Schnabelei

Schnabelschuh

„Wo sich aufhört die Kultur, da beginnt sich der Masur.“
Gehste noch drüba hinaus, kommste zum Minahasa sein Haus.

Ich hab imma jedacht, die Kuhjungen in Texas hätten diese Schuhspitzen erfunden, damit se sich leichta in ihre Steigbügel einfädeln können. Iss ja wie beim Faden in die Nadel fädeln. Mein Opa mütterlicherseits hat extra ma eine Fadeleinnädel-Maschine für meine Oma jekauft. Die jeht imma noch – die Maschine mein ich. Doch bis man verstanden hat, wiese funktioniert, hat man längst den Fadel in der Nädel. Aba lange bevor diese Mode Nordsulawesi erreichte, wurde schon zu Ende des 15.Jahrhunderts im Lande Preußen große Hoffahrt getrieben. Man trug Schuhe mit Schnäbeln, die 1 Finger, 1 Spanne oder auch ½ Elle lang sein konnten. Doch als ma der Sohn eines Hauptmanns in Marienburg vom Teufel besessen war, und man ihn, den Teufel, mit Hilfe eines Marien-Bildes austreiben wollte, verlangte jener, in die Schnäbel der Schuhe fahren zu können. Fortan wollte niemand mehr spitze Schuhe tragen. Nur die kleinen Männer auf Sulawesi können davon nich lassen – was bei diesen Zwergen besonders possierlich aussieht. Das Foto zeigt die noch sehr moderaten Schuhe eines Kreisdirektors bei einer katholischen Totenfeier. Das Vorteilhafte an dieser Schuhmode iss, daß man von der Länge der Schuhspitze gleich auf die Gehin-Tätigkeit schließen kann.
Wie man den Schustern nich trauen sollte, zeigt schon die Geschichte dieser Handwerker im preußischen Rastenburg, damals die vornehmsten der Stadt. So wollten die Rastenburger sich mal ihres Ordens-Jebieters, eines Herrn Wolfgang Sauer, entledigen und forderten von ihm, über ein großes Eisloch zu springen, über welches die Schuster einen Baumstamm jelegt hatten. Herr Wolfgang Sauer nahm also Anlauf mit der Absicht, auf den Stamm zu springen und von da aus das Eisloch vollends zu überqueren. Doch im selben Augenblick stieß ein Schuster den Baum mit seinem Fuß an. Herr Wolfgang Sauer stürzte ins Wasser und ertrank. Doch wurde danach kein Schuster mehr in den Rat von Rastenburg aufjenommen. Erst in der Zeit der Irrlehren des Andreas Osiander kauften se sich mit Geld wieda ein. Osiander warf man vor, er lehre, wie der Mensch vor Jott durch seine juten Werke jerecht werde, mithin die Rechtfertijung des Menschen vor Jott darin bestehe, daß Christus als ewiges Wort Jottes im Menschen real präsent sei, und der Mensch so durch die Jerechtigkeit Christi jerecht werde, obwohl doch in der Rechtfertijung dem Menschen die Jerechtigkeit Christi anjerechnet werde und im Gegenzug seine Sünden Christus, für die Christus die Strafe Jottes am Kreuz erlitt und mit Osta-Eian beworfen wurde, oda so. Jedenfalls wenn man in das Reich Jottes reinwill, muß man von ihm persönlich jerechtgesprochen wern. Es reicht nich, wenn man was spendet, und die Summe üba Sehrlautsprecher öffentlich bekantjeben läßt, weil man Jott nich wie einen indonesischen Richter einfach kaufen kann. Iss ja logisch. Und denn soll man auch sehr vorsichtich mit der Länge seiner Schuhspitzen sein.

3 Gedanken zu „Schnabelei

  1. Hat da jemand das Gerücht in die Welt gesetzt, dass ein Mann große / lange Schuhe tragen muss, um nicht wegen des Gewichts des blutgefüllten Gemächts vornüber kippen, falls seine Männlichkeit in Wallung gerät?

  2. Ja, vllt., nur hier in Wiesbaden gibt es auch immer wieder noch Leute, die mit so spitzen Schuhen rumlaufen. Ich vermute, das ist ein Zeichen.

  3. Nach 9Std. Stromausfall kann ich nun antworten: Das wär ja angewandte Physik. So viel zielgerichtete Intelligenz iss nich zu erwarten. Nein, nein! Es iss eher so, daß die Wilden beim Gehen die Füße nich heben sondern schieben. Und damit sich die Schuhspitze dabei nich in Plastiktüten, Stromkabeln oda toten Hühnern verfängt, trägt man nach oben gebogene Spitzen.

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