SA sie oda was?

AS

Heute geht es wieder die Ausläufer des Vulkans Klabat (1995m) hoch. Ein früherer Versuch scheiterte. Inzwischen ist alles gut ausgeschildert, geteert und bereinigt – von Bäumen. Nicht ein einziger alter Baum. Stattdessen Plantagen bis hoch zwischen sich auftürmenden Felsbrocken. Ein Wilder mäht das im Licht wuchernde Schlingkraut mit der Motorsense. Unser Fahrer hat Schwierigkeiten die 1½km bergauf. Er meint, bergauf ginge nich, wenn die Klima-Anlage liefe. Eigentümlich. Denn macht man se eben aus und die Fenster auf. Die Luft iss hier sowieso kühler.
Wir sind unterwegs zu dem gigantischen christlichen Armleuchter, der gern Minahasa-Land triumphierend dominieren möchte, es jedoch nich schafft, weil er so doof aussieht. Die etwa 4m hohen Blech-Buchstaben „MINAHASA UTARA“, die die eindrucksvolle Fernsicht behindern, fallen sogar immer wieder ab. Es ist doch nich wie in Hollywood. Mit der Seilbahn zu diesem Zentrum der Heuchelei, wie es sich die Frau des Regierungs-Präsidenten wünscht, wird wohl nix. Eigenartigerweise kommen religiös motivierte Touristen nich in gewünschter Menge, und die Anlage verfällt schon wieder. Vielleicht sollte Jesus mal da oben erscheinen? Der Traum aller Minahasa Gebets-Kommissionen droht als 7armiger jüdischer Leuchter so dümmlich am Hang des Klabats, daß eher meine Hand verdorrt, als daß ich ihn knipsen könnte. Auch steht die Sonne ungünstig genau über ihm. Da meine Frau gerade keine Schuhe trägt, mit denen man gehen kann, klettere ich die gefährlich glatt gekachelte, prachtlose Breittreppe alleine hoch. Neben dem Monstrum ein verzinkter Pfahl mit waagrechtem Solarpanel, von dem ein freischwebendes Kabel im Unterbau des Beton-Klotzes verschwindet. Deshalb leuchtet er wohl nachts – wenn alles funktioniert. Gesehen hab ich das noch nich. Durch vergitterte Fenster blicke ich in den Raum, der nur Müll enthält. Die ganze konfuse Anlage riecht säuerlich nach vergammelndem Picknick-Abfall. An beiden Seiten offene Hallen für Gottesdienste. Zum Glück gibt es keinen Strom zum verstärkten Schreien, doch reichlich Müllsäcke. Unter einem Schild „Hier keinen Müll hinwerfen“ findet sich eine größere Kollektion derselben. Nach Wasser wird gerade gebohrt.
Weit geht der Blick über das mit häßlichsten Bauten im traditionellen Slum- oder modernen „Minimalis“-Stil zersiedelte Tal. Im Hintergrund der südwestliche Gebirgszug mit einem Zwischenraum für den diesig entfernten Vulkan Mahawu (1311m). Der Blick nach Osten zum Meer ist durch den Klabat-Gipfel verstellt, doch Manado, mit dem auf zweifelhaft angeschüttetem Grund errichteten Turm-Hotel „Lagoon“, im Nordwesten zu erkennen. Einmalig die Sicht, und auch für meine Frau erstmalig. Was sie wohl tut? Mit dem Tele zoome ich sie mir heran: Sie lehnt mit dem Rücken zur Aussicht an der Brüstung eines hölzernen Pavillons und bearbeitet ihr Handphone. Wenn sie nicht schläft, checkt sie es neuerdings etwa alle 15min. Vielleicht bahnt sich die nächste Katastrophe an.
Im japanischen Restaurant in Manado sitzt ein junges Paar und betätigt sich in moderner Kommunikation: Er redet auf sie ein, sie reagiert lächelnd, textet jedoch weiter. Später bedienen sie beide ihre Handphones. Ich könnte vielleicht einen existentialistischen Stummfilm produzieren: Ein Paar sitzt sich am Tisch gegenüber. Sie ist kurz mit fetten Oberschenkeln in roten Jekürzerjelieber-Höschen, er klein in überlangen Schuhen mit hochgebogenen Spitzen. Beide tragen schwarze T-shirts. Er mit dem Aufdruck „Let’s make some noise“, und sie mit „God save Manado“ (was bitter nötich iss). Das Paar spricht nich miteinander, sondern schickt sich gegenseitig Texte. Der Inhalt des Dialogs würde als Sprechblasen über ihren Köpfen erscheinen.

2 Gedanken zu „SA sie oda was?

  1. Netter Ausflug🙂 Hier bei unserem lokaltouristischen Highlight – dem Drachenels – wurde erfreulicherweise zurückgebaut, d.h. der Beton-Protz aus den Siebzigerjahren abgerissen und durch dezente Glasbauten ersetzt – gegen die jetzt die Vögel fliegen, was wiederum die Naturschützerinnen auf den Plan ruft. Die Aussicht ist unverbaut grandios, wenn mal klares Wetter ist, das liegt gefühlt einige Monate zurück. LG von der Texterin

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