Ruhelos

Balkenhof

„Wer sich behaglich fühlt zu Haus, der rennt nicht in die Welt hinaus; Weltunzufriedenheit beweisen die vielen Weltentdeckungsreisen.“
Friedrich Rückert (1788-1866), „Unbefriedigung“

„Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das Schöne zu finden: Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht.“
Ralph Waldo Emerson (1803-1882)

„Wie es Leute gibt, die Bücher wirklich studieren, und andere, die sie nur durchblättern, gibt es Reisende, die es mit Ländern ebenso machen: Sie studieren sie nicht, sondern blättern sie durch.“
Ferdinando Galiani (1728-1787)

Und zum besseren Durchblättern entstanden die Reise-Blogs, deren Autoren stereotyp betonen, daß Reisen für sie der oder ein sehr wichtiger Lebensinhalt sei. Manche dieser Blogs sind konsequente Fassade eines Reisebüros, das sich mit einem gedrückten „Like“ anschleicht. Völlig uninteressant für mich, weil oberflächlich und inhaltsarm von einem Land zum nächsten hüpfend. Ich kann mich nicht mit der ganzen Welt befassen, selbst Asien ist dafür viel zu groß. Ich bin kein Reisender, ich wollte immer nur ankommen und mich verwurzeln. Schon wenn ich gefragt werde, wo ich aufgewachsen bin, muß ich 4 Städte aufzählen. Das Gefühl der Orientierungslosigkeit, nirgendwo hinzugehören, war in meiner Jugend bestimmend. Auf LSD-Trips in Metropolen erschien mir immer wieder das Motiv der dringend benötigten Natur-Verbundenheit. Ich stellte Schalen mit Wasser auf, sorgte für Pflanzen, benutzte Kerzenlicht und Räucherstäbchen. Als Joseph Beuys in Vendig ein Loch in den Fußboden des künstlichen Ausstellungsraumes bohren ließ, um mit Hilfe eines Kupferstabes Kontakt zum Wasser herzustellen, schien mir das unmittelbar verständlich. Erst als ich 1973 waldschratmäßig im Moor anfing, begann ich meinen Lebensplan zu verwirklichen. Der Besuch der Tempel Japans und später Balis reichte mir nicht. Ich wollte in einem LEBEN. Ich brauchte das JEDEN Tag, weil ich ahnte, wie es mein Leben in ruhige, sinnvolle Bahnen führen konnte. So wie es mich auf Dauer nicht befriedigte, ein Bild nach dem anderen mit von der Renaissance-Malerei inspirierten weiten Sehnsuchts-Landschaften zu produzieren, sondern ich wollte in meine Bilder hineingehen. Und da bin ich nun und komme nich mehr raus. Auf gar keinen Fall.
Die alte Frau, auf deren Hof ich im Moor lebte, empfahl mich meiner späteren als „sehr häuslich“, und mindestens 1 meiner früheren Freundinnen empfand mich als „gemütlich“. Das war aba ein Mißverständnis. Marie kennt Leute, die feststellen, „‘mit meiner Frau könnte ich noch nicht mal eine Woche allein sein‘ … rundum bröckelt die Fassade, alle suchen nur Pausenfüller um ihre Leere zu tarnen“.
Frank meint dazu: „Na jedenfalls, was Deine Frau betrifft, finde ich, Du solltest sie einfach machen lassen, was sie will, solange es nichts Lebensgefährliches [und wirtschaftlich Ruinöses!] ist. Und Dir eine jüngere Zusatzfrau suchen. Oder gleich zwei. Mit ihrem Wissen natürlich, nicht dass sie es als Betrug auffasst. Aber sie muss das verstehen, denke ich.” Die spontane, unangeforderte Zustimmung meiner Frau zu diesem Vorschlag, zeigt eindrucksvoll ihren derzeitigen Zuneigungs-Level. Aba sowas iss auch kostspielich. Da hätte ich lieba nich auf meine deutsche Rente verzichten sollen. Und 2 Konkubinen wären mir zu anstrengend. Ich muß Gras für meine Ziege schneiden, die bald wieda Mutta wird, und wilde Windeln sammeln. Außadem: Finde ma sone Konkubine im Dschungel! Dazu müßte ich auch raus, und wenn alle raus sind, iss alles aus. Ich will ja ganich raus. Nur son bißchen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s