Was man nich sieht

Wache

Neu an dem Meeting zur Aufklärung des Geister-Kampfes war, wie diesmal Polizei und Mafia GEMEINSAM in meiner pendopo saßen. Wirklich schade, kein Gruppenfoto geknipst zu haben (Das obige stammt von einer Wahl-Veranstaltung.), denn auf die Frage, wer gehört wohin, hätte sicher jeder den kleinen, schwarz gekleideten Polizei-Chef als Mafia-Boß identifiziert. Das wär zwar nich grundsätzlich falsch, strukturell jedoch ungenau. Die letzten, stark fluktuierenden Polizei-Meister ham wir ausgelassen, weil es einfach keinen Zweck hat. Sie geben sogar selber zu, daß sie gegen die besoffenen Party-Wilden, die bis zum Morgen feiern wollen, nich ankommen. Es hat auch keinen Sinn, den Beamten klarmachen zu wollen, daß nich die Länge sondern die Lautstärke der Feste das Problem sei. Der letzte Polizei-Chef, der hier saß, war ein eifernder Moslem und Ausländer-Hasser, der nich alle Tassen unter der Mütze hatte und – anstatt der Beschwerde nachzugehen – die Gültigkeit unserer Heiratsurkunde überprüfte. Ganich so dumm, wie sich jetzt erst herausgestellt hat.
Neben dem Polizei-Chef, der – vielleicht wegen des Fasten-Monats – heftich rauchte, saß ein Schwarzer. So nennt man hier die sehr Dunkelhäutigen, die imma irgendwie schmuddelig wirken. Der stark bebrillte Jefrie, dem nich nur sein Handphone-Ladekabel so schlampig aus der ollen Jeans hing, daß er fast draufgetreten wäre, und der nich nur die Kappe des, sondern seinen ganzen Schreiber verlor (Den ham wir jetz! He, he!), ist ein gefühlvoller Sänger, von dem man jedoch besser nich verhört wird, weil er sowas noch in der tradtionellen, sehr körpernahen Art durchführt. Auf der VCD, die er zusammen mit unserem Lieblings-Polizisten besungen hat, der die nich mehr benötigten illegalen Diefiedies bei uns abzuholen pflegt, singt er u.a. in einer düsternen Zelle. Vielleicht in der, wo kürzlich ein Gefangener seinen merkwürdigen Verletzungen erlag?
Protokollant war diesmal ein kantich-länglicher Chinese mit undurchdringlichem Gesicht, der keine Lust hatte, nach meinen Speeren zu suchen, obwohl ihn sein Chef dazu aufforderte, sondern lieber konzentriert schreiben wollte. Dann lief noch ein Klein-Bulle in Kampf-Uniform herum, der die Festigkeit meiner Dachziegel übaprüfte und mich nich ein einziges Mal anlächelte. Wie auch in D sind sie die Ausputzer einer miserablen Politik und entsprechend überlastet. Die Wahlurnen, die sie bewachen müssen, sind noch nicht einmal abgeholt worden, doch die 2 Präsidentschafts-Kandidaten behaupten beide schon, gewonnen zu haben.
Der Sympathischte in der Gruppe war eindeutig Boka – ein Mafia-Boß. Anceng behauptet, Boka verzehre eine Rente aus seinen Auftrags-Morden, die jedoch nich hier sondern in den Bergen stattfanden, wo auch der verrückte Geister-Bekämpfer herstammt. Arbeiten tut der über vierzigjährige, mehrfache Vater jedenfalls nich. Klein, vom Saufen verfettet, das Hemd bis zum runden Bauch offen, damit man die kreisförmige Tätowierung auf seiner rechten Brust gerade noch wahrnimmt, die verblichenen Jeans kunstvoll über dem Knie aufgeschlitzt, das lange Haar hinten zusammengebunden, ein freundlich-aufgeschwemmtes Gesicht. Wenn er nich mit dem Verrückten verwandt wäre, könnte er ihn vielleicht für uns umbringen. Teuer iss sowas jedenfalls nich, und mit Schutzgeld-Erpressungen haben wir hier noch nichts zu tun gehabt. Da würde ich mir eher einen Flitzebogen selberbasteln, anstatt zu zahlen.

2 Gedanken zu „Was man nich sieht

  1. Irgendwie unübersichtlich, das alles. Aber auch wenn das Chaos auch mal nützlich war (siehe Heiratsurkunde), wirkt es gerade dadurch fast noch furchtbarer.

  2. Früher kannte ich sowas nur aus dem Kino. So italienische oder französische Filme des Neorealismus. Es läuft dort alles irgendwie eleganter und zeitgeraffter ab, doch hier handelt es sich grundsätzlich um richtiges Leben. Morgen würde ich gern eine Zwangsvollstreckung bei meiner Lieblings-Betrügerin fotographieren. Man nagelt mit Polizei-Einsatz die Fenster zu oder hängt die Tür aus. Aber ich fahr lieba Goldfische kaufen.

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