Folgen des Durstes

Durstfolgen

„Habgier im Alter ist eine Narrheit. Vergrößert man denn seinen Reiseproviant, wenn man sich dem Ziel nähert?“ Marcus Tullius Cicero (106-43 v.Chr.)

„Der Überfluß pflegt auch der Allerweisesten Verstand zu blenden.“
Friedrich der Große (1712-86)

„Der Reichtum gleicht dem Seewasser: Je mehr man davon trinkt, um so durstiger wird man.“ Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Jeder Reisende begegnet diesen alten Stockfischen in Wanderschuhen. Unfähig überhaupt das eigene Gepäck zu tragen, muß man ihnen in und aus dem Zug helfen, wobei man sich fragt, wie sie überhaupt so weit gekommen sind. Aber sie haben immer noch einen unstillbaren Durst nach der Welt, der durch TV nicht gelöscht werden kann, bzw. dadurch auch erzeugt wird im Auftrag der Reisebüros. So ziehen sie ruhelos auf nicht ausgetretenen Pfaden durch die Welt, wo sie alle wiedertreffen, die auf nicht ausgetretenen Pfaden durch die Welt ziehen möchten. Doch dafür braucht man Geld. MEHR Geld, und immer mehr.

Wir hatten (Vergangenheitsform!) genug Geld, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, wobei meine deutlich einfacher sind als die meiner Frau. Es gab nicht den geringsten Grund, Schulden zu machen. Jedoch sind 20% Wucher-Zinsen Gewinn im MONAT ein offensichtlich zu verlockendes Angebot. Schon 10% gelten als unseriös, zumindest hoch riskant. Hier schien es jedoch, als ob man seine Einlage in einem halben Jahr mehr als verdoppeln konnte. Dabei habe ich meiner Frau strikt verboten, Geld zu verleihen. Sie meinte, ich „säße“ auf unserem (eigentlich meinem) Geld. Der Minahasa geht grundsätzlich in die Offensive – bevor er zusammenbricht. Das machte mich stutzig. Hatte ich ihr doch gerade eine große Summe überwiesen und geholfen, ein Zins-Portfolio anzulegen. Stolz berichtete sie, daß sie nun ~1000EUR Zinsen im Monat einnähme. Eine Summe, mit der man hier schon überleben kann. Etwa das Gehalt eines höheren Beamten, ohne die erheblichen Korruptions-Gelder. Kurz darauf vergeigte sie die Hälfte des Portfolios – was sie mir verheimlichte. Ich habe ihr Finanz-Instrumente und Strategien erklärt. Wie 20% monatliche Schuldzinsen auf längere Sicht nur zum progressiven Ruin des Schuldners führen können. Alles umsonst. Wie in den Wind gesprochen. Denn da war ja Lindas Goldschatz, der von Jack Sparrow in Nordsulawesi vergraben worden ist. Auch die Holländer haben dort ihr ganzes Gold versteckt. Und die Japaner sowieso. Man muß es nur finden. Es soll schon mal was gefunden worden sein. Nichts Genaues weiß man nich. Mir wurden echt gefälschte Goldbarren und wertlose Gold-Zertifikate angeboten. Nein danke! Ich blieb (Vergangenheitsform!) lieber konservativ gut versorgt.

Ernny hatte uns mit gefälschten Papieren und der Hilfe einer korrupten Notarin ein Grundstück verkauft, das wichtig für unsere Wasser-Versorgung war. Dann stellte sich heraus, daß es bei einer Bank verpfändet und dort mit zusätzlichem Geld von uns ausgelöst werden mußte. Als Ausgleich gab sie uns einen ungedeckten Scheck. Man kann in solchen Fällen nicht die korrupte Polizei oder die noch korrupteren Richter in Anspruch nehmen. Das wird nur teurer. Und eine Betrügerin, die immer mit einem neuen Betrug den letzten zu begleichen versucht, muß man behandeln wie ein Krokodil, dem man Zähne ziehen will. Gaanz vorsichtich! Sonst bekommt man überhaupt nix zurück. Dabei befindet man sich ständig in Konkurrenz zu einer Menge anderer Betrogener. Die Zähne ziehen wir ihr schon seit 6 Jahren. Open end! Inzwischen wurde ihr Haus gewaltsam konfisziert, ihr Mann hat sie daraufhin zuerst verprügelt und dann verlassen. Eigentlich eine gute Idee, aber er ist kein bißchen weniger Ganove als sie.

Bei Dollar-Wäscherin Linda lag der Fall ganz anders. Sie ist nicht nur mit dem arbeitslosen Leiter der faschistoiden „Brigade Manguni“ verheiratet – eine Kombination wie Bonnie und Clyde (allerdings ihr 5. Mann) – sie hat sogar für die Parlaments-Wahlen kandidiert, weil das die beste Methode ist, um an Staats-Gelder zu kommen. Kaum jemand hat sie gewählt, weil sie so viele betrogen hat und dabei noch arrogant ist. Aber sie muß gespürt haben, wie leicht meine Frau in finanziellen Dingen zu manipulieren ist. Man braucht nur mit einem überraschenden Vorteil zu wedeln, etwa einer kostenlosen Bali-Reise, schon setzt ihr gering ausgeprägtes kritisches Bewußtsein aus. Sie ist Optimistin, ich bin Pessimist und habe immer recht. Bin aber trotzdem der Dumme. So wurde sie mal Opfer eines Telephon-Betrugs, und ich erinnere mich noch gut, wie ich sie in Manado aus einer Gruppe Trick-Betrüger rausZIEHEN mußte, weil sie wie hypnotisiert war.
Und dem „Helfer“ Jafar, der mit Linda zusammenarbeitet, würde ich nicht mal einen Kugelschreiber leihen. Anders meine Frau, die ihr Geld an 2 seiner „Neffen“ verlieh. So entfernte Neffen, daß sie nicht mal von der Polizei zu finden sind. Einer ist ein wegen Betrugs entlassener Banker. „In geborgtem Geld ist kein Segen.“ (Gottfried Keller).
Alle diese Betrüger hatten das Eintreffen eines gewaltigen Gewinns unmittelbar vor sich, so daß es kein Problem für sie sein würde, meiner Frau ruinöse Wucherzinsen zu zahlen – so sicher wie die baldige Wiederkunft des Heilands. Und so mußte sie schließlich zu den gleichen Bedingungen ruinöse Schulden machen, versank schnell tiefer in diesem Sumpf, dabei immer hoffend, sie würde doch noch den großen Gewinn erhalten, bevor mir ihr Versagen offenbar würde. „Das Geld, das man besitzt, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.“ (Jean-Jaques Rousseau).
Der größte Schaden jedoch ist der seelische. Den kann nur Dr. Alzheimer heilen.
„Den größten Reichtum hat, wer arm ist an Begierden.“ (Lucius Annaeus Seneca).

4 Gedanken zu „Folgen des Durstes

  1. ja, sorry, ich mag deinen Galgenhumor. Ansonsten bin ich auch dem Chaos gegenüber recht offen – aber wahrschienlich nur, weil ich noch nie von ihm in den Sog gezogen wurde…

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