ask me anything

readme

Katie Kampenfelt ist eine schwer erträgliche 17jährige, deren promiskuitives Sex-Leben als Ausdruck ihrer Orientierungslosigkeit erscheint. Ein Musterbeispiel repressiver Entsublimierung. Der nicht wirklich originelle Film (2014) reizt anfangs zum Abbruch, weil er wie ein Girlie-Movie beginnt. Doch nach und nach gewinnt er an überraschender Tiefe. Als Therapie wird Katie empfohlen zu bloggen: „It’s a daily time commitment. It will keep your verbal skills sharp, and it will force you to be introspective.” Dieser anonyme Blog in „Ask Me Anything“ mit Details über ihr paralleles Sexleben mit einem festen Freund, einem College-Professor und einem verheirateten Mann, in dessen Haushalt sie als Babysitter arbeitet, entwickelt sich schnell zum Hit: „I’m only blogging for 16 days and I‘m already getting between 440 and 500 screen-visitors a day. Most popular search-terms, the people used to find me, are high-school, college, blonde, sex and oral-sex. Which means, many of you are lonely, disgusting pigs.”

visitors

Als Begründung ihrer Vorliebe für erheblich ältere Männer entdeckt Katie frühkindlichen sexuellen Mißbrauch durch einen Nachbarn und ihre Beziehung zum Vater, der Alkoholiker ist. Als alle ihre Liebesbeziehungen scheitern, und sie stattdessen schwanger wird, bricht ihr Blog ab, und sie verschwindet: „Can I do it? Just living without describing everything I do?“
Die packende Wendung beginnt (etwas verspätet) mit einer Art fiktivem Nachspann, in der die „echte“ Mutter vom rätselhaft spurlosen Verschwinden ihrer Tochter berichtet, das alle Alpträume der sorgenden Eltern Wirklichkeit werden läßt. Zwar existieren die Personen des Blogs, jedoch nicht in der beschriebenen Form. Der College-Professor ist Verkäufer in einem Video-Laden, der verheiratete Mann streitet die sexuelle Beziehung zu Katie ab.
Wesentlich beeindruckender wäre es, wenn es sich nicht nur um eine verfilmte Novelle handelte, sondern der Film auf tatsächlichen Ereignissen beruhen würde.
Dagegen das Beste, was ich bisher über den Metabolismus moderner Instant-Kommunikation gesehen habe: „Men, Women & Children“ (2014). Unbedingt sehenswert, auch wenn die vorgeführten Verhaltensweisen nicht notwendigerweise auf soziale Medien angewiesen sind und erst neuerdings durch Handphone, Facebook und Twitter beschleunigt vernetzt werden: „In all this darkness, there is no hint that help will come from elsewhere to save us from ourselves.“

http://ask.fm/ButWeDo
http://pssshhht.blogspot.com/#_=_

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s