Es hat nich sollen sein

Ich möchte einen Schrebergarten haben,
mit einer Laube und nicht allzu klein.
Es ist so schön, Radieschen auszugraben …
Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein!

Erich Kästner, „Hymnus an die Zeit“
(mit einer Kindertrompete zu singen)

Es ist kaum zu begreifen, wie sich der gemeine Mitteleuropäer dem okkulten Buddhismus in die Arme wirft, obwohl entsprechende Erkenntnisse schon längst – sozusagen vor der Haustür – in der Stadtbibliothek schlummern. Anstatt das Angebot antiker Philosophen oder überhaupt der Philosophie zu sichten, ergötzt man sich lieber am senilen Gekicher des Dalai Lama – etwas, das in sich ja schon den Beweis des Glücklichseins trage – während etwa die viel besser lesbaren Texte der Stoiker kaum bekannt sind. Stoa, nich Stola!
Ein mysthisch waberndes Tibet und China näher als das antike Griechenland und Italien? Die einzig vernünftige Erklärung dafür: Es iss exotischer, VIEL bunter und mit Musik! Und Griechenland – oh jeh, die haben es dort ja offensichtlich selbst nich geschnallt. Keine goldenen Buddhas fürs Wohnzimmer, stattdessen wirken die antiken Philosophen immer nur, als ob sie gerade außer Sauna kommen. Und eine ½ Std. dem Radio-Text zuzuhören, ohne Bilder? Das iss einfach zu viel verlangt.
Im alten Griechenland soll es noch selbstverständlich gewesen sein, wie die Philosophen vorlebten, was sie als letzte Erkenntnisse verbreiteten, wie zum Bleistift die Ataraxia, die unerschütterliche Seelenruhe, die Voraussetzung zum Glücklichsein ist. Der Weise sollte in Selbstgenügsamkeit und Bescheidenheit im Verborgenen, im eigenen Gärtchen dauerhaftes Glück erfahren. Der Stoiker lehnte den Kult um das Essen ab, Ackerbau wurde gerade dem Philosophen als angemessen gesehen. „Entzieht euch dem, was euch verweichlicht, vermeidet das üppige Wohlleben“, erklärte Seneca. Unmäßiges Wohlleben errege das Gehirn, „läßt leere Einbildungen in der Seele auftauchen und breitet dichten Nebel über die Grenze von Irrtum und Wahrheit … Glücklich kann auch der genannt werden, der geleitet von der Vernunft, nichts mehr begehrt und nichts mehr fürchtet … Glückselig und naturgemäß leben ist also ein und dasselbe … Warum trägt deine Frau das ganze Vermögen eines wohlhabenden Hauses an ihren Ohren?“ Musonius bot konkrete Empfehlungen für Fleischesser, deren Denkvermögen träger sei, weil sie nur bestrebt seien, sich zu sättigen, so daß sie sogar Bücher über das Kochen schrieben, „die den Gaumengenuß gewaltig steigern, aber die Gesundheit ruinieren“. Kleidung diene dazu, den Körper zu schützen, nicht, um ihn zur Schau zu stellen und die Blicke der Dummköpfe auf sich zu ziehen. „Halte nur an Wenigem fest und schiebe alles Übrige beiseite. Bedenke, daß jeder nur in der Gegenwart lebt, die nur einen Augenblick währt … Durchlebe also diesen Augenblick der Zeit gemäß der Natur, dann scheide heiteren Gemüts von hier, …“ (Marc Aurel).
Und alles ohne Wunda und den Quark über Wiedergeburt.

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