Boulevard des Betrugs

withwife

Mack (Robin Williams): „People leave, you know? But for some people, it just doesn’t seem fair.“

Es war der Film zum Leben: Kurz nachdem wir „Boulevard“ gesehen hatten, offenbarte mir meine Frau nun endlich auch die letzten Details von dem, was ich seit ~2 Jahren geahnt hatte. Im Film waren nur Sexualität und Partner-Rollen vertauscht. Die Erpressungs-Versuche ihres Internet-Lovers hatten an beängstigender Intensität zugenommen, der Mann selbst, der phantomhafter Teil unserer Ehe geworden war, ein Profi. Er hat eine erhebliche Summe von meiner Frau geliehen bekommen, diese sogar zurückgezahlt – um noch größere Summen zu fordern. Wer allein die Geschichte der Halima Löffler kennt, weiß über die Ingredienzien bescheid. Nur war die Löffler nicht verheiratet. Tausende finden im Internet einen Partner, Tausende werden betrogen. Wer von mir konkreten Rat braucht, schreibe mir privat, jedoch ist das Internet schon voll mit Tipps und den Geschichten der Getäuschten. Daß ein jeder Mensch, auch noch so nahestehend, irgendwo seelische Ecken, Räume besiedelt, die dem Partner / Freund / Bekannten fremd oder gar unbekannt sind, ist, glaube ich, ganz normal”, schrieb mir Ruth. Hier meinen Dank an alle, die mir geholfen haben, mit dieser höllischen Situation fertigzuwerden. Auch das eine positive Seite des Internets. Was bleibt, sind die Folgen eines Schlangen-Bisses: Nicht zu tilgende Spuren im Nervensystem. Dazu kaum reparable wirtschaftliche Schäden – und ein Neuanfang an der Stelle, wo unser Leben noch ein gutes war. Die Wirklichkeit siegt immer über das Virtuelle. Alles wird gut! Wie klein sind doch diese aus Überdruß und Langeweile erwachsenen Probleme, verglichen mit denen, die z.B. schwer Erkrankte haben, oder keine Möglichkeiten der Lebensgestaltung zu besitzen.

Hier noch ein paar allgemeine Fragen:

Warum befindest du dich überhaupt in Chat-Räumen? Diskutierst du dort die Zukunft der Menschheit, oder wieviel Geld man einem Filzstift-Verkäufer in der 3.Welt geben soll? Oder langweilst du dich? Warum langweilst du dich? Was hast du mit deinem Leben angefangen?

Wen triffst du in diesen virtuellen Räumen? Wie plausibel ist die Legende eines Mannes mit internationalem Aktionsfeld, dessen Frau in einem anderen Land erschossen wurde? Warum kommt immer etwas dazwischen, wenn ihr euch treffen wollt? Welcher 60jährige Mann interessiert sich für eine 66jährige – außer sie hat das Geld, was er braucht. Geht es um Geld, mit dem du ihm helfen sollst?

Was ist Liebe? Eine Wort-Hülse wie „Vergebung”, die billigste Art, ohne Rechnung davonzukommen. Während der Besiedlung des amerikanischen Westens schrieben sich Mann/Frau Briefe über den Ozean. Frauen zogen nach. Liebe, sofern sie nicht enttäuscht wurde, beruhte auf noch weniger als schnellen Schirmtexten und aufreizenden Fotos. Wie weit bist du durch Worte manipulierbar? Warum bist du überhaupt so leicht manipulierbar?

Wenn du bereit bist, den Spatz in der Hand für die virtuelle Taube auf dem Schirm einzutauschen, ist dein bisheriges Leben ein Irrtum gewesen? Oder dient die nachträgliche Modellierung der Geschichte dazu, deinen aktuellen Durst zu rechtfertigen?

Hört der Durst jemals auf? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, den Reizverlust in jeder lang andauernden Beziehung zu kompensieren, oder jene auf einen höheren Level zu bringen? Beruht die Attraktivität des Neuen eventuell nur auf unzureichender Information? An den Stränden Balis warten junge Männer auf durstige westliche Herzen. Dort bekommt man wenigstens etwas für’s Geld.

Werden für eine technologische Revolution, der z.B. meine Generation kaum noch gewachsen ist, neue ethische Regeln benötigt? (Eine Frau beschwerte sich im Chat mal darüber, daß ich zu langsam antworte. Eben! Deshalb mach ich mit meinem einen Finger auch weniger Fehler und komme zum Nachdenken!) Sollte man in zukünftigen Ehe-Verträgen z.B. die Benutzung von geheimen Paßwörtern ausschließen, um von vornherein kein Mißtrauen aufkommen zu lassen? Sollte man generell nicht telephonieren, wenn man mit jemandem zusammen ist, bzw. seinem Partner wenigstens so viel Achtung zukommen lassen, daß man ihn über den sich dazwischenschiebenden Kontakt informiert? Inwieweit sollte man sich überhaupt in Netzen fangen lassen, die den gesamten Lebensablauf dominieren?

2 Gedanken zu „Boulevard des Betrugs

  1. Hallo Tom,
    Die Strickmuster kennen wir ebenfalls. In LanNa Land wird Line benutzt. Im Notfall funktionieren die Angriffe ohne Internet mit Hausbesuch im Minirock ohne Unterwäsche.
    Am Samstag wird eine Cocktail-Party stattfinden. Ein Teilnehmer, Akademiker und Multimilliardär (in laotischen Kip? 1 Euro = 9142 Kip) interessiert sich für Madame. Sie lehnte bereits mehrere Einladungen der betreffenden Mama San ab.
    Absurd war eine förmliche Einladung mit Line zur Steigerung von Lebensfreude und Einkommen im Bordell zu arbeiten.
    http://hinterindien.com/2015/06/23/selbstverwirklichung-im-freudenhaus/

  2. Aba das ISS doch wenigstens was! Nich imma nur diese langweilige Virtualität. Hier besucht mich keine. Anscheinend bin ich im falschen Land.

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