Schwarz

Kampfmesser

„Der Geist der Machtanmaßung strebt danach, die Gewalten aller Ämter in einem zusammenzufassen und so unabhängig von der Regierungsform praktisch den Despotismus herbeizuführen. Eine richtige Einschätzung dieses Machthungers und die das menschliche Herz beherrschende Bereitwilligkeit, diese Macht zu mißbrauchen, genügt, von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen.“
George Washington 1776

Hat der große Juli, alkoholisiert und mit einem derartigen Kampfmesser bewaffnet, den mickrigen Joubert zur Rede gestellt, weil jener behauptete, Julis Frau Linda sei keine ehrbare Schuldnerin? – was der Wahrheit entspricht.
Danach lud Juli, örtlicher Führer der „Brigade Manguni“ und kostümiert wie ein kommunistischer Schornsteinfeger, zum kulturellen Ereignis: Unter einem weiten Baldachin sollten Tänzer von der nördlichsten Insel vor der Grenze zu den Philippinen Traditionelles vorführen. An sich hatte ich mich schon von dieser verkommenen Gesellschaft verabschiedet, doch schien die Einladung zur Veranstaltung etwas bisher Ungesehenes zu bieten. Bezeichnend, daß man dafür Menschen von der Insel Sangihe benötigt.
Um 13:00 sollte es losgehen, um 15:00 wurde immer noch nichts anderes geboten als Krach pur. Vor dem Festzelt Angehörige der Brigade bei der Andeutung von Verkehrs-Regelung. Mehrere Polizisten saßen derweil bescheiden im Baumschatten. Anfangs trugen die Brigadisten einfache schwarze Hemden und Hosen, jetzt sind sie uniformiert wie Sondereinsatz-Kommandos: enge Militärhosen, die in Kampfstiefeln stecken, oben ebenso Hautenges, verziert mit allerlei militärisch wirkenden Abzeichen, funktionslose Schultergurte, schwarze oder rote Baskenmützen, Sonnenbrillen, schwarze Jeeps mit schwarzen Fahnen. 2 versuchten sich an einem Walkie-Talkie:
„Es geht nicht!“
„Du mußt HIER drücken!“
„Geht immer noch nicht!“
„Ist zu weit!“
Die meisten trugen Kampfmesser bis zu Bajonett-Länge an der Seite. Einer zusätzlich ein Klappmesser in der Doppelscheide. Die Brigade Manguni wurde ohne demokratische Legitimation als private Schutzorganisation der christlichen Minahasa gegen die vermeintliche Bedrohung durch moslemische und javanische Dominanz gegründet. Dabei wird laut Reglement auch versucht, gefährdete Jugendliche auf den buchstäblich „rechten“ Weg zu bringen. Tatsächlich zieht die Brigade, deren Eulen-Symbol mit dem Minahasa-Symbol identisch ist, den Bodensatz der Gesellschaft mit ihrem paramilitärischen Gehabe an, wobei auch „magische“ Initiations-Rituale stattfinden. Fast alle Lumpen des Dorfes sind Mitglied, der vorherige Leiter, ein Betrüger und Umwelt-Zerstörer, der von einem Baum gefällt wurde. Nichts von „Bewahrung der Kultur“. Militärische Ausrüstung, T-shirts mit Aufdrucken wie „FBI“ oder „Police“ wirken stark auf Wilde und sind entsprechend häufig zu beobachten. Dabei ist der Minahasa generell nicht zur Disziplin befähigt, was eher etwas mit dem Klima als den Genen zu tun hat. Doch sehnt sich der unbedeutende Chaot nach begreifbarer Ordnung, genauer, nach der Macht des Ordnungshüters über andere. So findet man in jedem Dorf mindestens 1 Wahnsinnigen, der in Uniform-Verkleidung den Verkehr „regelt“. Man läßt sie ebenso gewähren wie die bewaffneten Brigadisten, obwohl ein Staat, der das Gewaltmonopol aufgibt, damit seinen ordnungspolitischen Bankrott erklärt. Während demokratisch legitimierte Staatsgewalt nur in rechtsstaatlichen Formen ausgeübt werden darf, erscheinen die Schwarzhemden mit Drohgebärden in Form von Aufmärschen und Umzügen, und wahrscheinlich besitzen sie irgendwo versteckte Schußwaffen-Lager.

BM-Parade

BM-Parade

Schon Charles de Montesquieu (1689-1755) wußte, daß Freiheit weniger das Ergebnis moralischer Eigenschaften eines Volkes sei, als vielmehr die Folge bestimmter Verfassungs-Reglungen, die die Staatsgewalt beschränken. Schwarzhemden bilden dagegen unkontrolliert parallele Strukturen, die von politischen Parteien instrumentalisiert werden. „Wenn nach der Meinung des Volkes die Verteilung oder Abgrenzung der verfassungsmäßigen Gewalten in irgendwelchen Einzelheiten verkehrt sein sollte, so mögen sie durch eine Verfassungsänderung oder ergänzende Bestimmungen auf dem in der Verfassung vorgeschriebenen Wege verbessert werden.“ (Washington).

BM-Boss

Don Corleone“, Boss der Brigade Manguni

Warum sich Männer pfauenartig ausstaffieren, hat Wilhelm Reich in seiner „Massenpsychologie des Faschismus“ (1933) untersucht: „Die Wirkung des Militarismus beruht massenpsychologisch im wesentlichen auf einem libidinösen Mechanismus; die sexuelle Wirkung der Uniform, die erotisch aufreizende, weil rhythmisch vollendete Wirkung der Parademärsche, der exhibitionistische Charakter des militärischen Auftretens … Rebellion gegen die Autorität bei gleichzeitiger Anerkennung und Unterwerfung, ist ein zentraler Faktor jeder kleinbürgerlichen Struktur am Übergang von der Pubertät zur völligen Erwachsenheit und besonders ausgeprägt bei materiell proletarischer Lebensführung … Je hilfloser das Massenindividuum aufgrund seiner Erziehung in Wirklichkeit ist, desto stärker prägt sich dann die Identifizierung mit dem Führer aus … Diese Identifizierungsneigung des kleinbürgerlichen Menschen ist die psychologische Grundlage seines nationalen Narzissmus, d.h. seines der ‚Größe der Nation‘ entliehenen Selbstgefühls. Der Kleinbürger entdeckt sich selbst im Führer, im autoritären Staat, er fühlt sich aufgrund dieser Identifizierung als Verteidiger des ‚Volkstums‘, … .“

Da die Terror-Soundanlage im Zelt wie üblich Unerträgliches für die gesamte Umgebung bot, lehnte ich den Ehrenplatz in der 1.Reihe ab, zog mich vielmehr in ein „Wächter“-Häuschen auf der anderen Straßenseite zurück. In diesen über das Dorf verteilten Unterständen hingen früher die Eisenholz-Knüppel der Nachtwächter. Jetzt sind sie so verkommen wie die öffentliche Ordnung und ein getreues Abbild derselben: Das bekritzelte, mit Wurmlöchern gesprenkelte Holz morsch, und ich saß direkt über dem Kloaken-Graben, dessen Gestank im starken Wind gnädig verduftete, während das Wellblechdach vor sich hinschlackerte. Die Vibrationen des Basses aus dem Zelt gegenüber drohten nicht nur meine Zähne zu lockern (am nächsten Tag brach einer auseinander), die ganze schiefe Konstruktion schien jeden Moment über mir zusammenzufallen. Nach 2Std. Wartezeit war immer noch kein Tänzer eingetroffen, und ich begab mich nach Hause. Diese „Kultur“ kotzt mich nur noch an.

Am Abend dann der zum Irrsinn passende Film: „Duke“ (2013), anspielend auf John Waynes Spitznamen. 2 als Kinder von einem Polizisten mißbrauchte Chaoten, deren Phantasie von Western geprägt ist, verkleiden sich als Ordnungshüter und versuchen sich in Verbrechensbekämpfung – mit tragischem Ausgang.

10 Gedanken zu „Schwarz

  1. Pingback: Jafar & Brigade Manguni | UNGEMALTES

  2. Ob überwiegend weiß ich nicht, aber der Anteil der Katholiken hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bei uns im Landkreis vervielfacht. „Zeugen“ haben wir auch – Uhhh… ab und zu probieren sie in der Lüchower Polizeikaserne die Lautsprecher …

  3. Nee, mehr sowas wie „Achtung, hier spricht Polizei-Wachtmeister Silke Meier, meine Kollegen und ich sind heute Ihre Informations-Ansprechpartner. Bei Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Wir freuen uns auf eine friedliche Veranstaltung.“
    (Anlass: Gorleben-Castortransport-Demo, z.B., bei der Panzerfahrzeuge und Wasserwerfer aufgefahren sind.)

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