Inzestuöser Kanibalismus

mamasoup

„Ich hatte keine Sehnsucht nach Essen. Ich lebte von meiner eigenen starken Knochensuppe, die ich direkt in mir selbst verzehrte. Ich war Selbstversorger.“
Maria Erlenberger, „Der Hunger nach Wahnsinn“ (1977)

Instant Noodles „MAMA“ Cup Seafood Flavour, Produkt aus Thailand, Gebrauchsanweisung u.a. deutsch:
1. Den Deckel öffnen und die Würze hinein geben.
2. Den Becher mit kochendem Wasser bis zur angegebenen Linie füllen.
3. Den Deckel schliessen und 3 Minuten warten. Rühren und Ihre herrliche Mama geniessen.

Und so sah mein „Tagesplan“ aus:
Bei Sonnenaufgang (6:00Uhr) 300ml Instant-Kaffee „Vanilla Latté“
Gras für die Ziegen schneiden, 2Std. Arbeit draußen
~600ml Papaya (eigene Ernte) mit Sonnenbad
Hausarbeit innen
lesen; schreiben, gestalten, spielen mit dem PC (wenn Strom vorhanden)
mittags 60g Instant-Nudelsuppe + 250ml Wasser (mit viel Ketcap manis sogar lecker)
300ml Instant Kaffee
Ziegen füttern, 2-3Std. Arbeit draußen
40g Schokolade oder Soya-Riegel
lesen; schreiben, gestalten, spielen mit dem PC (wenn Strom vorhanden)
bei Sonnenuntergang (18:00) ~250ml Müsli mit Rosinen und Wasser
1 Film (wenn Strom vorhanden) vor dem Schlafengehen (zwischen 20:00 und 21Uhr)
zwischendurch Wasser mit Orangen-Pulver und klitzekleinen Ameisen

In 21 Tagen verlor ich schnell und viel an Gewicht (besitze keine Waage). Ich fühlte mich leichter, beweglicher, weniger kurzatmig. Allerdings kam bei körperlicher Arbeit der Punkt schneller, wo ich glaubte, jeden Moment umzufallen. Manchmal leichte Kopfschmerzen und Magenkrämpfe. Keinerlei Hunger-Gefühl. Ließe sich beliebig lange fortsetzen. Größere Auswahl an Suppen und das Müsli bekomme ich im 40km entfernten Manado. Letzteres nur, wenn gerade das Müsli-Schiff da war. Dort Monats-Rationen einzukaufen, wäre nur 1 Fahr-Problem (kein Auto). Kauft man größere Mengen im Dorf, wird man gefragt, ob man sie wiederverkaufen wolle, bekommt jedoch keinen Rabatt. Vorratshaltung ist nicht üblich, schon weil meist das Bargeld fehlt.

3 Gedanken zu „Inzestuöser Kanibalismus

  1. Müsli-Schiff? – stelle ich mir nun so ähnlich vor wie das Fischstäbchenschiff von Käpt’n Iglo.

    Klar gibts keinen Rabatt, wenn man annehmen müßte, dass du weiterverkaufen willst. Das möchte man doch lieber selbst.

    Die „herrliche Mama“ wirkt tatsächlich fatal freudsch.

  2. Das Müsli-Container-Schiff sieht aus wie das Milch-, Äpfel- und sonstwas-Schiff. Leida! Nur die Tanker, die zu wenich Benzin liefern, sehn anders aus. Und die einzigen Fische, die ich mag, sind die in Stäbchenform. Mit Kartoffelsalat in D. SEUFZ!

  3. Inzwischen iss auch das Abendmahl-Schiff eingetroffen. Heut fand ich im größeren von den 2 Buchläden Manados alles für’s Ritual: Literweise Wein in Plastikflaschen mit da-Vinci-Label und säckeweise Oblaten. Dazu verchromte Servier-Tablets mit Fächern für die Chips und aufgesetzten Kreuzchen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s