Voll schlingernd

hinundher

Unsere Reisfelder werden z.Z. von 5 Pächtern bearbeitet. 3 arbeiten gut, 1 mittelmäßig und bei Ahmad, kurz Mad genannt, läuft alles schief. Nachteilig für ihn, daß seine Frau seit der Geburt der 4. Tochter gehbehindert ist, und die Töchter, deren Ausbildung wir finanzieren, sind vielleicht irgendwann mal ein wirtschaftlicher Erfolg. Dazu ist Mad zwar fleißig und freundlich, jedoch so dumm, daß es manchmal sogar seinen Töchtern peinlich wird. Als er kommt, um Wasser zu bitten, macht er uns auf 2 Schlangen aufmerksam, die hoch über seinem Kopf mit einem Würgefeigen-Baum direkt neben unserem Haus verschlungen sind. Das tun sie in der Regel um sich zu häuten. Die Ular sawah, die schwarze Reisfeld-Schlange, ist eine gute Rattenfängerin. Manche meinen, sie sei ungiftig, manche, das sei abhängig von der Körpergröße des Opfers. Infektions-Gefahr besteht allerdings bei allen Bissen, da sie sich nie die Zähne putzen. Mit ihrem kaum abgesetzten Kopf kann sie Ratten aus den Gängen holen, während die blöden Hunde draußen ein lautstarkes Theater veranstalten und allenfalls Ratten erwischen, die panisch ihr Versteck verlassen. Doch hier handelt es sich um eine Variante der ~2m langen Ular sawah pate (Schlange-Naßreisfeld-Tod) mit sandfarbenem Kopf, bläulich-schwarzem Rücken, fleckig gemusterten Seiten und weißlichem Bauch. Die größere der beiden mit dunklem Kopf hat sich auf einem im Wind schwingenden Ast über dem Teich verknotet, als ob sie sich häuten will. Später entdecke ich noch 2 weitere auf verschiedenen Ästen, die sich dann über die große schieben, scheinbar um sich zu paaren. Vergeblich suche ich dabei ihre Köpfe, und bemerke erst, wenn ich sie mit dem Objektiv heranzoome, wie sie mich aus der Deckung heraus beobachten.
„Sie fressen auch Hühner“, erklärt Mad. Das könnte höchstens für junge Hühner ein Problem sein. Deshalb werden sie von den Bauern totgeschlagen. Dafür stehen diese Schwachköpfe dann zu dritt mit 1 Luftgewehr vor einer Sagopalme, starren nach oben und versuchen 1 Ratte zu erlegen. Als wir Mad darauf aufmerksam machen, daß sich insgesamt mindestens 4 Schlangen über seinem Kopf aufhalten, wird er noch nervöser als ohnehin schon, und reißt die Augen weit auf. Mit seiner Motorsense ließen sie sich nicht töten, faselt er weiter. Daß er sogar mal einen Python totgesenst hat, die meist vollgepackt mit Ratten sind, und die man nur noch in Stücken auf Markt-Tischen findet, hat er anscheinend schon vergessen. Dies wäre eine Familie, die dickste der Großvater. Sie liebten anscheinend diesen Baum, besonders die Äste über den Teichen, weil sie kühler seien.
Oh je! Es ist erstaunlich, wie Mad mit so viel Dummheit so lange überlebt hat. Das aber auch nur, weil er zufällig in den Dienst des Deutschen getreten ist. Die Tochter eines anderen Pächters ist vor Jahren nach einem Schlangenbiß gestorben. Damals arbeitete er noch nicht für uns, und meine Frau erfuhr davon erst, als es zu spät war. Das Mädchen verfiel so langsam, daß die Eltern die Wirkung des Gifts nicht ernstnahmen. Es starb nach 1 Monat. Meine Frau hätte da sicher eingegriffen, so wie sie es in zahlreichen anderen Fällen tat. Aber hier sterben die Leute u.a. in Folge ihrer Dummheit, wobei jene auch in der Armut und daraus resultierender mangelnder Bildung ihre Ursache hat, denn man muß nicht nur die Lehrer sondern auch bessere Arbeitsplätze für viel Geld kaufen.
Daß diese Schlingel ~3m Luftlinie von meinem schlafenden Kopf entfernt ihre Orgien veranstalten – dabei unklar, welcher Schwanz zu welchem Vorderteil gehört – stört mich nicht. Ist es doch ein Zeichen für die relativ natürliche Wohnsituation, die ich mir hier geschaffen hab. Was heutzutage zunehmend zum Luxus wird.
Solch eine Schlange ist auch ganz einfach zu verstehen. Dagegen ist es etwas völlig unbegreiflich Abstraktes, daß den Beamten der Kreis-Verwaltung das zusätzliche Gehalt für den Fastenmonat Ramadan nicht ausgezahlt werden kann, weil die zuständige Schatzmeisterin erst noch ihre Tochter verheiraten muß. Im Fastenmonat nehmen die Moslems meist zu, weil nächtliche Schlemmerei erlaubt ist und durch zahllose Essensstände gefördert wird.

2 Gedanken zu „Voll schlingernd

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