Achtsamkeit für Internet-Junkies

Buddhist-Geek

Wer etwas weiß und nicht danach handelt, weiß es nur unvollkommen.“ J.M. Guyau (1854-88; Guyau maintains that as society continues to evolve, life will become increasingly aesthetic.)

Wenn man so richtich abgestürzt iss, sich zeitweise aufgelöst und die Orientierung verloren hat – hilft dann eine Prise Buddhismus? Angeblich isser ja ohne exotischen Kult, Idolatrie, schmarotzende Priester-Kaste und Dogmen gedacht. Und Buddha soll immer wieder mit Nachdruck betont haben, wie jeder Mensch im Besitz der zur Selbsthilfe nötigen Kräfte sei – ohne irgendeine göttliche Gnade beanspruchen zu müssen. Dabei sind es die Vertreter jener Religion selbst, die sie so abstoßend erscheinen läßt. Denn weil kaum ein Anhänger die Ansprüche erfüllen kann, klammern sie sich auf absurde Weise an komische Klamotten und magische Praktiken – sofern es sich nicht überhaupt nur um Wellness-Buddhismus handelt.
In seinem Buch „Geistestraining durch Achtsamkeit“ (1984) beschreibt der Mönch Nyanaponika den Weg zur endgültigen Befreiung des Geistes von den 3 großen Leid-Verursachern Gier, Haß und Verblendung. Während wir es bei den Wilden mit stark unterentwickeltem Geist zu tun haben, ist der moderne Mensch eher einer Überentwicklung seines Hirns ausgeliefert: dessen leibtötenden, mörderischen Erfindungen und ihren geisttötenden Zerstreuungen. Dem wirke man mit Achtsamkeit und Wissensklarheit entgegen. Dazu gehört die Gründlichkeit, die Nicht-Oberflächlichkeit, mit der man der Überflutung durch „Wirklichkeit“ begegne. Eine wirksame Methode ist dabei die Verlangsamung, mit der man sich gegen Banalität und Zudringlichkeit der Außenwelt schützen kann. Wissensklarheit erlangt man, indem man nach Zweck und Motiv einer Informations-Lieferung fragt, anstatt sich von augenblicklicher Laune oder Neugier in eine Richtung treiben zu lassen, die dem eigenen Lebensziel oder gar dem Selbstinteresse völlig entgegengesetzt ist. Wir fragen uns also, mit wem haben wir es zu tun? Welches sind die Hintergründe eines Internet-Auftritts?
Wissensklarheit entsteht ferner, indem wir uns über unsere begrenzten Möglichkeiten und eigenen Fähigkeiten bewußt werden. Haben wir in einem Jahrzehnt nicht gelernt, mit einem PC umzugehen, geschweige ihn zu warten (wie beim Auto ist dafür ja der männliche Partner zuständig), jedoch in kürzester Zeit, wie man die neuen Medien undercover einsetzt, um seinen Partner zu betrügen? Das nennt man intrinsische Motivation (Besser lernt man, was man aus sich heraus lustvoll will.).
Entscheidend ist die Überwindung der Verblendung. Läßt man sich ständig weiterlocken und verstricken durch neue Interessen und Ziele? Verliert man dabei das Erreichte oder jenes zumindest aus den Augen? Der tägliche Ansturm immer raffinierterer Sinnesreize, die heute im Übermaß angeboten werden, können subtile Verhaltens- und Charakter-Veränderungen hervorrufen – bis hin zum Zwangs-Verhalten. Oder was ist es, was dich mit 2 HP’s und Laptop fast jede Nacht bis 1Uhr morgens durch den Äther treibt? Arbeitest du kreativ mit den Medien, oder verschickst du Negligé-Videos an Unbekannte? Schon die Kürze unseres Lebens verlangt Klarheit über unsere Ziele.
Deshalb beobachten wir achtsam unsere geistigen Abläufe, die Dringlichkeit unserer Gefühle, ihre Subjektivität und ihre Veränderbarkeit. Dabei während der Meditation von der Kinematographie des Denkens überwältigt zu werden, sollte man zulassen und mit Distanziertheit untersuchen. Ärger über ein störendes Geräusch wird als Ärger klassifiziert und kann so überwunden werden. Diese Erkenntnis stammt jedoch aus der Vor-Subwoofer-Ära. Gegen deren Vibrationen ist Meditation machtlos. Für Klarblick durch Geistesruhe benötigt man Einsamkeit und Geräuschfreiheit. Stattdessen wird besonders vom Berufstätigen, der den Mönch mitfinanziert, Auseinandersetzung mit einer immer vielfältiger und komplizierter werdenden Welt verlangt. Das löst sich allenfalls am Wochenende auf. Deine Beine brauchst du dabei nich verknoten, auch bin ich nach wie vor froh darüber, wie meine Atmung automatisch funktioniert. Doch die tägliche Schlampigkeit mit Gedanken, Worten und Taten, die Selbstvernachlässigung des Geistes durch all die Lebensjahre schafft letztlich einen Zustand innerer Unordnung und Verworrenheit. Auch das regulierende Schamgefühl kann korrumpiert werden. Immer wieder steht der Mensch vor Situationen, wo er nicht erreicht, was er wünscht, und seine Innenwelt der Triebe und Leidenschaften über Vernunft und Pflichtbewußtsein triumphiert. Hier sollte er sich über Begehrlichkeit, Ärger, Reizbarkeit, Unruhe, Unzufriedenheit, aber auch der eigen Trägheit bewußt werden.
Wer einzugreifen hat gelassen, der sieht sich überall in Sicherheit.“ Nicht-Handeln ist angesagt. Was uns gefällt, kann in stilles ästhetisches Gefallen sublimiert werden. Wir müssen nicht alles besitzen. Wir müssen nicht auf jeden Reiz, jeden Menschen, jede Idee reagieren. Wenn das eigene Reden und Handeln durch vorheriges prüfendes Innehalten ruhiger und besonnener geworden ist, verringern sich äußere Reibungen mit der Umwelt und damit innere Spannungen. Das Alltagsleben wird harmonischer. Weisheit bedeutet, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind, und sie nicht in die eigene Lust- und Nützlichkeits-Perspektive zu biegen. Der Ich-Bezug zur Welt besteht dann nur aus Erfahrungsbrocken kurzatmiger Erregung durch ein Trommelfeuer von Eindrücken. Dagegen fördert beobachtendes Innehalten Intensität, Klarheit, Beziehungsreichtum und Wahlfreiheit. Sei achtsam auf deinen eigenen Geist! Vereinfache deine Lebens-Bedürfnisse und Begehrlichkeiten! Dann wird dein Leben an Klarheit und Leichtigkeit gewinnen.

2 Gedanken zu „Achtsamkeit für Internet-Junkies

  1. prima text, danke, hilfreich für mein kopp…
    nach hintergründen von internet-auftritten fragen, na klar, richtig;
    aber das machen nicht nur wir privat; ich meinte eigentlich (vergl. bei „wahrheit üba ratte“) deren maschinelle tot-aal-auswertung, wir alle werden berechnet; bei word-press wird sogar registriert, mit welchem tempo du tippst; diese überwachung prognostiziert unser verhalten; nicht nur wir beobachten „achtsam unsere geistigen abläufe, die dringlichkeit unserer gefühle, ihre subjektivität und ihre veränderbarkeit“; das machen auch die informationsverarbeitenden systeme, die (aus der masse!!) unserer rohdaten infos und schlussfolgerungen ableiten, die dazu gebraucht werden, um ereignisse zu erkennen, b e v o r sie eintreten; wir sind denen auch für die weiterentwicklung immer neuer fähigkeiten dienlich; die maschine als universeller problemlöser ist das ziel, und genau das ist nicht ungefährlich, irving john good und auch stephen hawking haben eindringlich davor gewarnt…

  2. Auch George Orwell! Doch dann hat sich gezeigt, wie die Leute das wollen, und Indonesien ist da bei allen sozialen Netzen ganz vorn. Für einen Inselstaat die Vollendung der Kommunikation. Die Maschine ist so neutral, daß sie genauso Demokratie fördern kann wie Überwachung, Diskussionen provozieren so wie Ehen zerstören. Im Moment ist es doch eher so, daß autoritäre Systeme das Internet fürchten und behindern. Wie alle Medien ist es letztlich von UNS selbst abhängig, was wir daraus machen. Natürlich wird es auch mißbraucht. Der private, betrügerische Mißbrauch hat gewaltig zugenommen. Meine Langsamkeit hat nich WordPress festgestellt sondern wurde von einer verwirrten Userin gerügt, für die es nur noch Instant-Kommunikation gibt.

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