Je suis Charlie

Je-suis-Charlie

„Zeig Schurken nicht, wes Religion du bist, du würdest dich damit ins Verderben stürzen.“ Abu’l-Ala al-Ma‘arri

Nach dem Tode Mohammeds, der keinen Nachfolger bestimmt hatte, entstand eine Sekten-Trennung, die den Islam noch heute in Unruhe hält und der des Christentums nicht nachsteht. Wobei die konkurrierende Sekte in der Regel der größere Feind ist, als der „Ungläubige“. 683n.Chr. wurde sogar der Schwarze Stein der Kaaba von Rebellen in Stücke geschlagen und die Anlage niedergebrannt. U.a. belagerte ein 72jährigern Feldherr Mekka, dabei von seiner 100jährigen Mutter angefeuert. Im 9. Jahrhundert stellte der Statthalter von Antiochien eine Wache auf, die christliche Sekten zu hindern hatte, sich gegenseitig in der Kirche niederzumetzeln.
Eher als der straffe, asketische Islam war der Hunger nach Ackerland Antrieb zu einer der erstaunlichsten Großtaten der Kriegsgeschichte. Die Ausweitung des arabischen Reiches nach Osten und auf den gesamten Mittelmeerraum schuf seine eigene Triebkraft, denn die muslimischen Eroberer versorgten sich aus der Beute. Der Feldherr Chalid ibn al-Walid (705-715) forderte nach der Eroberung der persischen Stadt Hira die Auslieferung einer vornehmen Frau, die er als junger Mann gesehen hatte. „Der Narr sah mich, als ich noch jung war!“ meinte jene dazu. Und tatsächlich ließ Chalid sie gegen Gold umtauschen.
Folge der gewaltigen Expansion war ein Abgleiten in Luxusleben. Man fing sogar an, sich über den Puritanismus und die Einfachheit frommer Muselmanen lustig zu machen. Manche veranstalteten jeden zweiten Tag ein Trinkgelage, wobei Jezid II. (717-724) seiner Lieblings-Sklavin im Scherz eine Traube in den Mund warf, an der sie erstickte, worauf er nach einer Woche ebenfalls den Geist aufgab. Walid II. (724-743) badete in einem mit Wein gefüllten Schwimmbecken, benutzte den Koran als Zielscheibe beim Bogen-Schießen und seine Geliebten als öffentliche Vorbeterinnen. Der Kalif Harun war so in einen Dichter und Hofnarren verliebt, daß er sich einen Mantel mit zwei Hals-Ausschnitten anfertigen ließ, in dem er mit seinem Liebling das Nachtleben von Bagdad siamesisch genoß. Kalif Chumarawajh (884-895) legte sich ein Schwimmbecken aus Quecksilber zu, auf dem sein Bett aus aufgeblasenen Ledermatratzen dahinglitt. Staatsämter wurden an Meistbietende verkauft, Bewässerungs-Systeme verfielen, Hunger und Armut des Volkes führten zu Massen-Wanderungen und Gegenreaktionen. Da Kirche und Staat eins waren, erschienen Aufstände gewöhnlich im religiösen Gewand, indem man sich auf die angeblich ursprünglichen Lehren des Propheten berief, die inzwischen u.a. durch 4000 gefälschte Überlieferungen des Ibn Abi al-Audscha verunklart worden waren, wofür er 772 hingerichtet wurde. Mohammed wollte sogar das Zähneputzen zur Voraussetzung des Betens machen. Dagegen glauben viele Muslime bis heute an Zauberei und Wahrsagen, und die Frauen, die zu seiner Zeit noch unverschleiert auftraten, haben sich ebenso wenig wie die Männer das Tragen von langen Hosen verbieten lassen. Manche besaßen 200 Frauen, Ibn al-Tejib, ein Färber in Bagdad, hatte 85jährig sogar 900 angesammelt, weit übertroffen von al-Mutawakkil, der 4000 besessen haben soll. (Watte ma! Da wird er ja mehr als 10 Jahre gebraucht haben, bis er einmal durch war. Krankheits- und Ferientage noch nich mitgerechnet!?)
Wesentlich übersichtlichere Unterhaltung bestand darin, Schwerter an Kriegs-Gefangenen auszuprobieren. Die Korruption blühte in Staatsführung und Justiz. Schon Mohammed soll überzeugt gewesen sein, daß von 3 Richtern mindestens 2 in der Hölle landen würden. Als Ergänzung zu seinen unsystematischen und unvollständigen Überlieferungen erfanden die muselmanischen Rechtsgelehrten weitere. Einer der Gesetzgeber aß nie Wassermelonen, weil er keine kanonische Verfahrensweise dafür finden konnte. Gott hatte angeblich die Menschen erschaffen, um sie auf die Probe zu stellen, Maria wurde mit Jesus schwanger, weil Gabriel ihr in den Ärmel geblasen hatte. Um 757 entstand eine philosophische Schule der Abgespaltenen ( „Mutaziliten“), die den Koran kritisch unter die schon bekannte Lupe legten, besonders den darin enthaltenen Anthropomorphismus, mit dem von Allah berichtet wird. In einer Theokratie werden solche Angriffe immer als Bedrohung der Gesellschafts-Ordnung aufgefaßt und entsprechend geahndet. Ein persischer Dichter wurde enthauptet, weil er erklärt hatte, seine Verse seien besser als diejenigen des Korans. Die tanzenden Derwische der pseudo-asketischen Bewegung des Sufismus kannten Bücher-Verbrennung und Selbstkasteiung.
Mit dem – ohne Erdöl – unglaublich wachsenden Wohlstand und der zunehmenden Verweltlichung erblühten Wissenschaft, Kunst und Toleranz. Muselmanen wurden führende Ärzte. Die Rundgestalt der Erde galt als gesicherte Erkenntnis. Astronomen ließen nichts als wahr gelten, was nicht Erfahrung oder Experiment bestätigten. Die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert erscheint als Gipfelpunkt islamischer Kultur und mittelalterlichen Denkens überhaupt, dem das Christentum nichts entgegenzusetzen hatte. Die arabische Blütezeit umfaßt 3 Jahrhunderte (750-1050). Das muselmanische Spanien im 10. Jahrhundert soll das zivilisierteste Land Europas, wahrscheinlich sogar der ganzen Welt gewesen sein. Schon im 12. Jahrhundert wurde die strenge Ablehnung des Götzendienstes im Koran vom polytheistisch orientierten Volk nicht mehr beachtet. Dichter wandten sich gegen Theologen, welche „die Religion dem Mammon untertan machen“. Nach Abu’l-Ala al-Ma’arri und anderer waren die schlimmsten Schurken die Männer, die die Heiligen Stätten Mekkas verwalteten, und die man für Geld zu allem bewegen konnte. Man sollte seine Zeit nicht mit Pilgerfahrten verschwenden: „Zu eignem schmutzigen Gewinn besteigt die Kanzel er, …“
„Getäuscht bist du worden, aufrichtiger Mann, von einem hinterlistigen Schurken, der zu Frauen predigt.“
„O Suleiman, sing mir und bringe Wein, … den Muezzin zum Beten lasse schrein, …“
„Das ist angenehmer als auf den Schwarzen Stein zu starren, dem Geleier des Muezzins zuzuhören und unsauberes Wasser zu trinken.“
„… allein am Baume der Vernunft die Wahrheit wächst …“
Danach erzwang die wiedererstarkende Vorherrschaft der Theologie mit Lehrern, „die wegen ihrer geistigen Unzulänglichkeit und ihrem Mangel an Gehirn bekannt sind“, das Verstummen von Philosophie und Dichtung. Seit 1090 wurden die Widersacher des Islams u.a. durch die nordpersische Sekte der Haschischijun terrorisiert und niedergemetzelt. Diesen Assassinen bereitete erst der Einfall der Mongolen ein Ende. Der in Extravaganz entartete Reichtum schwand, die einstige Eroberungskraft verwandelte sich in Streben nach behaglichem Leben, welches in Armut versank. In seltsamer Gleichzeitigkeit mit dem Aufstieg der Franziskaner im Christentum triumphierte Strenggläubigkeit über Toleranz. Mit schwindender politischer Macht suchten die Propagandisten des Islams immer mehr Hilfe bei Theologen und Vertretern des rigiden Glaubens. Spekulatives Denken, das nach 1200 ganz verschwand, entwickelte sich zu einem gefährlichen Unternehmen, sofern es nicht in Schweigen geschah. Kritische Philosophen wurden hingerichtet. Die bis heute anhaltende Dunkelheit in der islamischen Welt wird nur durch das Verhalten des Volkes konterkariert, das sich stets gesünder zeigt als in seinen Glaubens-Bekenntnissen. Jedoch immer bereit, Angriffe auf den Glauben empört abzuwehren, der ihm – nach dem verbotenen Alkohol – zweitliebste Droge in der Plage des Lebens ist.
„Sie alle irren – Moslems, Christen, Juden und des Zoroaster Legion.
Die Menschheit kennt weltweit nur diese beiden:
Den einen, mit Verstand wohl aber ohne Religion,
Den andern, religiös, doch ohne Hirnarbeiten.“
2013 wurde einer Büste des Abu’l-Ala al-Ma’arri in Syrien der Kopf abgeschlagen.

Quelle: Will Durant, „Die Kultur des Islams“

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