Unabhängigkeitsbock

unabhaengig

„Das Ziegenfleisch war zäh wie Leder. Ich konnte es einfach nicht essen. Mir wurde übel, und ich mußte mit dem Essen aufhören. Nachher hatte ich eine sehr schlechte Nacht. Ein schrecklicher Alpdruck quälte mich. Jedesmal, wenn ich gerade eingeschlafen war, kam es mir vor, als meckerte eine lebende Ziege in mir.“
Mahatma Gandhi

Genau am indonesischen Unabhängigkeits-Tag, dem 17. August, geboren. Kaum hatte der tagelange Regen aufgehört – mit nur 26˚ so lausich kalt, daß man sich was anziehen mußte – war es soweit. Und wieder kam ich zu spät, weil diese Ziege, anders als ihre Mutter, kein auffälliges Geschrei bei der Geburt macht. So fand ich das Böckchen voller Dreck und Schleim einsam unter dem neuen Fütterungs-Häuschen liegen. Die Mutter ein ganzes Stück entfernt verwirrt rummuckend. Da hab ich den Kleinen ersma gesäubert und dann zur Mutter gebracht. Erst so fing sie an, ihn weiter abzulecken und dabei die typischen Geräusche von sich zu geben. Inzwischen isse von ihrer Mutta-Rolle so absorbiert, daß sie sich kaum auf’s Fressen konzentrieren kann. Auch bei ihrer ersten Geburt kam ich zu spät, konnte dann aber das zweite Junge auffangen. Diesmal nur eins. So ganz unproblematisch selbstständig verlaufen Geburten in Gefangenschaft eben doch nicht. Am nächsten Tag war der Kleine schon sehr munter und wirkt als Einzelkind auch sehr kräftig. Oben auf dem Kopf 1 weiße Locke und nur 1 weißer Fleck an seinem rechten Ohr. Das müßte ich eigentlich bügeln, weil da eine heftige Falte drin iss. An den Oberschenkeln geht das sonst schwarze, samtene Fell ins Rotbraun. Sooo niedlich!

2Fleck

12 Gedanken zu „Unabhängigkeitsbock

  1. von mir auch herzliche Glückwünsche an die Ziege. Es ist schön, hier zu leben. Deshalb lohnt es sich auch, etwas dafür zu tun, dass das noch viele Milliarden Jahre so bleiben kann.

  2. Gerade hab ich festgestellt, daß das Böckchen in der Nacht gestohlen worden ist. Gegen 2Uhr nachts wurden weiter unterhalb Hundediebe vertrieben.
    So ist das, wenn man unter Wölfen lebt.
    „Eine Zivilisation kann man erst danach beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt.“ Mahatma Gandhi

  3. Keine. Wir haben’s versucht, aber das müssen Profis gewesen sein. In der Dunkelheit hätte man das schlafende, 5 Tage alte Böckchen im umzäunten Gehege nicht zufällig gefunden. Heute Nachmittag entdeckte ich dann noch ein von einem Nachbarn beschädigtes Zaunstück. Auch so ein Natur-Hasser. Dies ist ein deprimierendes Jahr. Ich hab hier schon viel Bösartigkeit erlebt, aber dies ist ein weiterer Höhepunkt.

  4. ich weiß, dass ich vom andern Ende der Welt als Machtloser ohne Düsenflugzeug nur dumme Kommentare abgeben statt wirklich helfen kann und deshalb schweigen sollte, aber gebe im Vertrauen auf Sinn und Nutzen des Erdkugeltransports trotzdem von mir, dass das unter der Erde nicht passiert wäre. Mit der Bitte, sich von meinem Senf nicht noch weiter herunterziehen zu lassen.

  5. Ach ich denke, solche Menschen gibt es überall. Hier erscheinen sie nur besonders primitiv. Das Schlimmste ist eigentlich, daß man sich nicht dagegen schützen kann, und die korrupte Polizei ist praktisch nicht vorhanden. Gerade die Beschädigung meines Hoftores, Früchte und Hühner werden sowieso ganzjährig geklaut. So ein Zicklein braucht 5 Monate bis zur Geburt. Man baut etwas auf, und andere zerstören es erbarmungslos. Das macht mich einfach traurig.

  6. das verstehe ich gut. Hier ist es nicht viel anders, meinetwegen niveauvoller, „silliwisierter“, wie Huck Finn sagen würde, aber eben nicht viel anders: Immer wieder merke ich, dass die meisten sich einen Scheiß für mich persönlich oder gar für die Verbesserung meiner Situation interessieren, in diesem unseren Lande, sondern nur für das, was sie sich nehmen könnten, wenn es mich nicht gäbe. Je älter ich werde, desto schlimmer wird das. Für die Sachen, die ich besitze, mein Erbe, vor allem meine Musikinstrumente, grauts mir schon jetzt. Vielleicht schaffe ich es vorm Sterben noch, alles anzuzünden. Hoffentlich. Das wäre höchstwahrscheinlich besser für sie. Weißt Du was, man sollte immer eine Flasche Benzin und Streichhölzer mit sich rumtragen!

  7. Das laß mal sein! Lieber ne Flasche Apfelsaft naturrein und nen soliden Schlagring. Nich innerlich selbst zerfressen! Die meisten wissen wahrscheinlich einfach nich, wie sie Dir helfen können. Vielleicht spielt ja nach Dir einer was Schönes auf Deinen Instrumenten. Wir sind sowieso nur auf der Durchreise.

  8. Pingback: short life between wolves | UNGEMALTES

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