Sammelwut

Markenvoegel

Eine der sonderbaren Annäherungen an Natur ist die Sammelwut der Forscher, die die Objekte ihrer Untersuchungen massenhaft vernichten, um sie zu erkennen. So auch Amalie Dietrich (1821-91), die das Natur- und Völkerkundliche Museum des Hamburger Reeders Johan Cesar VI. Godeffroy in zehnjähriger Tätigkeit mit präparierten Merkwürdigkeiten belieferte, u.a. mit Haut und Knochen von Aborigines aus Australien, weshalb sie auch den Titel „Angel of Death“ erhielt:

„Neulich habe ich zwölf Kisten nach Hamburg geschickt und bin nun sehr gespannt, wie sich die Herren darüber äuβern. Die Fahrt am Brisbane River hat mir so reiche Ausbeute gebracht. Die Hitze ist hier unerträglich, dadurch aber eine Üppigkeit der Vegetation, daβ mir buchstäblich alles über den Kopf wächst … Am Fitzroy-River habe ich Krokodile gefunden von 22Fuβ Länge. Als ich sie ausnahm, fand ich handgroβe Steine in ihrem Magen … Welche Freiheit habe ich hier beim Sammeln! Kein Mensch setzt meinem Sammeleifer irgendwelche Schranken. Ich durchreise die weiten plains, durchwandere die Urwälder, ich lasse Bäume fällen, um die Holzarten, Blüten und Früchte zu sammeln, ich durchfahre im schmalen Kanu Flüsse und Seen, suche Inseln auf und sammele, sammele!
Die Unbequemlichkeiten, die mir die Hitze und die Moskitos bereiten, vergesse ich leicht über dem unendlichen Glücksgefühl, das mich beseelt, wenn ich auf Schritt und Tritt Schätze heben kann, die vor mir keiner geholt hat …
Rockhampton, 12.4.1864“

Oder wie der Zoologe Gerd Heinrich (1896-1984), der die „seltenen“ Rallen, die ich um meine Teiche herum mit der Fliegenklatsche erlegen könnte, „zu Tausenden“ totforschte. Dagegen hab ich keinen der Briefmarken-Vögel je in Freiheit gesehen.

2 Gedanken zu „Sammelwut

  1. Guter Beitrag, der mich auch an die traurigen Umstände erinnert, mit denen Insektenforschern die Tierchen nicht nur einfangen, sondern auch zum Stillhalten nötigen, die meisten davon für immer. Daran hat auch die Möglichkeit, sie zu fotografieren, leider nicht viel geändert, denn auch Tierfotos werden von zu vielen (Hobby-)Ehrgeizlingen unter Einsatz von Chemie und für die Tiere lebensgefährlicher Kälte gemacht. Idioten gibts…

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