Brustkrebs und Dummheit

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9 Tage hatten sie die tote Frau aufbewahrt – was eigentlich nicht erlaubt ist – weil ihre Kinder aus den USA noch rechtzeitig zur Beerdigung eintreffen sollten. „Dafür müssen 8 weitere sterben“, meinte die verrückte Lena, „für jeden Tag Verzögerung einer.“ 4 haben es schon geschafft, und es wird immer schwieriger für meine Frau, einen Motorradtaxi-Fahrer zu finden, der mutig genug ist, unseren von Geistern verunruhigten Friedhof zu passieren. Lena kann zwischen ihren Wahnsinns-Schüben sehr scharfsichtig sein. So beschimpfte sie neulich eine Gruppe frecher Oberschüler, die nicht aufhören konnte, mich mit ihrem penetranten „Hey mista!“ zu belästigen, als ich sie passierte. Natürlich immer erst, nachdem ich schon einen Schritt vorbei bin, niemals frontal. In der Gruppe sind die Wilden kühn, einzeln eher schüchtern.
Die verstorbene Frau litt in den USA schon lange an Brustkrebs – hier stark verbreitet – und als ihr Kopf ebenfalls betroffen war, gaben die amerikanischen Spezialisten sie auf und verschrieben nur noch Morphium. Zurückgekehrt war sie, um in unserem Dorf zu sterben. Sie trank hier täglich einen Sud aus Sirsak-Blättern (Annona muricata), schon ging es ihr besser, und nach 4 Wochen war sie tot. Vorher hatten ihre Kinder noch Morphium aus den USA geschickt, das selbstverständlich vom indonesischen Zoll zurückgehalten wurde, und die Polizei lud die Frau als verdächtigte Drogen-Schmugglerin zum Verhör. Da war sie jedoch schon mit Formalin vollgepumpt.
Als vorerst Letzte starb die Vorsitzende der protestantischen „Kommission für Gebets-Service“ (Komisi Pelayanan Doa) – ebenfalls an Brustkrebs. Die Kommission, deren Service-Einsätze per Sehrlautsprecher auch für alle anders- oder nichtgläubigen Bewohner im 1-2km-Radius verkündet werden – die Reichweite hängt davon ab, wie nah die Schreiende am Mikrofon steht – pflegt am Krankenbett zu singen und zu beten, um Gott auf den Kranken aufmerksam zu machen. Wird er gesund, hat es geholfen, stirbt er, so hat der gütige Gott ihn so lieb, daß er ihn vorzeitig zu sich nahm. Und alle sind zufrieden – abgesehen von dem Toten. Die Vorsitzende weigerte sich strikt, zum Arzt zu gehen, sondern vertrat die Ansicht, Gott würde ihr schon zeigen, was zu tun sei. Das hat er dann auch gemacht.
Ich dagegen krich nie nich son Brustkrebs. Eima weil Gott mich nich liebt, und denn trink ich auch gerne diesen Sauersack-Saft und -Shake, wobei ich hoffe, dasse die Kerne mit dem Nervengift nich mitschreddern.

5 Gedanken zu „Brustkrebs und Dummheit

  1. Danke, Dir auch! Wir haben hier genuch zum Feiern. All die Begräbnis-Parties, und dann noch der Fasten-Monat Ramadan mit seinem nächtlichen Getobe. Imma was los – leida!

  2. Ja, da fällt mir ein, ich hab letztens auch ein alltes Dada siegt! Plakat gefunden. Vllt. werde ich noch Dadaist?? Dada ist für Ruhe und Orden!

  3. Pingback: Die Bergprinzessin | Flaschenpost

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