Das Über-Ich im Himalaya

aufwaerts

“It is about time that someone puts this all hogwash into perspective.”
“Too bad wikipedia is so uncritical about this kind of persons.”

Wenn ein Esoteriker-Versorgungs-Verlag wie der von Otto Wilhelm Barth alte Kamellen verkaufen will, läßt er einfach das Erstveröffentlichungs-Jahr wech. Nur im Text von Paul Brunton (1898-1981), „Als Einsiedler im Himalaya“, erfährt man, daß er schon 1937 erschienen ist – was auch die schwülstige Ausdrucksweise erklärt.
Paul wurde von Gott „empor“ gerufen, sich in einem Regierungs-Gebäude im englisch beherrschten Tehri-Garhwal kurzzeitig niederzulassen, dort, wo die Luft „süß von derLiebe“ ist, „die aus dem höchsten Wesen strömt“. Überhaupt strömt viel, u.a. „unbezwingliche Verehrung“ zu einem „verehrten geistigen Lehrer“, dem er sich „jeden Augenblick“ zu Füßen werfen möchte, und der – dem höchsten Wesen vorgeschaltet – ihm den Befehl gab, befristet zu vereinsamen. Dabei hilft ihm ein Diener. So läßt es sich gut meditieren, wenn einer für Nahrung und frische Wäsche sorgt. Dabei kann der verehrte Lehrer nur noch durch Gedanken-Übertragung eingreifen: „Sei still und erkenne, daß ich Gott bin.“
Wo Paul überall verhaftet ist, erkennt man daran, wie er den Bergwald beschreibt, der ihn umgibt: „Ein ganzer Wald von Christbäumen vor der Tür!“ Jetzt wahrscheinlich nich mehr, weil das Könichreich Teri hauptsächlich vom Holzfällen lebt. Holz, das die englische Besatzung gnädich abnimmt, die auch durch offensichtlich höhere Fügung nach Indien gefunden hat. Mehr politischen Tiefsinn findet man in Aussagen wie: „Die Welt wird erst Frieden finden, wenn unsere Herzen friedvoll sind.“ So einfach iss das. „Dieselbe Lebens-Schau hatte Jesus.“ Es geht darum, das Über-Ich zu erkennen, „denn Gott und Über-Ich sind eins“. Voraussetzung sei, daß man nich zu stark denke, sondern sich der göttlichen Intuition öffne, die sich aus dem Geheimnis offenbart. Das ungeheure Wissen der Orientalen von den geistigen und seelischen Geheimnissen sei dem Wissen des Abendlandes überlegen. Eigenartich, daß die Orientalen übahaupt Telephone benutzen. Wichtich sei auch, per Parapüschologie frühe Verkörperungen zu erkennen. Aba nich so, daß dann alle früher ma Kleopatra oda Gandhi warn! Übazeugt iss Paul davon, daß er sich schon ma in eina früheren Verkörperung in Asien aufgehalten hat.
Schön iss auch die Natur im Himalaya, nur die schwarzen Bären stören etwas, die ziemlich unerfreulich beißen können. Doch die Natur, unsere Mutta, macht die Bären nich umsonst: „Was hätten wir denn der Natur getan, daß sie uns aus anderen als Erziehungs-Gründen strafen sollte?“ Als sie dann auch noch mit Monsun-Sturm straft, in dem schon mal das eine oda andere Blech-Dach wechfliegt, zieht Paul doch lieba um in ein festeres Haus. Vorher verabschiedet er sich aba noch von seina Lieblings-Zeder, deren Äste dabei melancholisch aufseufzen: „Vergib mir, liebe Zeder.“
Wenn man so allein iss wie Paul, nur mit einem Diena, iss man latürnich froh, wenn eina da iss, der einen hört. Mich hört zum Bleistift keina, auch keine Zeder. Mich trägt auch nich die große Mutta Natur an ihrer Erdenbrust, stattdessen hat mich neulich wieda eine Hornisse gestochen, so daß ich 2 Tage lang Schmerzen hatte. Ich würd ja gern wie Paul rufen: „Kommt in die Wälder und Berge! Die Natur ist dein Freund.“ Aba vorsichtich vor den Hornissen!
Mißtrauisch soll man im Himalaya auch bei den Landstreichern, Vagabunden und Dieben sein, die sich gern als Yogi, Mönch, Asket oda Heiliga verkleiden. Einer der ordentlichen Yogi, der ihn besucht, warnt, „daß 90% nur faule Nichtstuer, Bettler und Landstreicher sind … Unter Hunderten suchten vielleicht nur 5 wirklich nach geistigen Wahrheiten.“ Also 95%! Dem Yogi Bhandu Sharma geht es sonst gut, „denn ich habe die Freiheit, zu lernen und mich der Versenkung hinzugeben. Und diese Freiheit fehlte mir früher als Staats-Beamter, wenn ich auch gut bezahlt wurde“. Das geht mir auch so, wobei ich mich heutzutage ganich mehr versenken muß, weil das schon meine Frau erledigt. Ansonsten isses ganz einfach, das Einsiedeln zu finanzieren: Man läßt sich irgendwo in äußerster Einfachheit nur mit einem Diena nieda und lebt von einem kleinen Einkommen, „das mir Freunde geben werden“. Gehobene Gurus verfügen jedoch üba mehrere Kulis und Diena, ganz abgesehen von den „Scharen von Schutzengeln und helfenden Geistern“, die Paul umgeben. Sowas hätt ich auch gern beim Graben-Reinigen und Windeln-Beseitigen. Doch gips hier nich diese „magnetische Atmosphäre starker geistiger Schwingungen“ wie im Himalaya – trotz der zahlreichen Sendetürme – und alle jammern üba die schlechte Handphone-Verbindung, nur ich nich, weil ich als Einsiedla keins brauche: „Ich habe keine Stellung, keinen anerkannten Platz in der Welt. Ich bin ein Mensch ohne Ansehen. Doch was schadet es?“ In einem Punkt irrt der Inder jedoch: „Keiner kann seinen eigenen Kopf rasieren.“ Aba locker würd ich das hinkriegen. Dagegen könnt ich nich nach den Methoden des Hatha-Yoga meinen Dünn- und Dickdarm spülen, indem ich Wasser schlucke und es hinten wieda rauspresse. Oda meine Magenwände mit eina 7m langen Mulbinde putzen. Oda im Fluß nach der „Basli“-Methode meinen Dickdarm rausziehen und waschen. Da würd ich doch ersma nachsehen, ob ein paar hungrige Barsche oda die fast 2m langen, beindicken Killer-Aale in der Nähe lauern. Ich kann nich ma mit meinem Pimmel den Radetzky-Marsch dirigieren. Jedenfalls nich mehr.
Sicha iss, das früha alles bessa wa. In der Urzeit herrschte das Gute, „eine Ausbeutung der Schwächeren durch die Starken war noch unmöglich“, und der Einsiedla ging Hand in Hand mit dem eigensinnigen Himalaya-Bären üba die Erdenbrust, denn alle hatten genuch Futta.

Foto aus „The Myth“ (2005)

8 Gedanken zu „Das Über-Ich im Himalaya

  1. Ich weiß nich, ob es da eine fixierte Definition gibt. Warum soll man nich mit 1-2 Frauen einsiedeln? Ich mein, auf die Dauer stören sie latürnich, weil sie ja nie zufrieden sind.

  2. Ach der Einsiedlerkrebs! Der hat keine Ahnung vom Einsiedeln. Der tut doch bloß so, weil er hinten etwas empfindlich iss.

  3. Pingback: Soll man Bücher verbrennen? | Memoiren eines Waldschrats

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