Bankrott

Marinir

Die massiven Stromausfälle setzten sich 1 Woche fort. 17Std. täglich unterschieden sich nur insofern von der Zeit vor dem groβen Regen, als man sie im Block erlebte (im Blog auch). Leichter darauf einzustellen, als auf die zufälligen Zusammenbrüche über den Tag verstreut. Natürlich vermißten wir die aufmunternde 1stündige Predigt mit Musik morgens um 4Uhr30. Man kam sich geradezu irgendwie orientierungslos vor. Und wo sollte das Geld für das vor der Türe lauernde Osterfest herkommen ohne Wunschkonzert? In jedem Fall war es Ausdruck des völligen politischen Bankrotts, allgemein veranschaulicht durch lächerliche 2 Tage Regen. Nachdem ich Weihnachten 2000 hier die erste Wasser-Katastrophe erlebte, hatten die Verantwortlichen noch 14 Jahre Zeit bis zur nächsten, die überall verkommene Wasser-Regulierung zu verbessern. Stattdessen repariere und warte ich ein öffentliches Wehr selbst, das direkt für die Versorgung unserer Reisfelder dient, obwohl auch eine Menge anderer Bauern davon abhängig sind. Das groteske Vergabe-System von öffentlichen Bau-Aufträgen, an denen nicht nur die zahlreichen bearbeitenden Beamten partizipieren und sich somit doppelt entlohnen, sondern auch jeder, der die richtigen Beziehungen hat, bewirkt, daβ das zur Verfügung stehende Geld soweit reduziert wird, bis es nicht mehr reicht. Dann muβ eben bei Beton-Mischung und Teer-Dicke gespart werden, und Straβen zerlegen sich schon wieder nach 1 Jahr. So brechen Fahrzeuge plötzlich in ausgespülte Löcher, und selbst das Landhaus des Regierungspräsidenten steht nun schief. Ein Teil der Hilfs-Gelder der Zentral-Regierung wird zusätzlich in den Taschen der korrupten Beamtenschaft landen.
Die Politik hat gründlich versagt. Als in den folgenden Jahren deutlich wurde, daβ der Strom nicht ausreichen würde, hatte das so gut wie keine Konsequenzen. Zwar ging der Bürgermeister Manados wegen gigantischer Korruption mit etlichen anderen in den Knast, aber es gab keine wesentlichen Verhaltensänderungen. Im Gegenteil: Aktuell kann man haushohe Plakate seiner fetten Tochter betrachten, die ins Parlament gewählt werden möchte. Schräg hinter ihr das Brustbild ihres ernst blickenden Vaters, der immer noch einsitzt.
Immer wieder war die Rede von Nutzung der Erdwärme, selbst die absurde Idee der Elektro-Autos tauchte in der Zeitung auf, aber die staatliche Strom-nicht-Versorgungs-Gesellschaft PLN zeigt nach wie vor Strukturen einer kriminellen Vereinigung. Das habe ich diesen Schlümpfen sogar konkret nachgewiesen – und erntete schwerste Drohungen. Was sich da abspielt, kann man schon am Zustand der Masten und Stromkabel erkennen. Während erstere meistens schiefstehen, hängen die Kabel manchmal bis auf den Boden, wo sie überwachsen. Gehandelt wird grundsätzlich erst, wenn sie reiβen, oder es Todesfälle gibt. Stromsparen ist kein Thema. Bei heftig wachsender Bevölkerung und Industrialisierung hätte man über 1 Jahrzehnt Zeit gehabt, wenigsten mit anderen Einstellungen, besonders auch in der Frage der Abfall-Beseitigung, das nun deutlich sichtbare Desaster zu mildern. Doch nach wie vor schläft der Wilde wegen der Geister mit Licht, sinnlose Weihnachts- und Oster-Dekorations-Beleuchtungen wurden immer aufwendiger, und der allgemeine Lebenstandard mit Nutzung energiehungriger Geräte wächst. Auch der Schlamm, den die Bewohner jetzt in ihren Häusern vorfinden, wird nicht viel daran ändern, daβ die gleichen Leute weiterhin ihren Müll in Gewässern entsorgen. Man ist fatalistisch eingestellt. Um das Trauer-Gejaule bei den zum Jahreswechsel besonders zahlreich stattfindenden Beerdigungen auch weiterhin für alle hörbar machen zu können, benutzt man nun Generatoren (obwohl das Benzin auch nicht reicht). Daneben steht dann 1 Elektriker mit Schraubenzieher, der die verrotteten Anschlüsse während der Feier immer wieder in Gang bringen muβ. Auch wird jetzt mehr gebetet, damit alles wieder gut wird. Hätte man den Beton für die aberwitzigen alle-100m-Kirchen für das Notwendige benutzt, wäre die Infrastruktur der Region in besserem Zustand. Stattdessen versucht man auf Groβplakaten den Eindruck zu erwecken, Gouverneur Mustermann sei ein ernsthafter Kandidat für die kommende Staatspräsidenten-Wahl. Meisterhaft ist der Minahasa nicht nur im Selbstbetrug sondern auch im Errichten von Monumenten. Um die zu betrachten, lieβe sich eine Lach-Tour für Touristen anbieten. Jedenfalls hat Manado jetzt nicht nur in der Kriminalitäts-Statistik einen Spitzenplatz, die Stadt kann aktuell auch das schlimmste Flut-Desaster Indonesiens vorweisen. Selbstverschuldet:
In the North Sulawesi Province, the death toll due to the floods and landslides has risen to 19: 6 in Manado, 6 in Tomohon, 6 in Minahasa, and 1 in North Minahasa. In Manado alone, 85,831 people or 23,204 families were affected and over 10thousand houses were damaged. „The floods that we now face are all a result of an ecological damage. Our ecology has been completely destroyed.“ (Environment Minister Balthasar Kambuaya)

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