Man fällt wieda

totgefallen

Und immer, wenn ein Menschenleben zu beklagen an der Front, so mag ein König oder ein Minister auch auf dem „Feld der Ehre“ ruhn fürs Vaterland!
Und je zehn Zeitungsschreiber, die zum Kriege hetzen, setzt ein als Geisel für das Leben eines Kriegers!
Doch dies Gesetz wird kaum geschaffen werden, und keine „Abrüstungs“- und „Friedens“konferenz wird meinen Antrag je beachten. Drum laßt uns, die wir Kämpfer sind, im Kriege gegen Krieg,
laßt uns die Kriegsursachen und Zusammenhänge untersuchen, damit wir – ausgerüstet mit der Waffe der Erkenntnis und dem scharfen Schwert des Geistes – siegreich diesen Kampf bestehen!
Wir Kriegsdienstgegner müssen endlich allen Glorienschein und allen Hokuspokus, mitsamt dem glänzend-bunten Flitterkram der Soldateska niederreißen, und das ausprechen, was dann noch übrig bleibt:
ein vom Staat bezahlter Berufsmörder
Bringt das den Kindern bei!“

Ernst Friedrich, „Krieg dem Kriege“, 1924

Das 1.Mal war es mir in einem Blog-Post aufgefallen. Ich kriech ja sonst nix mehr mit. Selbst von den neuen Kriegen sacht mir keina was. Da hatte ein Pilot einer „Selbstverteidigungs-Anlage“, wie er seinen Kampfhubschrauber zärtlich verklärte, „Freundschafts-Bänder“ und Fotos verschickt, was wie eine vorgefertigte PR-Aktion der Heeresgruppe-Berlin aussah. Die Empfängerin war tief gerührt. Mit sowas können wir Anti-Helden leida nich mithalten. Ich könnte höchstens was Geflochtenes aus ausgekämmtem Ziegenhaar verschicken, riecht aba wahrscheinlich etwas streng.
Doch als ich mich wieda mal mit dem Vietnam-Kriech beschäftigte, trafen mich die Parallelen zur „Friedensmission“ der Bunneswehr wie mit Schrot. Neue Generationen ohne Geschichts-Bewußtsein, und schon geht alles wieda von vorne los. Geheim-Operation „Phönix“ heißt nun Operation „Sommerregen“. So ganz ohne Erinnerung dann doch nich, denn die Beerdigungs-Zeremonien sehn so schick wie früha aus. Auch gips wieda Orden für die Heldenbrust:
Verteidigungsminister zu Guttenberg händigte die Einsatzmedaille Gefecht erstmals am 25. November 2010 posthum an die Angehörigen des in Afghanistan gefallenen Hauptgefreiten Sergej Motz aus: Der 21-Jährige gerät am Karfreitag, den 29. April 2009, mit seiner Patrouille nordwestlich von Kunduz in einen Hinterhalt. Im anschließenden, fast 30-minütigem Gefecht fällt er nach tapferem Einsatz. Das Gefecht markiert eine bis dahin nicht gekannte Intensität des Afghanistaneinsatzes für deutsche Soldaten. Deshalb ist der 29. April 2009 der Stichtag, ab dem die Gefechtsmedaille verliehen werden kann …
Durchführungsbestimmungen zum Erlass über die Stiftung des Ehrenzeichens der Bundeswehr:
8. Die Zahl der Ehrenzeichen, die nach Artikel 5 des Erlasses über die Stiftung des Ehrenzeichens der Bundeswehr verliehen werden, soll jährlich zwei Prozent der zur Verfügung stehenden Ehrenzeichen nicht übersteigen.“
Also mehr als 2% Supa-Helden jährlich sind nich erwünscht, sonst kricht man ne Ordens-Tsunami.

tsunamiorden

Schön finde ich auch, wie orientierungslose junge Menschen jetz von einer Kriechs-Ministerin verheizt werden. Das zeigt doch, welch enormen Fortschritt die Gleichberechtigung inzwischen aufzuweisen hat. Wie altmodisch erscheint da die Forderung Ernst Friedrichs an die Frauen: „Laßt Eure Männer nicht zur Front! … Mütter aller Länder vereinigt Euch! Es sollten aba auch ma Frauen fallen. Das verheerende Gefahren-Potential, das menstruierende Fraun für konservative Moslems darstellen, wird offensichtlich noch untaschätzt. Mit einem Bataillon menstruierender Fraun (Operation „Roter Mond“) ließe sich vielleicht endlich der Durchbruch erreichen. Edel iss jedoch das Bauen von Mädchenschulen in Afghanistan, das neben dem Verteilen von Bonbons, grünen Fähnchen und Fußbällen die Herzen der zu beschießenden Menschen gewinnt. So können ausgebildete Mädchen Kassiererinnen in den noch zu schaffenden afghanischen Supamärkten werden. Wichtiga fände ich jedoch den Zugang zu einem Sitzklo für jeden Afghanen. Das würde auch der deutschen Sitzklo-Industrie helfen.
Damit man nich mehr so isoliert auf „Höhe Soundso“ rumfriedet, sind die Friedens-Missionare Teil einer „vernetzten Sicherheit“, was man sich wie ein Fischanetz vorzustellen hat, das übawiegend aus Löchern besteht. Dazu mußte man das Gewehr neu erfinden – wie diese vaschlimmbessernden Soft- und Hardware-Updates. Das G36 soll man nich so oft benutzen, sonst wird ihm zu heiß. Im Grunde isses also eher ein Friedens-Gewehr und somit genau richtich. Allerdings iss son Friedensmissions-Schauplatz unangenehm laut, weshalb man Ohrstöpsel braucht, obwohl die waffensegnenden Popen dort nich so schrein wie hier. Da imma einige der Soldaten mit Dachschaden zurückkommen, bietet die Bunneswehr jetz gleich einen Ptbs-Dachschaden-Test im Internet an. Es iss einfach für alles gesorgt. Und die, bei denen hinterher was fehlt, können an der Behinderten-Olympiade teilnehmen oda ein Buch schreiben.
Mich wundat ja, daß sich die Deutschen das alles so gefallen lassen. „Ihr seid schlimmer als Hühner“, kritisierte Lenin 1918 seine Genossen. „Ein Huhn hat Angst, aus einem Kreidekreis herauszutreten, aber es kann zu seiner Rechtfertigung wenigstens vorbringen, daß eine fremde Hand den Kreis gezogen hat. Aber ihr habt selbst mit eigenen Händen eine Formel errichtet, und nun starrt ihr auf die Formel, anstatt die Wirklichkeit zu erkennen.
Übrigens: Opfer miserabler Politik in der Heimat sind oft die Auslands-Deutschen. Wenn hier son Moslem auf die Idee kommt, er müsse sich irgendwie an den Deutschen rächen, weiß er gleich, wo er einen findet.

Ein Gedanke zu „Man fällt wieda

  1. Pingback: Militarismus | Memoiren eines Waldschrats

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