Weihnachtstier, Zwerg und Granate

Weihnachtstier

“100 billion neurons per human, of which only 50 percent are activated. There are more connections in the human body than there are stars in the galaxy. We possess a gigantic network of information to which we have almost no access.” (“Lucy”)

Sicha wird sich der eine und auch der andere Leser fragen, was denn das Gemeinsame obiger Tier-, Mensch- und Dingwörter sein könnte. Das iss ganz einfach und wird an diesa Stelle auch sofort erläutert. Wo denn sonst?
Zuerst einmal beschlich mich gleich das Gefühl, Weihnachten könne vor der Tür stehen, als ich dieses Weihnachts-Tier in einer Mall Manados sah. Mir hatte latürnich wieda keina was gesacht, aba, so fragte ich mich unmittelbar: Muß das denn unbedingt schon wieda sein? Könnte man Weihnachten nich ma ein paar Jahre ausfallen lassen? Ich mein, die Vorfreude wär dann viel größer. Das iss doch wie beim Geschlechts-Verkehr. Und dann hat sich der Weihnachtsmann auch bis zur Unkenntlichkeit verändert, sodaß man nich mehr weiß: Was soll man denn nun eigentlich machen?
Der TV-Schirm in dem Telkom-Laden, wo meine Frau ma wieda eins ihrer 3 Händföne ssetten ließ, gab darauf auch keine Antwort. Stattdessen zeigte er den größten und den kleinsten Mann der Welt, was besonders nebeneinander hübsch anzusehen war. Leida hat der Zwerg dabei stark gewackelt. Jedenfalls brauch man keine Freak-Show mehr zu besuchen, mit bärtigen Frauen, Elefanten-Menschen und Leuten ohne Untaleib, sondern man kricht das schon in den Mittags-Nachrichten geliefert, genau um 12Uhr52. Vielleicht sollte ich mir doch 1 TV anschaffen, damit ich mehr solch niedliche Zwerge beobachten kann.

TV-Zwerg

Auch das Militär hat sich für Weihnachten gerüstet: Weil die Soldaten schon lange nix mehr zu tun ham – nich wie die Bunneswehr, die an unserer Grenze zu Afganichverstan den Frieden mit Kampf-Hubschraubern verteidigt – behübschen sie eben ständich ihre Kaserne. Die sind wirkrich sensibel, diese Soldaten. 1 Busch hamse sogar in Herzform beschnitten. Alles iss fein angestrichen und für indonesische Verhältnisse ganz ungewöhnlich gepflegt. Eine echte Schule der Nation. Wascheinlich foltern sie auch nur noch, wenn’s unbedingt nötich iss, und dann ganz zärtlich. Am schönsten iss jetz aba der gerade fertichgestellte Schmuck üba dem Eingang des Hauptquartiers: Da befindet sich nun eine haushohe, halbplastische, rote Beton-Granate hinter der 2 sich kreuzende Blitze rumzucken. Normalerweise weist das auf Funkverkehr, aba vielleich texten die Soldaten ja heutzutage, während sie ihre Granaten in den Mörser schmeißen: INCOMIIING! Jedenfalls wird das Ganze schön eingefaßt durch 2 goldich-stilvolle Reisähren, und wenn das Monstrum beim nächsten Erdbeben nach vorne umklappt, kann man damit einen ganzen Zug Soldaten auf einmal vanichten.

Komando

Und kaum hatte ich das geschrieben, begann um 10Uhr31 mein Rollen-Sessel unter mir herumzuschlingern. Ich hämmerte gerade auf meiner Yamaha eine heftige Percussion und dachte: SO temperamentvoll spiele ich doch ganich! Außerdem wirkte der Sessel-Rhythmus irgendwie asynchron. Bis mir klar wurde, daß es sich um ein Erdbeben handelte. Der Teich wurde zum wilden Meer, schwappte über, und das ganze Haus wackelte. 7,3 auf der nach oben offenen Schleuder-Skala. Das Zentrum ~160km nordöstlich. Als ich mich erhob, schwankte ich wie auf Gummiboden – bis die Stöße nach etwa 3min schwächer wurden und dann ganz aufhörten. Viele Wilde schrien und rannten panisch aus ihren Häusern. Ich dagegen beobachtete fasziniert die Wellen auf meinem Teich.

15.11.14

Das menschliche Gehirn umfaßt eine halbe Billion Nervenzellen, verbunden durch Fasern, die mit über hundert Billionen Synapsen miteinander verknüpft sind. Im Film „Lucy“ (2014), in dem Wissen mit Speicher-Kapazität verwechselt wird, besteht das Grundproblem darin, daß – zumindest die Minahasa – angeblich nur durchschnittlich 10% dieser Kapazität nutzen (Für den Film braucht man nich so viel: „Chances are you’ll feel like your own IQ levels are dropping just as rapidly as you watch it.“). Nich nur im Kino, auch während des Alters-Prozesses gehen bis zu einem Fünftel an Nerven-Zellen verloren. Die Verbleibenden bilden dafür längere Dendriten aus. Was würden wir tun, wenn wir die volle Kapazität unseres Gehirns nutzen könnten? Im LSD-Rausch glaubte ich, das zu können. Ich sah die Muster, die allem menschlichen Verhalten zu Grunde liegen. Ich konnte mich völlich davon lösen. Ich schwang zeitlos mit der Erde – ohne Zwerge, Bomben, Weihnachten und Netzwerk.

Dendritenbaum2

http://insellos.wordpress.com/?s=Lucy

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