Hochzeitspappe

Pappaar

Um 19:00 sollte die Hochzeits-Feier von Ryan und Nessia in einer edlen Abfertigungshalle beginnen, in der ich vor langer Zeit mal Walzer getanzt hab. Das war jedoch die Silberne Hochzeit eines deutsch-indonesischen Paares, das noch wußte, wie man feiert. Seit die Popen hier die Wilden im Griff haben, tanzt man nicht mehr, sondern lauscht 1Std. lang 2 zu lauten Predigten, da das Brautpaar 2 unterschiedlichen Pfingstler-Sekten angehört. So dauerte es bis 21:30 – mit 1½Std. Verzögerung hatte man begonnen – als endlich das Essen aufgetragen wurde. Die frohe Botschaft ist: Gesellschaften, die von Popen dominiert werden, tragen den Keim der Zersetzung in sich selbst, denn diese Heiligen, ständig im Kampf gegen die befreiende Sinnlichkeit ihrer Schafe, haben nur Monotonie und daraus resultierende Langeweile zu bieten. Die sich dabei aufblähende westliche Hochzeitskultur steht unter dem Zwang, ihren Bewunderern immer raffiniertere moderne Effekte zu bieten. Zwar gab es keine luftbetriebene Hochzeitstorte, doch immerhin obiges Brautpaar aus Pappe, neben dem sich alle Gäste aufstellen mußten (ganz rechts meine Frau im „Paul-Klee-Gedächtnis-Kleid“), um fotografiert zu werden. Der Hintergrund aus gekacheltem Kunstrasen – fast wie in Windows 8. Das Ergebnis wurde sofort ausgedruckt und jedem Gast in einem Papp-Rahmen übergeben. Ich bin latürnich nich drauf, weil ich mich der verdrehten Kultur der Minahasa nich mehr aussetze. Jedoch hab ich das Foto ersma umgedreht, damit das „LIKE IT“ richtichrum iss. Leida kann man da nich draufdrücken, sondern muß es hinten tun. Dann öffnet sich ein Aufsteller, mit dem man das Foto auf seinen Handphone-Ablagetisch stellen kann. Dann isses aba wieda verkehrtrum, und man muß es nochma umdrehn. Dann iss jedoch das „LIKE IT“ wieda verkehrtrum. Ich weiß nich, was man dagegen tun kann.
„Ob diese Dinge irgendeinen Nutzen für sie haben oder nicht, ob sie überhaupt funktionieren, spielt gar keine Rolle für sie. Sie müssen sie einfach haben, um sich wohl zu fühlen … Man denkt, sie sind einfach ein Haufen von angeberischen Kindsköpfen, die westliche Zivilisation nachäffen wollen.“ (Eric Ambler, „Besuch bei Nacht“, 1956)

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