Ich hab mich so gefreut

…, daß Karuntu verhaftet worden iss. Er hat sich auch ma gefreut, damals als ich bei einer meiner nächtlichen Erziehung- und Ordnungsmaßnahmen hinterrücks angegriffen wurde. Vorher hatte er sich über uns geärgert, weil wir ihm kein Geld leihen. Wie kann man jemandem Geld leihen, der keins hat? Wenn er was hätte, würd er ja nix leihen oder es zumindest zurückgeben. Aba Karuntu wird noch böse, wenn man sein Geld zurückhaben will und greift zum Messer. Aussehen tut er wie einer dieser abgemagerten Opium-Chinesen, die man in Singapore dösend vor Restaurants findet. Morgens besteigt er seine Hängematte, die er abends wieder verläßt, um sich an den Spieltisch zu setzen. Sein traditionelles Holzhaus ist lange als Spielhölle bekannt, jedoch sind seine 2 Söhne bei der Polizei. Der eine hat es dort zu etwas gebracht, der andere ist einer jener schmarotzenden „indischen“ Polizisten, die man besser nich um Hilfe bittet. Als jener auf den schlechten Gesundheits-Zustand seines Vaters hinwies, wurde ihm empfohlen, daß der Mann vielleicht ma NACHTS schlafen solle. Da muß innerhalb der Polizei-Mafia was schiefgelaufen sein, denn Karuntu sitzt schon 1 Woche in der Zelle – zusammen mit Boka und 2 anderen. Boka, ein fetter Rumlungerer und Schläger, hat sich uns mal angedient, um einigen unserer Feinde unseren Standpunkt zu verdeutlichen, ist jedoch eher Teil des Problems.
Interessant auch die immer wieder neu erfundenen Geschichten über uns. So wußte Andreas aus D, der mit dem Gedanken spielt, sich in Nordsulawesi anzusiedeln, obwohl er mit seiner indonesischen Verwandtschaft noch Häßlicheres erlebt hat als ich, daß ich hier der einzige wäre, der einen Keller besäße. Ich weiß davon nix. Möglicherweise ist der Keller gemeint, in dem ich meine Abhör-Anlage installiert habe, mit der ich die Minahasa ausspioniere. Angeblich schriebe ich sogar üba sie. Wo werd ich üba Wilde schreiben! Daß ich Schlangen züchte, bleibt sinnvollerweise unwidersprochen. Ein guter Schutz gegen ungebetene Besucher. Die Frau, die ma eine aufgerichtete Kobra in meiner Einfahrt traf, iss gleich umgedreht und bisher noch nich wiedagekommen.
Eine neue, heftich sprudelne Gerüchte-Quelle iss unser entlassener Fahrer Joubert, der jetzt wieda säuft. Er verbreitet, er wäre deshalb geflogen, weil meine Frau pleite sei, denn sie habe Linda Geld geliehen, und jene habe nich zurückgezahlt. Als Linda das hörte, war sie so empört, daß sie sich den Schläger Jonny auf‘s Moped lud und losdüste, um ihren Mann Juli zu finden, örtlicher Leiter der lächerlich faschistoiden „Brigade Manguni“, der schon mit seinem Messer untawegs war, um Joubert zu suchen, weil er dort die Quelle der Anschuldigung vermutete. Lyndon, Exbürgermeister und Dozent an der Uni Manado, ist mit einer Parlamentarierin verheiratet, die wieda für die Konkurrenz-Partei von Linda kandidiert und deshalb an Lindas Rufmord interessiert iss. Er hat Jouberts Verleumdungen weiterverbreitet und sich dann entschuldigt. Doch Linda, die das Geld tatsächlich weder fristgerecht noch vollständig zurückgezahlt hat, hält Lyndon nich für einen ehrbaren Intellektuellen, weil er dem korrupten Dorf-Sekretär Refli die Frau ausgespannt hat. Deshalb hat Refli ihn angezeigt. Das verstehe ich ganich, denn Refli geht selba fremd, und so hat sich das doch bloß alles sozial verschoben. Außadem hat Linda keinen Grund, wieda jemanden an den Haaren rumzuschleudern, weil sie ja nich gezahlt hat. Wenn hier einer eine rumschleudert, dann bin ICH das! Und Lyndon meinte, es wäre von Jafar gekommen. Aba Jafar wußte von nix was, obwohl er rumposaunt, meine Frau habe sich bei der Frau des Regierungs-Präsidenten, dem wir in den Sattel geholfen haben, über unsere Nachbarin beschwert, die Kreisdirektorin werden will, was man unbedingt vahindern sollte. Doch warnt Linda, meine Frau solle lieba vorsichtich sein, weil sich die Frau des Regierungs-Präsidenten bereits im Fadenkreuz der Anti-Korruptions-Behörde befinde, da sie versehentlich Regierungs-Gelder verbraucht habe. Und Jafar meint, das käme alles von Joubert, der sich dafür rächen will, daß wir ihn entlassen haben. So offensichtlich und gut nachvollziehbar iss das alles – auch wenn der eine oda andere Leser inzwischen den Faden eventuell nich mehr findet. Welchen Faden übahaupt? Wir sind doch hier nich in Griechenland.

isuzu

5 Gedanken zu „Ich hab mich so gefreut

  1. Eija, ich hab jetzt zwar nicht alles gelesen, sorry, muss auch gleich wieder weiter, aber ich versteh dich schon. Das Chaos wird immer größer und auf nix ist mehr Verlass. Jeder macht nur noch, was er will. Da besteht auch die Möglichkeit, mal auszurasten. Ich kenn jemand, der sagt bei so Gelegenheiten, hey, ich mach hier gleich mal Party!! Muss man aushalten können. ^^

  2. Das alles macht den Eindruck. als würdest du in einem permanenten Domino-Day leben, bloß dass irgendwie ständig etwas Unerwartetes passiert.

    Der Andi wirkt schon heimisch, bevor er dort angekommen ist.

  3. „Domino-Day“ eine – wie immer – sehr treffende und beeindruckende Metapher. Ich schreib gerade üba den nächsten Tag.

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