Gold vor der Nase

Carnavon-Carter

„Der Edle benutzt seinen Reichtum, um sein Leben reicher zu gestalten. Der Niedrigdenkende benützt sein Leben, um zu Reichtum zu gelangen.“ Konfuzius

„Welches ist das größte Pensionsrisiko in der betrieblichen Altersversorgung?“ fragte der Newsletter „Allianz Global Investors“. Keine Ahnung. Aba ich weiß jetz, was das größte Risiko in der privaten iss: Der Partner – noch vor Geldentwertung und 0-Zinsen.

Schon Mechthild Mühlstein, der anscheinend mal was auf den Kopf gefallen iss, hatte ja deutlich erkannt, was ich wirklich bin: Ein „Imperialist im Kleinstformat“. Nachdem die vorletzte, von uns vorfinanzierte Mißernte von winzigen, mistigen Hüpfern verursacht wurde, ging Ahmad bei der letzten nich auf Nummer sicher sondern probierte, um Lohnkosten zu sparen, eine neue Pflanz-Methode aus, die in seiner Heimat-Provinz Gorontalo angewandt wird: Man pflanzt nich jeden Reishalm einzeln sondern sät. Ist der Schlamm nich völlich waagrecht sondern voller Pfützen, verfault die Saat. Die überlebenden Pflanzen stehen so dicht, daß man das Wildkraut schlecht jäten kann. Wieder Mißernte. Daß meine Frau auch Grundstück und Haus verpfändet hat, welches er kostenlos nutzt, ahnt er nich. Mit Armut könnte er jedoch besser umgehen als ich, denn bitter arm war er, bevor er mich traf.
Mit sowas gibt sich die notorische Betrügerin Linda ganich ab. Sie baggert einen Hügel wech und steht inzwischen vor der Tür einer Schatzkammer wie Howard Carter und Lord Carnarvon 1923 vor der Sargkammer Tutanchamuns (Foto). Dahinter befindet sich bestimmt der goldene Sarg eines Krokodils oder nur eine tote Fledermaus. Auch müssen noch einige Geister besänftigt werden, aber man kann das Gold schon beleihen, wie die Haut des Bärens, den man noch nich erlegt hat. „Was ist ein Spekulant? Ein Mann, der ohne einen Pfennig Geld in der Tasche Austern bestellt, in der Hoffnung, mit einer darin gefundenen Perle bezahlen zu können.“ (Sprichwort). Einem westlichen Investor war das zu unsicher. Einige ganz Vorsichtige befragten ihren Pasta. Der fand mit Hilfe Gottes heraus, daß die Höhle leer ist. Die protestantischen Popen haben die richtige Methode: Mit Weissagen, Wunda-Heilung und Exorzismus können sie für ihr Alter vorsorgen. Ein endloser Strom von Kunden, die sich nachts nur im geschlossenen Wagen an Friedhöfen vorbeitrauen, ist ihnen sicher.
Während ich ahnungslos gerade meine schon bewilligte Rente wegen kaum erfüllbarer Konditionen zurückwies, versuchte meine Frau ihr Portfolio durch Verleih mit Wucher-Zinsen aufzustocken und versackte stattdessen in ~147000EUR Schulden, eine Summe, die täglich größer wird. Einer ihrer Gläubiger ist gestorben, 3 auf der Flucht. Michael, Zeuge Jehovas, der mit seinem Supermarkt Pleite ist, weil eine größere Supermarkt-Kette direkt gegenüber eröffnet wurde, ist mit dem geliehenen Geld nach Singapore gefahren. Nicht mal seine Mutter leiht ihm noch was. Und Linda steht vor der Tür zum Schatz und verteilt ungedeckte Schecks.

Jahrelang haben wir unter großen Anstrengungen mit meinem Geld Reisfelder aufgekauft, die uns im Notfall versorgen könnten. Die Papiere, generell in unglaublicher Unordnung, hat meine Frau ganz allein mit erheblicher Mühe und viel Schmiergeld zu Zertifikaten zusammenfassen können. Kaum war das gelungen, stellte sich zufällig heraus, wie wir nach indonesischem Recht ganich verheiratet sind, ich allein schon deshalb nich erbberechtigt bin. Auch das steht kurz vor einer Lösung. Doch nun sind die Papiere für Haus und Ländereien mit bis zu 20% Schuldzinsen per MONAT an private Geld-Verleiher verpfändet hat, die mit Schwarzgeldern arbeiten. Z.B. an einen Ex-Marine-Infanteristen, Türsteher vor einem Casino. Jener vermittelt den Ruinierten Gelder, die das Casino unterbringen muß. Zur Umschuldung der ruinösen Zins-Zeitbombe muß meine Frau jetzt Beamte einsetzen, die ihre Schwarzgelder anlegen wollen, dafür jedoch keine Banken benutzen können. Nicht nur die kumulierten Bestechungs-Summen, auch Etat-Gelder werden kurzfristig verliehen. Da müssen eventuell die Lehrer 1 Monat warten, bis sie ihren Lohn vom letzten bekommen. Ethische Investitionen sind das nich.
Versorgungs-Gelder im Alter zu verpfuschen, ist besonders folgenreich, weil sie kaum wieder ersetzt werden können. Ob wir die größte Schuldnerin Linda je zur Verantwortung ziehen können, ist mehr als fraglich. Daß ein eventuell gefundener Goldschatz dem Staat gehört, hat sich hier noch nich rumgesprochen, ist jedoch wie alles in Indonesien verhandelbar. Man muß nur die zuständigen Beamten ordentlich versorgen. Das größte Risiko für Linda ist der Fluch des Jerman, denn leida darf ich hier keinen hauen.

„Wenn das ein Krimi wäre, würde jeder sagen: Also jetzt haben sie aber zu dick aufgetragen“, meint Marie. Es ist einer, und er geht weiter. Umgeschuldet wird jetzt mit einer Bank („a trusted banking institution with a financial structure that is solid, sound and efficient”). D.h. nich offiziell, sondern mit deren Mitarbeitern, die sich die Abschluß-Gebühr untereinander aufteilen – bis sie rausfliegen. Man muß sich die Gesellschaft Indonesiens als Dschungel vorstellen, in dem jeder jeden zu fressen versucht, und dabei täglich mehrmals Gott anruft – auch üba Twitter (mit Skype geht das ja nich). Deshalb: Mikro-Kredite für die Armen? Der neuste Öko-Schlager? Einfach lachhaft. Sie kaufen sich davon Unterhaltungs-Elektronik und zahlen nix zurück. Und wer ist verantwortlich, wenn ein Pächter unseren Ernte-Anteil nicht voll bezahlt, weil sein arbeitsloser, unverheirateter Sohn ein Kind produziert hat? Der Kapitalismus? Das Klima? Ich?

11 Gedanken zu „Gold vor der Nase

  1. Marie kann man nur zustimmen. Wäre es ein Film-Plot, würde keiner glauben, es mit einem Dokumentarfilm zu tun zu haben. hm… frag doch mal bei Vox, ob sie für „Goodbye Deustchland“ mal einen richtig tollen Drehort wünschen. Die bezahlen in Euro.

  2. Also ich könnt jetz jeden Tag was Neues schreiben, allein über die Unternehmungen von Linda. Und die Methoden der Umschuldungs-Mafia sind für mich völlich neu. Ein weiteres Beispiel wie auch das indonesische Bankwesen in sich total marode ist. Aber ich kenn kein „Vox“. Da wär sicher die Anfahrt etwas lang. Außerdem muß man wenigstens so lange mitspielen, bis man aus dem Schlamassel raus ist.

  3. Vox ist ein deutscher Privatsender. > http://www.vox.de/cms/chronik/impressum.html
    die Sendereihe läuft schon über 5 Jahre, oft werden dieselben Auswanderer in Intervallen wieder besucht, solange sie das Handtuch „draussen“ nicht geworfen haben, auch in Thailand und Brasilien beispielsweise.
    Ich meine das darum durchaus ernst, dass sich lohnen könnte, mit dem Sender Kontakt aufzunehmen.

  4. Hab keine Antenne.
    Das sind Leute, die Stimmen hören. Iss ja gruselich. Und Hunde ham die auch.
    Da soll man sich bewerben, wenn man raus WILL! Und dann verfolgen die einen mit ihren Hunden. Iss doch schrecklich!
    Ich bin ja schon draussen. Kann ich mich ja nich mehr bewerben.

  5. Marie hat wieda voll ins Gelbe getroffen:
    „Sieh es doch mal positiv, was wäre wenn DU in D geblieben wärst, WAS hättest Du zu erzählen? Wer würde Dir zuhören?“
    Jawollja! So isses … andererseits – es gab dort schon Leute, die mich irgendwie für verrückt hielten und sogar meine Bilder kauften. Also!?

  6. …. ja genau, ist voll langweilig hier so ohne große Schulden, Schlangen und Ziegendieben. Unser eigenes Getreide bauen wir auch nicht an. Aber neulich haben ein paar Männer in einem Bach im Westerwald nach Gold gesucht, das haben sie im Fernsehen gesehen. Sie haben mich böse angeguckt als ich gefragt habe ob sie schon etwas gefunden haben.

  7. Hatte ich zwar auch anders mitbekommen, aber nicht können ist nicht dasselbe wie nicht gefragt zu haben. Bei der Summe, die über euren Köpfen hängt wäre mir das egal. ob deren Hunde Stimmen hören, wenn sie raus wollen.

  8. Marie berichtet, daß VOX 6000EUR zahlt und dann gestellte Seifenopern dreht: „Da wandern dann Leute aus mit keinerlei Kapital und ohne die Sprache zu sprechen, und davon leben die Quoten dieser Sendung.“ Und die Zuschauer freuen sich, wenn es schiefgeht.

  9. Das dürfen die ja auch nich verraten, ob sie Gold gefunden haben, sonst wird der Westerwald zu einem 2. Kalifornien. Stell Dir das ma vor! 80000 russische Goldsucher im Westerwald!

  10. Ich kenne die Sendung schon seit meinen „Ösie-Zeiten“. ob die Summe stimmt. weiß ich nicht. Es gibt Erfolgs- und Misserfolgssendungen, aber vor allem gibt es Fortsetzungen, teilweise über Jahre – Der Hamburger USA-Auswanderer „Connie Reimann“ ist seit Jahren geradezu Kult. nicht zuletzt weil er, seine Projekte und seine Umgebung so sehr geeignet sind, Zuschauer mit – selbstverständlich gestellen – Szenen, aber mit etwas Besonderem zu unterhalten. Mallorca-Elend gibt es genug, und Dummheit langweilt. Ich glaube außerdem kaum, dass die zahlreichen Sendungen mit ihm und seiner Familie mit lediglich einmal 6000 Euro abgegolten worden sind.
    Ob es sich lohnt oder nicht, kann dir letztlich nur der Sender sagen.

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