Die Zukunft

Notariat

Das neue Notariat mit hohem Eingangsbereich im Minimalis– oder Ripple-Style zeigt nicht nur Putzrisse im Inneren sondern auch erhebliche Feuchtigkeits-Schäden. An den Schnittstellen der senkrechten und waagrechten Alu-Fenster-Rahmen bis zu ½ cm Zwischenräume, durch die man hinaussehen kann. So ist es wenigstens nicht zu kühl im klimatisierten Warte-, der auch Vorverhandlungs-Raum ist. Weitere Klienten, die auf dem Leder des Sofas warten, das so falsch ist wie das Möbel-Sammelsurium, erfahren auf diese Weise wenigstens, worum es geht. Die Handphone-Gespräche hört ja sowieso jeder mit. Das Goldfisch-Standard-Gemälde hängt ungewöhnlich hoch, paßt jedoch zu den Wasserflecken. Noch weiter oben ist ein winziger, rosa Jesus angenagelt, der sehr gesund wirkt und gleich verdeutlicht, daß man es mit einer ordentlich christlichen Notarin zu tun hat. Ebenfalls in diese Richtung weisen die Bücher im Eckschrank. Auf dem einzig erkennbaren Cover eine große Micky Maus. Akustisch wird der Raum weniger durch 2 kleine Lautsprecher mit erträglicher Musik, als vielmehr durch die Tochter der Notarin beherrscht, die während der Vorverhandlung direkt neben ihr ein elektronisches Spielgerät bedient, das uns so laut und deutlich über sämtliche Spielstände informiert, daß wir die Erklärungen ihrer Mutter akustisch nur mit Mühe verstehen können. Im weiteren Verlauf rennt eine Kanzlei-Angestellte mit gefülltem Löffel hinter dem dicklichen Kind her, um es zu füttern, ohne daß es sein Spiel unterbrechen muß. Es ist nämlich Mittagszeit.
Doch mir vergeht der Appetit. Ich bin nur anwesend, weil ich zwar rechtloser aber doch Haushaltsvorstand bin – der indonesische Mann iss nu mal Könich (ich eher Bundes-Präsident) – also weil ich die Verkaufs-Urkunde für Tante Ernas Haus, das meine Frau nun endlich verkaufen kann, mit unterschreiben muß, obwohl nur sie als Eigentümerin eingetragen ist. Als die Notarin jedoch bemerkt, daß ich Ausländer bin, geht das gar nicht. So erhebt sich gleich die Frage: Was passiert, wenn meine Frau auf dem nächsten Last-minute-Flug final verschwindet. Bisher sind wir davon ausgegangen, daß ich dann Haus und Land innerhalb eines Jahres verkaufen oder die indonesische Staatsbürgerschaft erlangen muß. Doch informiert die Notarin, ich könne nicht Erbe sein, sondern Haus und Reisfelder gingen automatisch an die nächsten Verwandten mit indonesischer Staatsbürgerschaft bzw. an den Staat, ich würde also danach wie Diogenes wohnen. Die besonders restriktive Behandlung von Ausländern in Indonesien habe ich dem rüden holländischen Kolonialismus zu verdanken.
Im Laufe der letzten 14 Jahre schien schon mehrmals der Boden unter mir zu verschwinden, in letzter Zeit jedoch zu oft. Wohl bin ich etwas weltfremd, aber doch der Realität viel näher als ein voll versicherter deutscher Beamter. Es gibt dabei so viel, was ich nicht begreife. Z.B. wollen die Frauen doch schön sein – nach außen. Warum muß dann die Hauskäuferin, die besonders kurz und dick ist, ALLE ihre konkaven und konvexen Formen durch hautenge Kleidung betonen? Warum laufen sie in der Öffenlichkeit mit weißem Reisschleim im Gesicht herum? Warum schminken sie sich das braune Gesicht wie verschimmelt weiß (im günstigsten Fall gleichmäßig, wenn die Beleuchtung ausgereicht hat), Ohren und Hals bleiben jedoch braun? Warum lassen sie sich ihre Altersflecken in einem Spa mit Säure erfolglos verätzen und sehen hinterher aus, als ob sie Aids haben? Müßte sie ihr kritisches Bewußtsein nicht warnen, daß man sowas besser erst bei Ratten ausprobiert? Und wie gefühlvoll ist es, wenn mir meine Frau am Abend mitteilt – nachdem man mir am Mittag in die Kniekehlen getreten hat – sie hätte wieder kein Ticket nach Bali bekommen, wo sie gerade 3 Wochen war, sie also auch morgen nur zufällig anwesend sein wird.
Da hab ich mir dann in der folgenden, teilweise schlaflosen Nacht ein Bild meiner Zukunft gepixelt:

Zukunft

6 Gedanken zu „Die Zukunft

  1. Da bröckelt die Tom ist in einer Art Paradies Vorstellung von hier in Schland aus betrachtet …. Ich sehe ein paar Flecken blauen Himmel zwischen dem Gepixel….

  2. Heut saßen die Wilden um 3Uhr morgens vor der Glotze wegen Fußball. Anschließend waren sie offensichtlich so müde, daß sie mir den Sonntag Morgen nich mit Krach versauen konnten. Nich mal die Christen haben geplärrt. Nur Vögel und Zikaden. Es war einfach wundervoll. Doch die rechtliche Situation verlangt dringend 1 Lösung, und wenn die Termiten an der Ehe nagen, ist sowieso ziemlich viel verloren. Das ist schon kein Tanz auf dem Drahtseil mehr, das ist nur noch 1 Faden.

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