Ohne Bettpfannen-Versicherung

Himmelstuer

„Wir haben und hatten keinen Hausarzt.“ Helen und Scott Nearing

Daß Rinneke (43) ihr Darm durchgebrochen iss, hättse ja eigentlich vorher merken müssen. Hatse auch, aba nur die Schmerzen. So sind die Wilden eben. Ersma versuchense das mit religiösen oda sonstigen Schwingungen zu beruhigen. Sone Art „Highspeed-Coaching“. Dazu konsultierense einen Popen oda einen richtigen HeiIa. Oh, diese Heila! Ich muß jetz imma lachen, wenn ich davon höre, weil wir gerade son Naturkunde-Heila geheilt ham. Mann, war der krank! Ich hab die Zusammenhänge ja auch nich gekannt, als mir ma versehentlich mein Blindarm durchgebrochen iss. Hab mich nur hingelegt und ziemlich weiß vor mich hingezittert, aba meine Frau wußte, wie man stirbt und ließ mich schleunigst ins Krankenhaus fahren. So hat das Onya, Rins Schwester, ebenfalls gemacht, die aba auch von nix was weiß. Im kranken Haus in Airmadidi hamse Rin nur annen Infusions-Beutel angeschlossen und Blut abgenommen. Daß se Zucker hatte, wußtense dann erst hinterher. Da lag Rin nun und war ganz unruhich vor Schmerzen, und Onya wußte nich, wasse machen sollte, und die Ärzte und das Personal waren in ihrem Vagnügungs-Zimma und ham nix gemacht, außa sich zu amüsieren, obwohl Rin in der neuen Vasicherung vasichert war. Dann hatse pissen müssen, hatte aba imma noch ihre Jeans an, obwohlse dick iss. Alle tragen hier Jeans, ob dick oda dünn – besonders die Dicken – ob alt oda jung. Ich trach schon lange keine mehr sondern lieba indonesische Batik-Hosen. Da fallen mir diese ulkigen Alten ein, die sich beim Erzählen imma wiedaholen und von einem Thema zum anderen wechseln. Wo war ich stehngeblieben? Ach ja, ob se nich ne Bettschüssel haben könnte, hat Onya das Personal gefracht, aba die ham geantwortet, daß sich die Patienten ihre Bettschüsseln selba mitbringen müßten, und dann hat Rin in ihre Jeans gemacht. Da hamse Rin dann doch lieba ins staatliche kranke Haus in Manado verfrachtet, wo ich schon paarmal versucht hab zu sterben, aba Rin hat es geschafft. Da wurde das Personal ganz aufgeregt und hat Wiedabelebungs-Vasuche untanommen, die jedoch nix mehr nützten. Und denn hat Jesus wieda sein Tor aufgemacht. Wo kriegen die bloß imma diese Jesus-Darstella her? Obs dafür ne Agentur gibt? Die ham auch schon überall so Kreuze aufgestellt, so daß ich vermute, es drohe wieda Ostern. Und die fotokopierte Einladung zur 2.Trauafeia – es folgen noch 2 – hat mich schon sehr irritiert, weil ich gerade son völlich beknackten amerikanischen Western mit lebenden Toten gesehn hatte, und wenn eina Mist baute, wurde er von einem Indianer abgeholt und mußte auch durch sone Pforte – hinter der sich die HÖLLE befand. Und der Indianer sah dem kopierten Jesus nich unähnlich! Soll man da nich stutzich wern? Dagegen wurden die Guten mit ner Kutsche gecoached und dann mittels Übabelichtung verdampft.
Jedenfalls iss Rins Tochter (15), die noch zur Schule geht, jetz ganz allein mit ihrem Kind, denn ihr Vatta hat sich totgesoffen. Danach war Rin mit einem wesentlich jüngeren Mann befreundet, der sie geschlagen hat. Dessen Mutta hatse auch nich gemocht. Die iss Sanitäterin und spritzt imma gepanschtes Formalin in die Leichen, so daß se nich lange halten, frühzeitich schmelzen und rumstinken. Wiese Rin gespritzt hat, hatse den Mund verzogen.
„Kein Wunda“, sach ich, „wennse Rin nich leiden konnte.“
„Nein, RIN hat den Mund verzogen!“ erklärt meine Frau.
„Die LEICHE?“
Jawollja! Hat Onya genau gesehn. Und vollgespritzt, war der Mund wieda richtich. Rin muß wohl gemerkt ham, wie das Formalin wieda gepanscht war.
Ich bin jedenfalls NICH zur Beerdigung gegangen, zumal Rin katholisch war. Bei denen dauern diese Veranstaltungen imma besonders lange, weilse auch noch Menschfleisch und Blut zu sich nehmen müssen. Und der Pope gibt keinem was ab von dem Blut. Aba Rin hat wirklich Pech gehabt, denn die 5Std. Totenfeia fielen genau in die 8Std. Strom-Ausfall, so daß keina richtich Krach machen konnte. Außadem hattense Schwierichkeiten, den Sargdeckel drauf zu kriegen, weil Rins Bauch so aufgebläht war. Wer seinen Darm auch ma gern perforieren möchte, der sollte ordentlich ogginal Minahasa-Essen zu sich nehmen. Ungesünda kann man sich nich ernähren. Dazu möchlichst wenich bewegen und nur noch kwatschen. Das schafft was wech. Ich frach mich nur, wann die Wilden eigentlich arbeiten, wenn dauernd eina stirbt und deshalb permanent gefeiert werden muß. Und diese Feiern! Imma dasselbe, nur die Leiche wechselt. Sowas von langweilich!

Irgendwie werd ich das Gefühl nich los, ich hab das schon mal geschrieben.

2 Gedanken zu „Ohne Bettpfannen-Versicherung

  1. Jetz hat Rin aus dem Jenseits mit ihrem Handphone, das Onya nun besitzt, eine SMS an einen Bekannten geschickt, in der sie sich nach ihren 4 Kindern von 2 Männern erkundigt. Onya haben sich die Haare gesträubt, als sie das erfuhr.

  2. Pingback: Dem Volk auf’s Maul | Flaschenpost

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