Gipfel der Geschmacklosigkeit

Bukit-Kasih

Schwefel: „Reiner Schwefel ist relativ selten, Vulkanausbrüche setzen ihn jedoch in großen Mengen frei. Er findet sich in Vulkanschloten oder an anderen postvulkanischen Erscheinungen.“

Die Minahasa lieben ihr Land nicht, auch wenn sie das ständig betonen. Liebten sie es, so würden sie nicht Luft, Wasser und Erde in einer solch drastischen Weise erbarmungslos einsauen, und sie hätten nicht „Bukit Kasih“, den Gipfel der Liebe und des Mitgefühls behübscht und vergewaltigt.
Da gab es einen Gouverneur aus dem Dorf Kanonang, dem man, solange er die Macht im Griff hatte, nicht den Prozeß wegen massiver Korruption machen konnte. Als er abdankte, war er dafür zu krank und starb bald. Dafür sitzt wenigstens sein Stellvertreter immer noch hinter Gittern. Dieser Gouverneur wollte nicht nur etwas für sich sondern auch für sein Dorf tun. Tief religiös wie alle Kriminellen, ließ er um einen imposanten Berghang mit spektakulär dampfenden Schwefel-Fumarolen religiöse Kultstellen errichten, die seitdem vorwiegend schlecht Informierte anziehen. Ich habe 13 Jahre gebraucht, bis ich feststellte, was dieser Ort WIRKLICH zu bieten hat, weil in den Medien immer nur der abstoßende christliche Zirkus propagiert wurde – was so manchen Inselbewohner, der zwar bis zum Horizont aber nicht weiter sehen kann, der absurden Idee anhängen läßt, dies könne ein zweites Jerusalem werden. Vor und um ein Amphitheater aus grauem und rotbraunem Fels, überzuckert mit weißen und gelben Schwefel-Verkrustungen, in die sich ein dünner Wasserfall aus kochend heißem Wasser seinen Lauf geschnitten hat, wurden Kapellen errichtet – angeblich für alle Religionen. An einer idiotischen Stele in der Mitte mit kranker Friedenstaube obenauf befinden sich jedoch nur 4 kitschige Reliefs für Christentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus. Wie man den beschworenen Frieden der Religionen untereinander versteht, macht schon die totale optische Dominanz christlicher Symbole und Altäre deutlich. Die ganze Anlage läßt sich sogar auf einem verrotteten „Kreuzweg“ umrunden. Wobei mythologisch rätselhaft bleibt, in welcher Beziehung stinkende Schwefel-Erruptionen zum Christentum stehen. Zumal das 1.Buch Mose 19, 24 in eine völlig gegensätzliche Richtung weist: „Der Herr aber ließ Schwefel und Feuer auf Sodom und Gomorrha regnen, …“, was in Indonesien beinahe überall und jederzeit passieren kann. Und folgt nicht Satan selbst der Geruch von faulen Eiern?

Kreuzweg

GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) 
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP)

Nun, koste es, was es wolle – der weitere Unterhalt der inzwischen verrotteten Anlage kann nicht viel gekostet haben, da das Geld offensichtlich in den falschen Taschen landete – ich kletterte, ohne mir kreuzartige Balken auf die Schulter zu laden, einfach über die Zement-Balustraden und bewegte mich näher zu dem aus Kratern quellenden Dampf. Der Boden unter mir, übersäht mit Geröll und leicht brüchigen Schwefelblüten, knirschte und bröselte wie Blätterteig, dabei das Gefühl vermittelnd, als könne ich jeden Moment in einen der unendlich tiefen, mit kochendem Wasser gefüllten Hohlräume stürzen. Die Damen dagegen lassen sich die Beine in mit heißem Schwefel-Wasser gefüllten Becken einweichen und massieren, ohne jene überhaupt nennenswert benutzt zu haben. Typisch! Dafür ist die Anlage auch noch mit einem chaotischen Geschlängel aus weißen Plastikrohren überzogen.

Fumarole

Abgesehen davon, daß diese touristische „Attraktion“ auf der nach oben offenen Kitsch-Skala nur noch von dem weltweit zweitgrößten Monster-Jesus im dynamischen Stil des sozialistischen Realismus übertroffen wird, ist sie nicht nur geologisch interessant: Vor einem der Bethäuschen – nach Singen die Lieblings-Beschäftigung der Minahasa (weil deren Kultur so trostlos erscheint, oder wäre sie sonst noch trostloser?) – trat ein junges Model vor 2 Profi-Fotografen in sonderbaren Posen auf. Ich zoomte sie mir aus größerer Entfernung heran, sah aber erst zuhause beim Blow-up, daß dieses Baby-Face auf knabenhaften Körper, bekleidet mit Jeans, Zebra-Shirt und Silber-Kreuz um den Hals, meine Aktion sehr wohl bemerkt und MICH angelächelt hatte. Ich mach mir aba nix aus Kinder-Sex.
Hätte man es dabei belassen, nur die Riesenköpfe der vermuteten Urahnen der Minahasa, Toar und Lumimu‘ut, aus dem Fels zu hauen, so wäre dieser urweltliche Platz faszinierend geblieben. Doch kann der Minahasa Naturschönheit als solche nicht ertragen. So müssen auch mittels obligatorischer Sehrlautsprecher-Anlage Dummheiten über die angeblich religiöse Bedeutung dieses nichtsnutzigen Ortes demjenigen verkündet werden, der genügend gespendet hat. Nichts dagegen erfährt man über das heidnische Paar, das die Minahasa inzestuös gezeugt hat: Mutter und Sohn. Bei meinen Ziegen führt das zur Vererbung von Euter-Mißbildungen, was ich jedoch bei den Minahäsinnen noch nich festgestellt hab.

2 Gedanken zu „Gipfel der Geschmacklosigkeit

  1. Ach, so war das mit dem Zebra.
    Schade um den fasziniernden Ort, aber das Problem an sich, das mit dem Tinnef am nicht dafür vorgesehenen Ort, scheint ja auch biblisch belegt zu sein, die Geschichte der Tempelreinigung durch Jesus paßt da gut. Vielleicht hoffen sie ja, ihn so zum Erscheinen und Aufräumen nötigen zu können – in einer Art von Negativkorruption – und dann hätten sie tatsächlich das Ziel eines zweiten Jerusalm erreicht.

  2. Er wird hier ohnehin schon ab und zu gesichtet, weil Nordsulawesi angeblich seine Lieblings-Provinz ist. Das ist alles sehr deprimierend. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit findet irgendwann mal die große Aufräume durch vulkanische Aktivität statt. Das würde dann auf diese Weise interpretiert: Gott hat uns so lieb, daß er uns schon vorzeitig zu sich ruft.

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