Parasiten

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„Die Hitze der Tropen und die zahllosen Parasiten, die sie unsicher machen, sind der Kultur feindlich.“
Will Durant, „Kulturgeschichte der Menschheit“, Bd. I

Wobei Durant mit Parasiten nicht die indonesische Polizei meinte, die größte kriminelle Vereinigung des Landes. Eigentlich kenne ich den Ablauf nur aus diversen amerikanischen Filmen: Die Polente kommt ja bei ihren Aktionen viel rum und beschlagnahmt dabei auch den einen oder anderen Geldschein, z.B. aus Drogen-Transaktionen. Den müßte man zwar in der Staatskasse deponieren, da aber keiner so genau über die zusammengeratzten Summen Bescheid weiß, kommt es schon mal vor, daß einige Bündel amerikanischer Dollars in den Taschen von Polizei-Offizieren landen. Das bringt Probleme mit sich, denn man kann sie nicht ohne weiteres bei einer Bank umtauschen. Diese Schwierigkeit hat die Mafia bei der großen Wäsche auch. Also fährt eine namhafte Betrügerin unseres Dorfes mit den Bündeln nach Jakarta, um sie dort an chinesische Händler zu verkaufen, die gerne US-Dollars horten, da sie dem Wert der Rupiah nicht trauen. Man tauscht dort erfahrungsgemäß günstiger als in der Bank. Der Polizei-Offizier kauft sich dann von dem Erlös ein größeres Auto, was er aber auch nicht zu oft tun darf, ohne aufzufallen. Es ist eben doch ein sorgenvolles Leben, beeinträchtigt durch die Habsucht, die dem Wilden das Paradies verleidet, ihn dabei jedoch zu kulturellen Neuerungen antreibt. „Im letzten Grunde beruht Kultur auf dem Nahrungsvorrat. Die Kathedrale und das Kapitol, das Museum und der Konzertsaal, die Bibliothek und die Universität sind die Fassade; im Hintergrund steht das Schlachthaus.“
Froh kann ich da sein, daß sich die heißhungrige Liebe der Wilden zum Fleisch inzwischen ganz auf den Hund konzentriert hat. Damals auf Tahiti war man der Ansicht, der weiße Mann schmecke wie eine reife Banane, wenn er gut gebraten ist. Die Bewohner der Fidschi-Inseln fanden dagegen das Fleisch der Weißen zu salzig und zäh, während den Polynesiern ein europäischer Matrose durchaus schmeckte. Alle waren sich einig, wie durch Essen des Fleisches und Trinken des Blutes die Lebenskraft des Opfers übertragen werde, weshalb man es in den christlichen Kirchen auf mehr oder weniger symbolische Weise noch heute durchführt. Die Bibel gab sogar der von Gott offensichtlich gewollten Sklaverei ebenso ihren Segen wie der Polygamie. Auch der Priester schadet zwar der Gemeinschaft, fördert andererseits aber kulturelle Leistungen wie das falsche Singen morgens um 4Uhr30, endet jedoch im selbstvernichtenden Kampf um die verlorenen Pfründe der Vergangenheit. Schon im alten Ägypten waren die gewinnsüchtigen Priester, die in ihren Tempeln eigene Harems einrichteten, vollauf damit beschäftigt, Zaubersprüche zu verkaufen. Unter Ramses II besaßen sie 1/30 der Bevölkerung Ägyptens als Sklaven und verfügten, ähnlich wie im Spanien der vornapoleonischen Zeit, über 1/7 der bebaubaren Fläche – natürlich steuerfrei. Da sie die Knete schlecht für sich selbst nutzen konnten, waren sie wiederum aktive Investoren und Verleiher. In letzter Konsequenz wurde der Zerfall der Kultur durch einen Hohepriester auf dem Thron und von einer ungesunden Theokratie besiegelt.
„Alles ändert sich, nur nicht der Mensch.“

16 Gedanken zu „Parasiten

  1. Wäh, jetzt mag ich keine in Schinken gewickelte, in Butter gebratene Banane mehr.
    Ansonsten wieder stellst du mal wieder bemerkenswerte Ableitungen und Zusammenhänge her wie kaum einer sonst es kann.

  2. Pingback: Parasitäre Architektur | UNGEMALTES

  3. ich bitte, abweichen zu dürfen: Der Zerfall der Kultur kam mit dem Atheismus. Letztes Jahr war ich in Chartres, in der Kathedrale. Das Gebäude ist unglaublich, es haut mich jetzt noch aus den Socken, wenn ich nur dran denke! Wunderschön. Und wenn jemand sagt, „die Kathedrale da“ oder „die Kathedrale dort“ sei sogar „NOCH schöner“, dann zweifle ich fast an meinem Verstand, weil ich das für schlicht unmöglich halte. Wenn ich jedenfalls solche wundervollen Gebäude empfinde – die ich, die jeder betreten darf, ohne auch nur einen Cent Eintritt zahlen zu müssen, und so oft man will – diese unglaubliche Schönheit, diese heilige Stimmung im göttlichen Bauwerke, dann bekomme ich glänzende Augen und tiefstes Vertrauen in die Zukunft des Menschen. Es ist unfassbar. Unbeschreiblich. Es ist: Kultur! Seit aber der böse Atheismus hier so um sich gegriffen hat, wurden „Kirchen“ gebaut, die man nur noch als Schandfleck betrachten kann. Der Atheismus hat die Gläubigen und die Glaubenden gezwungen, Bauwerke zu schaffen, bei denen sich jedem der Magen umdreht und bei denen sich keiner wundern muss, wenn hier in naher Zukunft nur noch Arabisch gesprochen wird.

  4. Also erstmal ist bisher JEDE Kultur irgendwann zerfallen und zwar mit oder sogar wegen ihrer diversen Götter. Es besteht weitgehend Einigkeit unter Historikern, daß Theokratien so ziemlich das Übelste sind, was einer Gesellschaft passieren kann. Papst Alexander VI. war z.B. der schlimmste Papst, der Rom zum Mittelpunkt aller Laster und Verbrechen machte. Du übersiehst auch, wie das Geld für solche Gebäude aus dem Volk gepreßt wurde. Etwa bis zur Goethe-Zeit hat man die Gotik überhaupt als grauslich empfunden. Der Architektur-Geschmack ändert sich also durch die Jahrhunderte erheblich – auch die Religionen! Wie dabei der Atheismus für den modernen Kirchenbau zuständig sein soll, verstehe ich nicht. Deine Sorgen wegen der Überfremdung teile ich auch nicht. Eine Gesellschaft, die sich dagegen nicht wehrt, ist bereit zur Veränderung. Ob dabei die Dummheit oder die Aufklärung siegt, hängt doch nicht von der Religion ab, sondern von Quantitäten, von Bildung, von politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Was haben denn Christentum und Islam zu bieten außer zurück ins Mittelalter? Welchen Beitrag haben die Weltreligionen geleistet bei der Entwicklung von Wissenschaft und Bürger-Rechten? Sie haben immer nur gehemmt, um nicht unterzugehen. All dies Gestammel in amerikanischen Blogs, wie sie einen direkten Kontakt zu Jesus haben, ist doch grotesk. Ich lebe in einer extrem gläubigen Gesellschaft mit extremer Kriminalität. Und sie bauen hier die beklopptesten Kirchen, die ich je gesehn hab.
    Du hast Dich wahrscheinlich noch nie in japanischen Zen-Tempeln aufgehalten. Verglichen damit, wirken gotische Kathedralen auf mich wie kalte Hybris.

  5. ich fand es nicht kalt in der Kathedrale, denn ich war im Sommer dort. Es war angenehm kühl drinnen, das hat sehr gut getan bei der Affenhitze draußen. Architekturgeschmack ändert sich? Mein Geschmack ist völlig überwältigt von der ganzen künstlerischen Ausführung sowohl drinnen als auch draußen. Hätte ich vor fast 1000 Jahren schon mal gelebt, zu der Zeit, als die Kathedrale gebaut wurde, hätte sie mir sicher auch gefallen, und somit hätte sich zumindest mein Geschmack in Tausend Jahren nicht verändert. Die Kathedrale ist eine Erleuchtung, in jeder Hinsicht, die Anstrengungen haben sich sehr gelohnt, und ich wünsche dem Indonesischen Volk von ganzem Herzen, dass endlich mal ein vernünftiger Papst kommt und es auspresst und schuften lässt, so dass auch Ihr da unten endlich mal sowas Schönes und Vernünftiges bekommt. Aber nein, Papst Franziskus ist sich ja zu fein für solche Arbeiten, stattdessen muss er menschlich sein und den Armen helfen und Kriege verhindern und Feinde versöhnen und all solchen Quatsch veranstalten wie sämtliche Religiösen vor ihm, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Für wen denn? Die Menschen sind böse: TROTZ Religion. Ohne wären sie NOCH schlimmer. Eine hochmoderne Universität im Vatikan, hochmoderne Universitäten selbstverständlich auch außerhalb des Vatikans, kostenlose Bildung noch und noch – immer friedlich bleibend trotz Dauerbeschuss von allen möglichen Neidern. Das verdient schon ein wenig Achtung. Der Boden in der Kathedrale in Chartres, mehrere Fußballfelder groß, wurde damals leicht schief gebaut. Das ist er noch heute. Er fällt zum Ausgangstor leicht ab. Das hatte seinen Grund. Nachts schliefen die Pilger in (!) der Kathedrale, nicht nur ein paar, sondern viele, und alle wurden versorgt, und alle fanden ein Dach über dem Kopf, und zwar das Schönste der Welt, ein unvergessliches Erlebnis, eine Erleuchtung mit Erweckung, und damit man (selbstverständlich kostenlos) ihre Notdürfte und sonstigen Flüssigkeiten, zum Beispiel aus aufgeplatzen Blasen wunder Füße vom weiten Pilgerweg, leichter mit einem Schwall Wasser wegspülen konnte, war der Boden leicht geneigt, so dass das besser abfließen konnte. Schon klar, Du denkst jetzt wahrscheinlich auch an Kotze, was ich ja verstehen kann bei all dem was Du über die ruhestörenden, morgens um 4 Uhr schreienden Verrückten bei Dir erzählst, aber dass in Chartres – oder Reims – oder – oder – je jemand kotzen musste, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber angenommen, es würde jemand kotzen, dann könnte man das noch heute ganz leicht wieder rausspülen, ohne Gewalt, ohne Brutalität, nur mit sanftem, klarem Wasser, so perfekt ist die Kathedrale durchdacht!

  6. So ein Gefälle kriegen die Wilden nich mal auf kurzer Entfernung hin. In ihren Klos watet man immer in der Soße. Diese Deutung des Boden-Gefälles der Kathedrale wird von Fachleuten als unwahrscheinlich angesehen. Sicher ist, das an dem Gebäude von 876-1260 rumgebaut wurde, und das sieht man ja schon an der West-Fassade. Der Hauptgrund für dieses schöne Monstrum soll ein wirtschaftlicher gewesen sein: Die Stadt lebte von Pilgern. Ohne den Pilgerstrom zur Tunika der „Jungfrau“ Maria wäre sie eingegangen. Mit 30x30cm muß die Dame dabei ziemlich knapp bekleidet gewesen sein.
    Zu glauben, in Indonesien oder überhaupt in Asien gäbe es keine „schöne“ Architektur, beruht einfach auf mangelnder Information und einer SEHR engen Sichtweise.

  7. was Du am allermeisten außer Acht lässt, ist, dass das Kleidungsstück über zwei Jahrtausende Zeit hatte, einzugehen, dass es durch stetige Luftfeuchtigkeit und andauernd wechselnde Trockenheit nach und nach immer enger und enger wurde – höchstwahrscheinlich müssen wir also, wenn wir es wissenschaftlich betrachten wollen, davon ausgehen, dass das Gewand damals in Wahrheit mindestens 9 x 9 Meter groß war.
    Dass Religion missbraucht wird, glaube ich Dir ja. Das glaubt Dir jeder. Es ist ja so. Aber ist das nicht ein Grund, sie zu verteidigen, statt sie anzugreifen? Wobei, mit Deiner misstrauischen Einstellung bist Du heute vielleicht der beste Ratgeber für mich: Vorhin, vor etwa 50 Minuten, waren zwei Deutsch sprechende Russinnen an meiner Tür, mit einer russischen Bibel (kyrillische Schrift). Sie fragten, ob es Russisch sprechende Menschen im Haus gebe. Sie wollen mit ihnen über die Bibel sprechen. Was hat das zu bedeuten? Mir schwant nichts Gutes. Wenn ich dann an die Weltpolitik denke: „Russisch sprechende Menschen“ auf der Krim, „Russisch sprechende Menschen“ in der Ukraine – auf meine Frage, in welcher Sprache sie mit den Russisch sprechenden Menschen über die Bibel sprechen wollten, sagten sie: auf Russisch. Sie suchen also gezielt in unserem (?) Land nach Russen, um hier Russisch zu sprechen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto dreister kommt mir das vor. Sag, was hältst Du davon? Oder kannst Du mögliche Bedrohungen für mich gar nicht erkennen, weil Du ja ganz anders lebst?
    Du verstehst ein bisschen Indonesisch, aber im Grunde genommen so wenig, dass Du Dich tagtäglich ausgegrenzt fühlen müsstest, würdest Du ein bisschen mehr unter die Leute gehen wollen, so also, wie es mir hier mit den Ausländisch sprechenden Eroberern geht, ich fühle mich ausgegrenzt, nur: Dich kann Dein Ausgegrenztsein nicht so sehr verletzen wie mich meines, denn Indonesien ist Indonesien und die Indonesier sprechen folglich nicht aus Verachtung Dir gegenüber Indonesisch, sondern aus nachvollziehbarer, anzuerkennender Selbstverständlichkeit.
    Ich dagegen fühle mich ausgegrenzt UND verletzt. Ich fühle mich hier nicht erwünscht, das habe ich den beiden Russinnen vorhin auch gesagt, aber das hat sie einen Scheiß interessiert. Es ist ihnen schlichtweg egal, dass ich Deutsch spreche und nicht die Kraft habe, nach Latein, Französisch und Englisch auch noch Russisch, Türkisch, Arabisch, Griechisch und Italienisch zu lernen, um am Bibelkreis teilnehmen zu können, sie sind einfach gegangen, und das ist mir in den letzten Jahren schon sehr oft passiert: Wenn Eroberer merkten, dass ich mich wehre und die Landessprache verteidige, brachen sie die Gespräche rabiat ab. Wie ein Stück Dreck fühle ich mich dann, das man liegen gelassen hat, aber bei dem man sehnsüchtig darauf wartet, dass es weggeräumt wird.

  8. Ich würde das nicht anders sehen. Wenn Du dieses Pack ins Haus läßt, kannst Du sicher sein, daß hinterher was fehlt. Aber wer ist denn verantwortlich für diese Entwicklung? Da hat doch die Politik versagt. Und Du siehst an Deinem Beispiel ganz anschaulich, wie Religion für alles mögliche mißbraucht wird. Das war immer so.

  9. ja meine Güte, aber das ist doch kein Argument GEGEN Religion! Womöglich kann man es im Gegenteil sogar als ein Argument FÜR Religion sehen. Denn WENN etwas missbraucht wird, dann ist es doch besser, wenn RELIGION missbraucht wird: Religion ist so komplex und zeitraubend, dass Böse sogar in ihrem Missbrauch leicht zu morden und zu brandschatzen vergessen, denn sie müssen sich ja wenigstens ein BISSCHEN in das hineindenken, das sie zu missbrauchen gedenken.

  10. Ich verstehe nicht, wieso Du der ganzen Welt Dein Christentum aufzwingen willst. Eine Religion, die auf Lügen und Fantasien basiert, dessen wichtigstes Buch eine sehr weltliche Kompilation und inhaltlich von den Babyloniern abgekupfert ist (Buch Hiob von den Sumerern). Ich sehe auch nicht, wieso man für ethisch-verantwortliches Handeln Religion braucht. Die Realität ist doch, daß Religion in der Regel nur als Kultus ausgeübt wird, jedoch ohne Konsequenzen für Handeln bleibt. Religion ist das, was praktiziert wird, nicht irgendeine abstrakte Ordnung, an die sich niemand hält. Guck mal wieder rein in Deine Bibel! Du wirst Dich wundern, was da alles drinsteht. Jedenfalls nicht, daß man gefälschte Stoffetzen anbeten soll.

  11. wenn Du es verstehen willst, kann ich Dir erklären, warum ich das Christentum gegen Deine verletzenden Angriffe ein wenig in Schutz nehmen will. Ich bin allerdings nur ein schlechter Christ, ich bin selbst ein Sünder, hätte mich zwei Posts weiter oben nicht aus dem Bösen ausschließen müssen, sondern ruhig „wir“ sagen können. Die Bibel hab ich zwar komplett gelesen, nicht nur das neue, sondern auch das alte Testament. Aber mein Gedächtnis ist so schlecht, dass ich schon wieder alles vergessen habe. Dass das Buch Hiob im alten Testament steht, und nicht im neuen, weiß ich aber noch, und ich sage das nicht um anzugeben, sondern damit („Hiob ist das wichtigste Buch für das Christentum!“ – „Nein, das wichtigste Buch für das CHRISTENtum wird wohl eher im NEUEN Testament stehen!“) die ganze Welt sieht: Aha, AUCH HIER ist Religion wieder so umfangreich und kompliziert, dass die Streithähne sich AUCH HIER wieder hilflos in geistigem Dünnschiss verlieren und miteinander reden, anstatt zu weltlichen Waffen zu greifen.
    Lügen und Fantasien: sagst DU! ICH sage: Fantasien und Märchen! Nehmen wir nur mal den Weihnachtsmann, eine Fantasie, die zwar nicht in der Bibel steht, aber die ebenso Gutes bewirkt, die nützlich und hilfreich ist, und bei der es immer wieder unglaublich intelligente Aufklärer gibt, die stolz ihren Wahrheitsgehalt in Frage stellen und bei jedem aufgeklärten Geheimnis einen kleinen Orgasmus bekommen. Auf der anderen Seite stehen die Dichter, Denker und Fasler, die immer wieder Neues finden müssen, um den Geist des Bösen zu bannen. Sehr empfehlenswert: Bruno Bettelheim, „Kinder brauchen Märchen“, die ersten 10, 20 Seiten. Während ich mir bei den Geschichten in der Bibel gar nicht so sicher bin, ob sie nicht doch so geschehen sind, bin ich mir beim Weihnachtsmann wenigstens sicher, dass es ihn nicht gibt – und trotzdem würde ich jedem Kind und jedem Schaf gerne ausführlich von ihm erzählen, ich war ja selber mal Kind, Schaf meinetwegen immer noch, darüber kann ich lachen, und ich weiß noch heute, wie spannend und schön das Leben mit dem Glauben an den Weihnachtsmann war. Ich denke, damals sind in mir die Grundlagen dafür gelegt worden, dass ich Dir heute nicht aus dem Gefängnis schreiben muss. War das bei Dir anders?
    Ich finde, es geht nicht ohne Religion. Wer weiß, vielleicht ist Religion sogar der älteste Gedanke der Welt. Ich glaube, Religion entsteht automatisch, sowieso, ohne dass man es verhindern kann oder müsste, so wie Schweiß oder Atemluft, im Gegenteil, bei Religion kann man doch sogar froh sein, wenn sie entsteht, vor allem wenn man schwach oder schlecht bewaffnet ist. Ich glaube, Du meinst mit Deinen Angriffen gar nicht die Religion, sondern die Kirche. Oder was verstehst Du unter Religion? Religion ist ein Wort, das viel bedeuten kann, allein im Lateinwörterbuch im Internet findest Du für „religio“ Folgendes: Aberglaube, Bedenken, Götterverehrung, Bedenklichkeit, Ehrfurcht, Gewissenhaftigkeit, Glaube, Gottesfurcht, Gottesverehrung, Religiosität. Besorgnis gehört noch dazu, Rücksicht, und im Christentum vor allem: Nächstenliebe und sogar Feindesliebe.
    Wer morgens um 4 Uhr lauthals fröhlich rumschreit und Gott preist, so dass er seine Nachbarn aus dem Schlaf reißt, beweist damit keine Religion, sondern ist ein Scheißkerl. Du siehst, wir sind uns im Wesentlichen völlig einig.

  12. Na Gott sei Dank!
    Mir hat gerade vor wenigen Stunden in einem Café in Manado ein Pastor aus Tomohon erklärt, der entweder besoffen oder ein Vollidiot war, meine Religion sei nicht gut, außerdem solle ich lieber Schafe halten, weil Ziegen nach christlichem Glauben böse seien.

  13. Du kommst mit den Leuten über die Religion ins Gespräch. Und selbst kleine Streitereien sind gut für die Durchblutung. Die Religion hat schon vielen geholfen. Nicht Milliarden, nicht Billiarden, wahrscheinlich noch sehr vielen Menschen mehr hat die Religion auf ihre wunderbare Weise geholfen, indem sie umfangreichen und spannenden Gesprächsstoff geliefert hat. Allein dafür müssen wir dankbar sein, aber weder mir noch Dir noch dem Pastor, das ist eine weitere Raffinesse der Religion, sondern allein Gott, dem wunderbaren Konstrukt, das einfach alles umfasst. Und nicht mal das müssen wir, denn sogar wenn wir gar niemandem dankbar sein wollen, können wir heutzutage Atheist sein, ohne deshalb gleich verfolgt und der Ketzerei angeklagt zu werden.

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