Montag mit Gott

militaerisch

„Wenn erst die schlimmsten Laster und übelsten Begleiterscheinungen der Zivilisation Frieden und Glück aus dem Tal vertrieben haben, werden wahrscheinlich die großmütigen Franzosen der Welt verkünden, daß die Marquesas-Inseln zum Christentum bekehrt worden sind! Und das wird die katholische Welt zweifellos für ein glorreiches Ereignis halten.“
Herman Melville, „Taipi“

Montag iss Kirchentag. Das iss ja wohl selbstverständlich, denn damit einem in der Woche nix Übles widerfahren tut, wie zum Bleistift totgetrampelt zu werden, sollte man rechtzeitich beten. Da, wo jetz der neue Sendeturm steht, und wo früher nur die Sonne aufging, gröhlt es auch aus dem 1km entfernten Nachbardorf. Die fangen früher an, so gegen 4Uhr morgens, so daß sich die frühe Botschaft mit der aus unserem Dorf übaschneidet. Zwar bekommt man auf diese Weise mehr metaphysische Informationen, allerdings noch schwerer verständlich. In der Regel sind es dumme, fanatische Frauen, die uns lautstark predigend und falsch singend in die Woche wecken. Das Foto zeigt einen katholischen Kämpfer Gottes. Die lassen sich ihr Ritual nich durch Frauen verderben, machen auch kaum Krach. Geben aba in Twitter stark mit ihren mickrigen Latein-Kenntnissen an. Sind also geistich noch in der Vor-Luther-Zeit angesiedelt. Insofern den Moslems nich unähnlich, die stilvoll mittelalterlich brüllen. Ich lasse meine Frau dann antworten: „Si tacuisses, philosophus mansisses.“ (Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.). Ich weiß nich, was üba diese morgendlichen Weck-Orgien in der Bibel steht. Schon die genaue Positionierung des Wochenendes iss ja unter den protestantischen Sekten strittich. Die Moslems spinnen konsequent rhythmisch-pünktlich Tag und Nacht, zum Glück jedoch imma nur sehr kurz. Trotzdem wohnt man bessa nich in der Nähe einer Moschee. Dort kommt keina auf die Idee, die Namen der Spender und deren Summen zu verlesen, oder völlich beliebige religöse Pop-Musik abzuspielen. Dagegen sind die christlichen Erweckungen nich als Wecker geeignet, denn sie stehen unter dem Einfluß von jam karet, der indonesischen Gummizeit (+1 Std. und mehr). Grundsätzlich iss die Aktion verständlich, denn Schlafentzug iss nu mal ein sehr geeignetes Mittel, seine Zielgruppe weichzudröhnen – erzeugt allerdings auch Haß. Deshalb würd ich doch gern genauer wissen, wie Gott das ursprünglich geschöpft hat. Eigenartich iss ja, wie die Okkultisten modernste Technik einsetzen, um ihren Unsinn zu verbreiten, ohne zum wissenschaftlichen Denken befähigt zu sein. Da möchte man lieba in China wohnen, wo sie sogar die Kruzifixe wechbaggern, weil man dort an den Fortschritt der menschlichen Erkenntnis glaubt. Außadem müßte ja selbst dem Uninformiertesten auffallen, wie all diese neuen Sekten aus den USA üba uns kommen.
„… kann es nicht im Ausland genau so gut unwürdige und unfähige Missionare geben wie derartige Geistliche bei uns zu Hause? Können nicht Unwürdige oder Unfähige, die sich auf den fernen Inseln des Meeres ein apostolisches Amt anmaßen, eher der Bloßstellung durch die Welt entgehen, als wenn sie sich im Herzen einer Stadt zeigen müßten? Unbegründetes Vertrauen zu der Heiligkeit ihrer Apostel, die Neigung, sie der Verstellung für unfähig zu halten, und die Unduldsamkeit gegen den geringsten Verdacht an ihrer Rechtschaffenheit in menschlicher und christlicher Hinsicht sind von jeher die Fehler der Kirche gewesen.“ (Melville)
Zum Glück hat Gott mir eine fortschreitende Schwerhörichkeit geschenkt, insofern löst sich DAS Problem demnächst von selbst.

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