Die goldene Schlange

Trap

Da gab es mal einen Indianer und eine Indianerin, die sich zufällig in der großen Stadt trafen. Sie war eine echte Indianerin, die jedoch immer aus ihrer Kultur rauswollte. Er dagegen war nur von seiner Lebensart einer, denn er lebte zurückgezogen im Wald. Da ihr seine Art gefiel, zog sie zu ihm, und sie lebten glücklich vor sich hin. Sie bauten sich ein kleines, doch schönes Haus, und die Frau legte einen großen Garten voller Früchte und Blumen an. Das Leben in der Natur war vielfältig und harmonisch. Nur waren sie umgeben von Wilden, die ihnen Früchte und Tiere stahlen und sie mit ihrem hemmungslosen Krach belästigten.
Um die wilden Hunde-Rudel loszuwerden, legte der Indianer Drahtschlingen aus, die jedoch von den starken Hunden zerrissen wurden. Eines Tages fand der Mann in einer der Fallen eine goldene Schlange gefangen, die ihn folgendermaßen ansprach:
„Hör ma, Indianer, ich bitte dich, laß mich leben! Ich bin keine richtige Schlange, sondern ein verhexter protestantischer Bischof, dessen letzter Exorzismus schiefgelaufen iss. Es nützt dir doch nix, wennde mich totmachst, ich würd noch nich ma schmecken. Laß mich doch wieda frei!“
Das leuchtete ein, und eine Schlange die nicht nur golden sondern sogar sprechen konnte, wollte der Mann doch lieber am Leben lassen – auch wenn sie eigentlich ein Bischof war.
Zuhause fragte ihn seine Indianerin, ob er was gefangen hätte.
„Nö“, antwortete der Mann, „nur eine goldene Schlange, die eigentlich ein Bischof iss, und sogar sprechen kann.“
„Und da hast du dir nichts gewünscht?“ fragte die Frau voller Erstaunen.
„Nö, was sollte ich mir wünschen? Ich hab doch alles, was ich brauche.“
„ICH nicht! Ich brauche mehr Kleider, Schuhe, Taschen, Schmuck, Kosmetika, und ich MUSS zum Spa und zum Friseur. – Geh noch heute wieder hin und bitte die Schlange, meine Wünsche zu erfüllen!“
Der Mann war davon gar nicht recht begeistert, wollte aber seiner Frau entgegenkommen und suchte nach der Schlange.
Wenn er im Wald arbeitete, arbeitete und arbeitete, pflegte er sich zwischendurch auf den Stamm einer umgestürzten Sago-Palmen zu setzen, um zu verschnaufen. Dort fand er die Schlange zusammengeringelt und sprach sie an:

Tuhan memberkati und shalom!
Goldene Schlange, ich bin bange.
meine Frau will nich so, wie ich wohl will,
deshalb wird mir ganz domm.“

„Na, was willse denn?“ fragte die Schlange.
„Ach, sie meint, ich hätte mir doch was wünschen sollen, weil ich dich freigelassen hab.“ Und er nannte der Schlange all die Wünsche seiner Frau.
„Geh man nach Hause!“ antwortete die Schlange. „Sie hat schon alles.“
Und tatsächlich! Als er in sein Haus zurückkehrte, war seine Frau frisch frisiert, besaß alle möglichen Kleider der albernsten Mode, behängt mit Goldschmuck, und ihre Lippen waren so leuchtend rot wie bei Tante Erna.
„So“, sagte der Mann, „jetzt bist du wieder zufrieden, und so soll es bleiben.“
„Na, das werden wir ja sehn“, antwortete die Frau.
So etwa 14 Tage später erklärte sie ihrem Mann, daß sie keine Landfrau sei. Sie kenne das alles schon, weil so aufgewachsen. Sie wolle auch nicht mehr kochen, sondern reisen. Nach Bali, Java, Australien, Deutschland, England und Bhutan. Er solle doch die Schlange nochmals bitten! Sie müsse raus, raus, raus!
Dem Manne wurde sehr unwohl. ‚Das ist nicht recht‘, dachte er bei sich, ging jedoch wieder zu der umgestürzten Sago-Palme.
„Na, was willse denn nu noch?“ fragte die goldene Schlange und zuckte dabei nervös mit ihrer Schwanzspitze. Der Mann sagte es ihr, und wieder antwortete die Schlange: „Geh man nach Hause! Sie hat schon alles.“
Und richtig! Als der Mann nach Hause kam, war seine Frau schon auf Bali. Als sie von da zurückkehrte, stellte sie heimlich einen Fahrer ein und war tagsüber kaum noch im Haus. Auch telefonierte sie nun andauernd und trug ständig mehrere Telephone mit sich rum.
‚So‘, dachte der Mann, ‚nun wird sie wohl zufrieden sein.‘ Doch es war kaum ein Monat vergangen, als die Frau ihn wieder aufforderte, die goldene Schlange um etwas zu bitten: „Ich brauche mehr Geld!“
„Ach“, widersprach der Mann, „wir haben doch genuch. Laß es gut sein!“ Doch die Frau ließ nicht locker, bis ihr Mann wieder zu der umgestürzten Palme ging.
Diesmal peitschte die Schlange ihren Schwanz wild hin und her, als sie hörte, daß die Frau immer noch unzufrieden war. „Geh man nach Hause! Sie wird alles verlieren, was sie jemals besessen hat: Ihren Mann, das Geld, die Harmonie und ihre Ruhe!“

Genau so ist es dann auch gekommen. Und wer das zuletzt erzählt hat, dem brummt noch der Kopf davon.

4 Gedanken zu „Die goldene Schlange

  1. Schöne Adaption vom Fischer und seiner Frau… Ich frage mich immer warum die Männer immer alles machen was ihnen ihre Frauen sagen, geht immer schlecht aus, so oder so. Andersherum auch. LG

  2. Mach ich grundsätzlich nich. Deshalb macht sie’s selbst. Zum Bleistift fracht se mich morgens, was ich heute essen wolle. Ich sach denn imma nix, weilse das sowieso nich macht. Sach ich: „Tarantella mit tibetanischem Blumenkohl“, fracht se: „Rheinischer Sauerbraten?“ Sach ich: „JA!“ Sachtse: „Ich denk, du bist Vegetarier!“ Antworte ich: „Ach ja! Hab ich vagessen.“ Und denn muß ich mir wieda ne 4min-Suppe machen, weilse mittags zum Friseur wech iss. Hättse doch ganich fragen brauchen.

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