16.Tag

Ration2

Lat 1˚23‘ N. Long 125˚3‘ E.
Keine Hausfrau in Sicht. Neben bereits erkennbarem Gewichts-Verlust weitere Auswirkungen der Mangel-Ernährung: Beim Wiederlesen von Maria Erlenbergers Bericht „Der Hunger nach Wahnsinn“ (1977) aus aktuellem Anlaß, die sich von 55kg bis auf 32 runtergefastet hatte, bevor sie im Irrenhaus landete, fängt es in den Augen an zu flimmern. Kleine, zitternde Sternchen, wie die Teichspiegelungen an den Decken, flackern vor den Buchstaben und machen Lesen unmöglich. Schon morgens, als ich auf dem Dach rumklettere, um die Ketapang-Blätter aus den Kielen zu entfernen, fühle ich mich sehr schwach, während mein Schweiß in Strömen läuft. „Über die ärgsten und eingefleischtesten Sorgen zu lachen, heißt wissen, daß Sorgen nur aufgetürmte Haltegriffe im Leben sind. Leicht kann man sich an ihnen festhalten und sich beklagen, wenn die Hürden zu groß werden, man hat sie sich ja selbst aufgebaut. Diese Hürden zu überspringen, dauernd, andauernd, gibt Sinn im Leben. Und mit einem sinnvollen Leben kann man kämpfen, wenn es scheinbar so sinnlos anmutet. Zwischen Sinn und sinnlos schmeißt sich der Mensch hin und her, ein Leben lang. In der Zwangsjacke der Freiwilligkeit.“
Ich könnte zum säuischen Markt gehen, wo man in grauer Gülle watet, um mir Tomaten, Äpfel und Zitronen zu besorgen, aba das gibt imma 1 mittleren Volksaufstand. Alle quatschen mich an, behaupten, mit mir verwandt zu sein und wollen Geld. Ich könnte auch im Supermarkt an der Dorf-Kreuzung einkaufen. Immerhin gips jetz einen, dessen Angebot jedoch davon abhängt, welche Schiffe wann reinkommen. Nich alles zu jeder Jahreszeit vorhanden. Das meiste billigster Schrott in winzigen Portionen. 2 Milch-Kartönchen würden vielleicht gerade ein kleines Glas füllen. Obst unappetitlich, Saft nur in Glasflaschen. Früher hab ich sie zerschlagen und in den Fundamenten einbetoniert. Jetz vergrab ich die Scherben und meide Glas-Behälter. Gegen Skorbut hab ich noch Orangen-Pulver, das meinen Magen übersäuert. James Cook zwang seinen Matrosen Sauerkraut auf. Die 19 von den Meuterern auf der „Bounty“ am 24.April 1780 ausgesetzten Seeleute segelten unter der Leitung des extrem autoritären Kapitäns Bligh 4000 Meilen im offenen 12 Personen-Boot und landeten am 14. Juni auf der Insel Timor. Mittags verteilte Bligh 1 Bissen Schiffszwieback und 1 Glas Wein. Am nächsten Morgen 1 Bissen Brot und 1 Löffel Rum. So setzte sich das fort – abgesehen von seltenen Fängen und Funden – mit 28g Schweinefleisch, 2 Bananen und ½ Glas Wein, oder 1 Banane und 1 Schluck Grog, oder 28g Schweinefleisch, ¼ einer Brotfrucht und etwas Wasser, oder 1 Kokosnuß und 1 Brotfrucht, oder 28g Brot und etwas Regen-Wasser. 18 überlebten eine der erstaunlichsten seemännischen Leistungen. Der eine Matrose iss nich verhungert sondern wurde von Wilden totgeschlagen. Verhungern soll ein sehr sanfter Tod sein.

6 Gedanken zu „16.Tag

  1. Also wenn die Seemänner vor 334 Jahren mitm bisschen Essen und nem Glas Schnaps überlebt haben, schaffst du das wohl locker. Wie puzzleblume schreibt, du wirst zwar beklaut, aber 18 von 19 Überlebenden ist doch im Vergleich ne gute Quote. Und wenn deine Frau wiederkommt, bist du entschlackt und garantiert auch spirituell gereinigt…bei so viel Engelsuppe…😉

  2. Die 18 sollen hinterher „schrecklich“ ausgesehen haben: „große Schwäche, geschwollene Beine, hohle, gespensterhafte Gesichter, starke Schlafsucht, erschreckende Geistesschwäche, voller Geschwüre“. Die „Engelsuppe“ iss auch alle, und das Internet schleicht nur noch. Zum Glück werden die Papayas gerade reif.

  3. “On the Internet, you’re anonymous. Since you don’t have to face the person you’re dumping on, you don’t see any reason to display courtesy. You worry that your comments might get lost in the shuffle, so you lay it on thick to enhance your noticeability.” David Pogue

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