Schleierhaft

schleierhaft

Seine Eltern starben früh, und so kümmerte sich niemand darum, ihn Lesen und Schreiben zu lehren. Er war von mittlerer Größe, rosig-weiße Gesichtsfarbe, die Augen so schwarz wie sein schulterlanges Haar, ein mächtiger Bart bedeckte seine Brust. Mit 25 gelang es ihm, eine reiche 40jährige Witwe zu heiraten, so daß er mehr Zeit für Visionen hatte. Möglicherweise litt er unter epileptischen Anfällen. Als ihm der Erzengel Gabriel in seinem 40sten Lebensjahr eine Offenbarung auf einer Decke aus Seiden-Brokat persönlich vor die Nase hielt, mußte er gestehen: „Ich kann nicht lesen.“ Seine aufdringlichen Missions-Versuche und das Anprangern der heidnischen Riten in seiner Heimatstadt gingen den dortigen Popen so auf die Nerven, daß sie ihn verfolgten. In einer anderen Stadt, in der er predigte, wurde er sogar mit Steinen beworfen. Schließlich flüchtete er mit seinen Anhängern in eine entfernte Stadt, wo er einen theokratischen Staat gründete, denn er hatte erkannt, wie man Religion zu einem Instrument der Herrschaftsgewalt machen kann. Dort baute er auch jeder seiner Frauen ein Häuschen. Mit 50 verlobte er sich mit einer 7jährigen. Durch den wachsenden Zuzug von Anhängern kam es zu Lebensmittel-Knappheit. Also betätigte er sich mit seiner Schar als Straßenräuber und überfiel die Karawanen auf dem Weg zu seiner Heimatstadt. 1/5 der Beute bekam er selbst, Witwen erhielten den Anteil ihres getöteten Räubers, jener ging augenblicks ins Paradies ein. Selbst im heiligen Monat wurde geraubt und gemordet. Kritiker seines Verhaltens wurden umgebracht. Eine Dichterin auf ihr Bett gespießt, ein Satiriker schlafend im Hof getötet. Auf seinen Wunsch hin wurde ihm der abgehauene Kopf eines Dichters zu Füßen gelegt. Einen Teil des Haushalts seiner zahlreichen Opfer eignete er sich selbst an. Unzufriedenheit unter den Freibeutern besänftigte er mit weiteren Raubzügen. Unter den Opfern wählte er ein 17jähriges Mädchen als nächste Ehefrau. Am Ende besaß er 10 Ehefrauen und 2 Konkubinen, die er in täglich wechselndem Turnus bediente. Ihrer Verschwendungs-Sucht kam er jedoch nicht nach, sondern lebte selbst in einfachsten Verhältnissen. Er reparierte seine Kleidung, zündete Feuer an, melkte die Ziege. Dienstleisungen, für die er selbst Zeit und Kraft hatte, ließ er nicht von Sklaven ausführen. Frauen und Macht waren seine einzigen Schwelgereien. Doch war er eitel, parfümierte sich, malte sich die Augen, färbte sich das Haar und trug einen Ring mit der Inschrift, er sei Gesandter Gottes. Gegen Gestank, Glockengeläut und lautes Sprechen war er allergisch. Dazu wurde er als nervös, gelegentlich melancholischen Anfällen unterworfen und als schalkhaft beschrieben. Abergläubische Grausamkeit gegen Tiere verbot er. Schließlich eroberte er seine Heimatstadt und zerstörte dort alle Götzen-Figuren bis auf einen Meteoriten, der auch weiterhin geküßt werden durfte. Seine Herrschaft beruhte auf unsystematischen Sonderbotschaften eines erfundenen Gottes. Wiederholt bekannte er seine Ignoranz. Die Neuordnung des Kalenders führte dazu, daß in 32 Jahren eine Differenz von 1 Jahr entstand. Mit 59 glaubte er vergiftet worden zu sein, mit 63 verschied er in den Armen seiner Lieblingsfrau.
Indem er sich kontrolliert des Fanatismus und des Aberglaubens seiner Anhänger bediente, schuf er nicht nur eine Nation sondern auch eine Weltreligion, die noch heute für Satiriker lebensgefährlich ist.

keine-Religion

http://www.thejakartapost.com/news/2015/01/11/suspected-terrorist-shot-dead-south-sulawesi.html

4 Gedanken zu „Schleierhaft

  1. Na ja, aba 100 mal heiraten wie Hasan, der Sohn von Ali, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten? Außerdem könnte man sich fragen, wie ein zwischen Erschöpfung und Langeweile ausgereiftes Konzept eigentlich aussehen sollte.

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