Vorletzte Worte

indochine

„Lieber ein kleines bißchen Wirklichkeit als ein Riesenhaufen Illusion! Schlußendlich betrügt ihr euch ja nur selbst!“

Der Chinese grüßt am frühen Morgen mit: „Ngi schid li zao ma?“ Darauf antwortet man latürnich mit: „Schid li.“ Obwohl das schon ganz schön mißverständlich klingt. Bessa man sagt: „Mang zhen.“ Mittags erkundigt sich der Chinese mit: „Ngi schid li dschu ma?“ Abends mit: „Ngi schid li ja ma?“ Dagegen sacht der chinesische Christ: „Pin on!“ Ich kann mir das einfach nich merken. Mein Sohn, der das im 4. Schuljahr lesen mußte, wohl auch nich. Doch iss der typische Gruß des Minahasa sofort einleuchtend: „Schalom!“ Ganz ohne Schid. Letztlich sind wir doch alle Hebräer.
Beispielswillen jedoch sollten wir auch Ünjen (864-949) vom Wolkentor-Berg berücksichtigen, der gesacht hat: „Ihr liegt total falsch, ihr blinden Idioten!“ Doch was wollte uns Ünjen damit eigentlich sagen? Iss doch ganz klar: Ihr dürft den Tricks anderer Leute nich auf den Leim gehen und ihre Lehren nich einfach akzeptieren wie die grünen Fliegen, die sich auf der Scheiße drängen. Pilgerreisen, heilige Schriften, die einem vom Himmel auf den Kopf gestürzt sind, auf dem Hintern mit verkrumpelten Beinen rumsitzen, Schnirkel-Yoga – all das nur eingeschlagene Pflöcke, an denen ihr euch selbst fesselt. Wer‘s wirklich begriffen hat, verbringt seine Tage im Einklang mit dem Gewöhnlichen. Daheimsein ohne Durst. Weder die verschiedenen gesellschaftlichen Rollen noch Reichtum noch irgendwelche Therapien oder spirituellen Wege bringen letztlich Frieden. Was sich draußen befindet, ist nicht der Schatz des eigenen Hauses. Was tust du also, wenn gar nichts geht?
Fragte ein Mönch: „Was ist das Problem?“
Antwortete Ünjen: „Daß du den Gestank deiner eigenen Scheiße nicht bemerkst.“
Jedenfalls hat das Urs App SO ausgedrückt. Bei Ünjen wird das wohl irgendwie chinesisch geklungen haben.
Mönch: „Was ist Zen?“
Ünjen: „Genau!“
Mönch: „Und was ist der WEG?“
Ünjen: „Ja!!“
„Soll ich Pizza machen?“ fragt meine Frau.
„Ja!“
„Mehl ist ausverkauft“, erklärt sie, als sie vom Markt zurückkommt. Benzin auch. Strom sowieso. „Essen wir Reis?“
„Ja.“ (Ohne Ausrufungszeichen!)
„Ich hole dazu gebratenen Fisch von Nortje. – Ich kann Nortje telefonisch nicht erreichen.“
So geht das imma weita.
Mönch: „Bitte Meister, zeigt mir einen Zugang!“
Ünjen: „Suppe trinken, Reis essen!“
Ohne Fisch.
Meister Xuefeng: „Du bist die ganze Welt. Doch du denkst ständig, es gebe sonst noch etwas.“
Es hört einfach nich auf.

8 Gedanken zu „Vorletzte Worte

  1. Oh, ich les grad: >> Weisheit ist eine menschliche Kardinaltugend und bezeichnet vorrangig ein tiefgehendes Verständnis von Zusammenhängen in Natur, Leben und Gesellschaft, sowie die Fähigkeit, bei Problemen und Herausforderungen die jeweils schlüssigste und sinnvollste Handlungsweise zu identifizieren. << (Ohne Ausrufungszeichen)

  2. Jetz gips übahaupt keinen Fisch mehr, weil Nortjes Haus letzte Nacht abgebrannt iss. Der Strom war wieda wech, aba die Wilden traun sich nich, ohne Licht zu schlafen. Also hamse 1 Kerze brennen lassen, die 1 Maus unta das Sofa gezogen hat. Und ihr Mann liegt mit Herzanfall im Krankenhaus.

  3. Also, daß ich, nach Kleebildern suchend, hier gelandet bin, ist schon erstaunlich! Aber auch noch auf intelligente Texte von einem vermutlich freien Geist zu stoßen, untermalt von einem wahnsinnig schönen Lied…vielleicht wars aber auch ganz anders und ich habe Deine Flaschenpost aus unserem kleinen Bach gezogen, wo sie sich in einem vereisten Steinhaufen verfangen hat, meine Güte, sowas wünscht man sich doch ein Leben lang, oder? Ich werd wahrscheinlich jetzt öfters nachsehen gehen, es interessiert mich, was Du so schreibst und wie Ihr da so lebt, am Ende der Welt…oje, nein, es ist eher umgekehrt, fürcht ich, wir sind wahrscheinlich das Ende der Welt, hier, am Rande der Republik, am südöstlichsten Eck, kurz vor den Bergen… Viele liebe Grüsse dahin, wo Du bist! O, wie weit ist Panama! Margarete

  4. Na, da danke ich doch schön, Margarete. Betreibst Du keinen Blog? Son bisschen was über kleine Bäche und Steinhaufen in Panama?

  5. Lieber Tom, komisch, daß Du mich nach meinem Blog fragst, Du müsstest ihn doch besuchen können, Graugans, oder etwa nicht? Würd mich sehr freuen! Viele liebe Grüsse

  6. Ging nich direkt („The address is not valid“), siehst Du auch an der Farbe, aber über Deinen Gravatar-Link geht es. Und den simplen „Follow“-Knopf finde ich auch nicht.

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