ich. Zum Bleistift berichtete er mir zutiefst erschüttert, daß bei einer Demonstration gegen Suharto 2-6 oda wieviel Menschen erschossen worden waren. Zwar wa nix üba die konkreten Umstände zu erfahren, ob sie etwa Polizisten massakriert hatten, wie das son Mob eben macht, aba der Kollege hatte eine Meinung. Ich wand ein, daß 2-6 im Verhältnis zu 240 oda wieviel Millionen ein guta Wert wär, ich hätte wesentlich höhere Zahlen erwartet. Da war der ferngesteuerte Kollege richtich empört. Anscheinend hielt er son indonesischen Mob für irgendwas Gutes oda Rationales. Wohl wußte er auch nich, wie täglich mehr an Hunde-Biß und an ihrem eigenen Dreck sterben, oda sich einfach gegenseitich tottrampeln. Doch bringt sowas der TAZ ja kein Geld, die sowieso schon eigene Asien-Korrespondenten, ebenso wie „Der Spiegel“, durch irgendwo Abschreiben einsparen musch.

7 Gedanken zu „Algorithmisch

  1. ohne dein gebisch geet schpreschen eha nisch so gut, schtimmtsch? … isch aba tot aal luschtisch! da sinn die tekschte völlisch gleischgültisch…aproposch, wie kannsch geen, dasch der eine imma der erschte iss, wo aufs knöppschen drückt un annere übahaup nisch meer?

  2. Ich hab übahaupt kein Gebisch nisch, jedenfalls keinsch von andere Leute, sondan noch relativ gute Zähne.
    Woher soll ich wissen, wer wann wo drückt? Sowasch interessiert misch ganisch.

  3. jetscht fällt mir ganz ohne gebisch auf, hier wird ja ganischt geschprochen, hier wird geschriem un gedrückt; un wer wann wo drückt, kannschte seen untam schtrisch ——— z.b. oben, da schteet geschriim „TEILEN MIT“ und * „Gefällt mir“, da schteet nun „4 Bloggern gefällt das“ (musse nischma selpscht zääln könn) und dann siiste mit bild einen hahn (musse nix lesen könn) an erschta schtelle wie imma, also linx; jetscht weisse, dassa zu Algorith misch als erschta aufs knöppschen gedrückt hat, noch ehe du den tekscht im netsch hattescht, also noch bevor er den hätte lesen könn, wasch woll keina in escht macht ; un du hascht vorher gewuscht, dasch der hahn an erschta schtelle sein würschte -noch ehe was geschriim hattescht…un du kannscht seen, wer früha imma dedrückt hat, auch geschriim – un jetscht nisch meer; da fengschte natürlisch an mit übaleeg, aba du sagscht, waschischnisch glaup „Sowasch interessiert misch ganisch“; dasch isch wie beim ann identi fried macroo pygia in dein walt…

  4. Mein Opa hat auch imma dasselbe aussem Kriech erzählt.
    Iss kein Macropygia. Schon Schnabel- und Schwanzform sind anners.

  5. Pingback: Brennender Schwiegervater | Flaschenpost

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