Die Sicht des Touristen

Haeckel-Maclay-1866

Von 1881 bis 1882 bereiste Ernst Haeckel erstmals die „Tropen“, unter anderem auch die Insel Ceylon. Wie lange er sich dabei in „Insulinde“ aufhielt, konnte ich nicht feststellen. Jedenfalls zu kurz. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, sich eine Meinung zu bilden:

„Daß das gegenwärtige  h o l l ä n d i s c h e   R e g i e r u n g s s y s t e m  in Insulinde, im Ganzen betrachtet, vortrefflich ist, und daß es in vieler Beziehung allen anderen Colonial-Regierungen, insbesondere auch der englischen und deutschen, als Muster empfohlen werden kann, darüber sind Wallace und die meisten neueren Reisenden einig. Das beste Zeugniß dafür ist der blühende Zustand von Java selbst, von ihrer reichsten und wichtigsten Colonie. Die Bevölkerung der Insel hat sich während des neunzehnten Jahrhunderts um das Achtfache vermehrt, von 3 Millionen auf mehr als 24 Millionen. Die malayische Bevölkerung erfreut sich inmitten ihrer paradiesischen Natur eines allgemeinen Wohlstandes und des höchsten Glückes, der  Z u f r i e d e n h e i t. Nur auf zwei Punkte möchte ich dabei noch besonders aufmerksam machen, weil wir sie in unseren neuen deutschen Colonien – zu unserem großen Nachtheil – nicht berücksichtigen; erstens, daß man die Eingeborenen, größten Theils Malayen, in ihren nationalen Gewohnheiten und Sitten möglichst ungestört läßt, und zweitens, daß man sie mit den gewaltsamen Bekehrungs-Versuchen der Mission verschont.
Was zunächst die Verhältnisse der  i n n e r e n   R e g i e r u n g  und Verwaltung von Insulinde betrifft, so haben es die Holländer vortrefflich verstanden, die Eingeborenen selbst dazu möglichst weitgehend zu verwenden und doch dabei ihrer Oberleitung stets die unbedingte Autorität zu sichern. Befreit von der drückenden Tyrannei und Willkür ihrer früheren malayischen Fürsten, fühlen sich die Eingeborenen unter dem klugen und wohlwollenden Regiment der Holländer sehr zufrieden. Ihre Sprache und die altvererbten Volkssitten werden geschont, und für den Unterricht wird nur so viel gethan, als für die niedere geistige Capacität der malayischen Rasse wünschenswerth und zweckmäßig erscheint. Dagegen vermeidet man es, denselben diejenigen Verhältnisse der europäischen Civilisation aufzwingen zu wollen, die zwar uns selbst sehr wichtig und wünschenswerth erscheinen, aber Jenen weder willkommen noch nützlich sind. In dieser Beziehung können unsere deutschen Colonialbeamten noch sehr viel von den praktischen Holländern lernen.
Dasselbe gilt von den Verhältnissen des religiösen Lebens; jede zwangsweise Bekehrung zu einer Confession wird vermieden und die Thätigkeit der  M i s s i o n e n  möglichst eingeschränkt. Die segensreiche Folge davon ist der religiöse   F r i e d e, der jeden freier denkenden Europäer höchst angenehm berührt und von den widerwärtigen Confessionskämpfen in Europa sehr vortheilhaft absticht. Auffallen wird dem Reisenden im größten Theil von Insulinde das Zurücktreten des religiösen Cultus überhaupt; von Priestern und Congregationen sieht man nur wenig und ebenso von kirchlichen Festen und Feiern. Und doch reist man durch den größten Theil des niederländischen Archipels – insbesondere durch ganz Java – sicherer und ruhiger als durch viele Theile von Europa. Zumeist liegt es wohl an dem sanften und unterwürfigen Charakter der Malayen und den geordneten Verhältnissen der Verwaltung, gewiß aber auch an der Toleranz der verschiedenen neben einander bestehenden Confessionen.”

aus „Malayische Reisebriefe“ von Ernst Haeckel (1901)

Obwohl vorher wie hinterher heftigste Auseinandersetzungen zwischen Islam, Hinduismus, Christentum und chinesischer Religion stattfanden, bestach Haeckel das heute noch beschworene tolerante Nebeneinander der Konfessionen. Allein wie es immer so stark betont wird, müßte schon den Verdacht nähren, die indonesische Gesellschaft sei eher ein schlafender Vulkan. „Paradiesische Natur“, „allgemeiner Wohlstand“, „höchstes Glück“ und ein tüchtiger Schuß Rassen-Wahn („niedere geistige Capacität“) – der Biologe Haeckel hatte sich wohl stärker auf das Sammeln von Kunstformen der Natur konzentriert. Trotz Fehlens einer gütigen Kolonial-Regierung vermehrten sich die Malayen inzwischen um das 10fache. Aufmerksamere Touristen zählen heutzutage in Nord-Sulawesi die Kirchen pro Kilometer (~10 in bebauten Gebieten).

7 Gedanken zu „Die Sicht des Touristen

  1. ich hab selpst mal 1 buch gelesen und sag auch ersma nich, was mich da begeistert hat…aba hat hesse in italienisch geschriem?

  2. ich war mal hermann hesse und aß nie türkische bockwurst in hann over,
    aba wenn ich auf klo musste, dann sah das hinta her so aus, als opp ich eine bock-wurst in havanna gehappt hätte.

  3. Dasja keine Kunst. Ich kann soga Apfelmus machen.
    Übrigens hab ich jetz entdeckt, daß man die Kommentar-Verschachtelung wechmachen kann. Dafür weiß man jetz nich mehr, welcher Kommentar wo hingehört.

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