Heilung mit Hammer

vorsicht

„Everyone wants to escape … but in the end there’s only death.” Houdini

Harry Houdini (1874-1926) ist mir nicht so sympathisch, weil er einen Elefanten verschwinden lassen konnte, oder weil er an Blinddarm-Durchbruch starb, was ich auch ma versucht hab, hat jedoch nich geklappt („Warten auf Adermann“). Nein, es ist sein Engagement gegen den Okkultismus, in den christliche Rituale unlogischerweise in der Regel nich mit einbezogen werden, obwohl ich ma einer astreinen katholischen Zauber-Schau in der Kathedrale von Manado beigewohnt hab. Und der Bruder der neusten Favoritin meiner Frau heilt Zahnschmerzen per Telefon. Dazu muß der Kranke den schmerzenden Zahn lokalisieren und mitteilen, daraufhin schlägt der Heiler am anderen Ende der Leitung mit einem Hammer auf einen Nagel. Die Übertragung des Tons heilt.
„Kann das sein?“ fragte meine Frau. Ein strafender Blick meinerseits veranlaßte sie, die Frage sofort zurückzuziehen. Zumindest kann das nich mit SMS funktionieren. Wohl aber astrologische Beratung für eine Lehrerin in Niedersachsen. Motorrad-Taxifahrer trauen sich nachts nich in den Lorong Jerman, weil sie dort den von mir gespendeten Friedhof passieren müßten. Das war auch die Idee, allerdings fürchten Diebe weder die Toten noch die Schlangen.
Geredet wird immer nur darüber, wie Heilung erfolgte, nicht über das Versagen der Schamanen. In der wissenschaftlichen Medizin ist es genau umgekehrt. Der Esoteriker nimmt die Ausnahme des Mißerfolgs als Anlaß für grundsätzliche Skepsis. Die Betrügerin Linda muß sich jetzt allerdings eine andere Geister-Beschwörerin suchen, die die Geister in ihrer Schatzhöhle besänftigt. Die extra aus Bali eingeflogene erklärte sich vor Ort als nich zuständig. Wahrscheinlich kannse nur hinduistische Geister.
Nachdem Houdini selbst erfahren hatte, wie das läuft, machte er den Kampf gegen betrügerische Spiritisten zu seiner Lebensaufgabe. Seine Feinde schlugen ihn tot, weil er die Wahrheit über Hochstapler verbreitete. Damit stand er auf seine Weise in der Nachfolge des barocken Aufklärers Christian Thomasius (1655-1728), Rechtsgelehrter und Philosoph, der eine auf gesundem Menschenverstand beruhende und praktische Zwecke verfolgende Auffassung der Wissenschaften befürwortete. Er hatte die Abschaffung der Hexenprozesse und der Folter gefordert, was ihm nicht nur Publikations- und Lehrverbot sondern auch einen Prozeß wegen Gottlosigkeit einbrachte. Damals wurde an Universitäten Hexenlehre „wissenschaftlich“ betrieben. Damals? Zumindest bis 1978 gab es an der Universität Freiburg einen Lehrstuhl für „Parapsychologie“, dessen Inhaber Prof. Bender in einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs eine unwissenschaftliche Haltung bescheinigt wurde, da „die hier in Rede stehenden Kräfte nicht beweisbar sind, sondern lediglich dem Glauben oder Aberglauben, der Vorstellung oder dem Wahne angehören“. Wie das Landgericht Kassel 1985 feststellte, sind nach dem Stand der Wissenschaft parapsychologische Leistungen wie Hellsehen, Gedanken-Übertragung und Zaubern objektiv unmöglich und notorisch nichtexistent: „Wer sich auf parapsychologische Tatsachen beruft, deren Existenz jeglicher Lebenserfahrung widerspricht und deren Existenz auch durch naturwissenschaftliche Forschungen bislang nicht nachgewiesen werden konnte, den trifft die Beweislast für diese Tatsachen. Es ist nicht Aufgabe eines Skeptikers, jede absurde Behauptung zu widerlegen.“

jenseits

„Die Weiße Fahne – Zeitblätter für Verinnerlichung und Vergeistigung“, Pfullingen, 1925

Ein Gedanke zu „Heilung mit Hammer

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