Futzifizierung

Buddhas-Hand

„Wenn der Geist (mind) unterscheidet, so entsteht der Vielheit der Dinge. Wenn der nicht unterscheidet, er sieht die wahre Beschaffenheit der Dinge.“
Teil der Lakavatara Sutra

Wunneba! Buddhismus für Texter. Ein Twitter-Account geschmückt mit Honich. Vielleicht bleibt ja jemand kleben. Anscheinend von einem Nicht-Deutschen getippt. Aba immahin: der Wille zum Geist iss da. Es handelt sich um das Lankavatara-Sutra, welches in Sri Lanka angesiedelt und so gefälscht ist wie die meisten buddhistischen Texte. Niemand liest die. Unerträglich im Stil, ohne logische Stringenz, endlose Wiederholungen und absurde Nummerierungen der Phantasien. Der Schöngeist pickt sich nur die Perlen raus, der Fachmann hat Bedenken: „I’ve been told by a professor of Buddhist Studies that Suzuki’s translation is terrible.“ Wie soll man also dieses Zitat übersetzen? Das Internet bietet 2 Versionen an:

When the Spirit is different, the result is the multiplicity of things. If he does not distinguish, he sees the true nature of things.

If the spirit differentiates, the multiplicity of the things develops. If it does not differentiate, he sees the true condition of the things.

Der öde Stil der Lehrgespräche zwischen Sri Lanka-Boß Ravana, gleichzeitig Herr der Riesen, einerseits und dann auch zwischen einem gewissen Herrn Mahamati, Bodhisattva-Mahasattva, und Buddha persönlich, ist das nicht. „Originale“ Zitate zum Thema „Wie isses denn nu mit die Wirklichkeit?“ lauten im Suzuki-Text so:

32. Multiplicity of objects evolves from the conjunction of habit-energy and discrimination; it is born of Mind, but is regarded by people as existing outwardly: this I call Mind-only.

36. The reality of objects is seen being discriminated by the ignorant; if it were so as they are seen, all would be seeing the truth.

124. What is seen as multiplicity is the mind saturated with the forms of evil habits; because of mental delusions one clings to forms and appearances regarding them as objective [realities].

146. The mind of all beings is that which perceives something like objective reality, and this mind is the product of imagination; in Mind-only there is no objective world; when one is released from discrimination there is liberation.

203. Not to be attached to anything existent, truly knowing what the truth of solitude is, is to walk all alone.

251. The world is born of causation; when it is regarded as removed from discrimination and as resembling Maya, a dream, etc., one is emancipated.

Offensichtlich handelt es sich um Futzifizierung. Buddhismus kann die sonderbarsten Widersprüche verdauen. Etwas ist und existiert doch gleichzeitich nur in unserm Hirn. Soweit es Bewertungen (Zuneigung, Rücksichtnahme) betrifft, stimmt das, auf die physische Anwesenheit einer Person oder einen Orgasmus bezogen, wohl kaum. Eher geht es darum, ob eine Aussage „heilsam“ im Sinne von Erkenntnis erscheint. Eben der Honich, den man sich auf die Internet-Präsenz schmiert. Der mittelalterliche Avicenna war dagegen der Ansicht, daß jeder, “who denies the law of non-contradiction should be beaten and burned until he admits that to be beaten is not the same as not to be beaten, and to be burned is not the same as not to be burned.” Dabei hat das Lakavatara-Sutra doch viel Exotischeres zu bieten, wie z.B. magische Silben, deren Vor-sich-hinstottern wahre Glückselichkeit bietet – auch wenn sie irgendwie italienisch klingen:

„Tutte, tutte—vutte, vutte—patte, patte—katte, katte—amale, amale—vimale, vimale—nime, nime—hime, hime—vame, vame—kale, kale, kale, kale—atte, matte—vatte, tutte—jnette, sputte—katte, katte—latte, patte—dime dime—cale, cale—pace, pace—badhe, bandhe—ance, mance—dutare, dutare—patare, patare—arkke, arkke—sarkke, sarkke—cakre, cakre—dime, dime—hime, hime—tu tu tu tu—du du du du—ru ru ru ru—phu phu phu phu—svaha“

Dabei hat Buddha schon alles richtich erkannt, was den modernen Menschen im Rad hält – obwohl er kein Handphone besaß: FoMO! The Fear of Missing Out! Die Angst, etwas zu verpassen. Denn was könnte entfernter von Erleuchtung sein, als ständich sein HP mit sich zu führen und es mindestens alle 15min auf neue Nachrichten zu checken. Scenario 3: you’re at dinner with friends, and you’ve all agreed to make it a strictly phone-free evening. But your smartphone won’t stop beeping Twitter and text alerts. Something is obviously up in your social network, but you can’t check. Even 7 wouldn’t match the stress you’re feeling now. Welcome to FoMO, the latest cultural disorder that is insidiously undermining our peace of mind.”
Stattdessen sollte man es mit einer der buddhistischen Zauber-Sätze füttern und es in den nächsten Teich schmeißen. Ich garantiere Erlösung pur. “Freedom from other people’s opinions and release from social comparison is a triumph reserved for very few. Ralph Waldo Emerson might strike the right chord: ‘For everything you have missed, you have gained something else, and for everything you gain, you lose something else.’”

„Padme, padmadeve—hine, hini, hine—cu, cule, culu, cule—phale, phula, phule—yule, ghule, yula, yule—ghule, ghula, ghule—pale, pala, pale—munce, munce, munce—cchinde, bhinde, bhanje, marde, pramarde, dinakare—svaha“

Und selbstverständlich verbietet Buddha im Lankavatara-Sutra, irgendwelche Teile von Lebewesen zu verzehren. Ebenso Alkohol, Zwiebeln, Lauch und Knoblauch. Auch lackiere man sich nich mit Sesam-Öl. Was aba genauso ungern zitiert wird wie die frauenfeindlichen Aussagen.

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