Internet- Evangelisation

Kirchenschlaf

Manchmal, wände glaubst, innen Dschungel gehn zu müssen, um zu schreien – meine Frau hat das im deutschen Wald gemacht, BEVOR se mich kennenlernte – also wände so richtich unten bist, dann kann son Blog-Kommentar oda ne Mail schon ganz schön hilfreich sein. Bei mir iss das ja so extrem, daß ich sonst keinen hab, mit dem ich reden kann. Insofern sind die sozialen Medien wirklich sozial. Aba dann gips auch dieses „Like“ oder „Follower“, die meist ganix schreiben, und wo ich mich dann frach: Wie komm ich zu der Ehre? In letzter Zeit hat sich das gehäuft. Im günstigsten Fall gelingt es mir festzustellen, ob es sich um Mann oda Frau handelt, weil se sich nich zeigen, und les ich dann son bißchen – bums – bin ich wieda bei Jesus gelandet, den solche Blogger anscheinend persönlich kennen, obwohl ich imma denk, der iss schon lange tot. Wir wissen aba heutzutage, daß nur Geisteskranke Götter sehen und hören können, die grundsätzlich nich erscheinungsfähich sind. „Jede Behauptung einer direkten Epiphanie kann demnach nur durch pathologische Selbstaffektionen eines Bewußtseinsapparats motiviert sein, der sich selber verführt und mißbraucht. Über direkten Offenbarungen schwebt heute die Einsamkeit des religiösen Wahns.“ (Peter Sloterdijk, „Weltfremdheit“).
Nun bin ich ja bekanntermaßen etwas paranoid – ich find das sogar gut – und da kommt mir doch gleich der Verdacht, es könne sich hierbei um eine Methode der psycho-religiösen Verblödungsindustrie handeln. Wie diese Wahnhaften die Medien nutzen, iss ja bekannt. Schon 1992 hat der Vatikan in seiner Enzyklika Aetatis novae „Mit dem Ausbruch eines neuen Zeitalters“ sein auf die neuen Medien zugeschnittenes Evangelisations-Konzept vorgelegt. Ich hab das Zeug nich gelesen, vermute nur, daß die Papisten darin übalegen, wiese vahindern können, auf dem Müllhaufen der Geschichte zu landen. Und wiese das machen, kennen wir ja von früher: Ersma das Wort zum Sonntag, dann darfste dich zensiert vergnügen. Wars nich so? Und damitte ja nie das Erzittern vor all diesen erfundenen Göttern vagißt, versuchense eben die Medien innen Griff zu kriegen. Und so haunse dir ihre Heiligen solange um die Ohren, bis der berühmte Regisseur Luis Buňuel als Jesuiten-Zögling vor der Statue der Jungfrau Maria masturbierte.
Ich stell mir vor, wie die Baptisten, die hier den Protestanten die Schafe abzujagen versuchen, den Auftrag kriegen: Jeda pinge ma 10 Blogger an. Notfalls posten se noch ihren Büstenhalter, damit man 2x hinkuckt, und – ZACK – hat einen der heilige Ungeist umklammert. Läuft wie bei diesen Blog-Awards.

Foto: Church of Sacred Heart / Tank Road / Singapore

4 Gedanken zu „Internet- Evangelisation

  1. Ja, ich sach auch immer, alles gar nicht so einfach. Und jetzt ist auch noch Frank Schirrmacher gegeangen. Ich würd auch selbst nicht behaupten, besonders geistreich zu sein, und ich weiß nicht wieso, zumindest rückblickend, bei dem ganzen Scheiß, such ich gerne auch ab und zu die Nähe von Geistreichen. ^^

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