Schtrom iss wech

Badezimmer

„… links machten die vielen <Z> eines Hochspannungsmastes Pyramide; 1 der Dreidrähte schlotterte bank’rott – richtig; <S=trom iss weck>.“
Arno Schmidt, „Caliban über Setebos“, 1963

Wirkrich. Richtich weck. Schon 17Std., auch tut es rekordmäβig rechnen. Wird wohl Zeit für ein Hausboot. Nun feuchten meine schweiβigen Unterarme Beulen ins Papier. Nix wird mehr getastet. Dafür testen mytische Jäger ihre Düsen in den greulichen Wolken. Hört sich jedenfalls an wie damals inner Westheide. Nachts versucht einer ständich, mich mit Blitzlicht zu fotographieren. Dabei reiβt es im Gewölk, als ob ein Baum in der Mitte längs zersprengt würde. Dann das UMPF fallender Stämme. So rumpelpumpelt es durch die Nacht. Selbst bei meiner fetten Nachbar-Juristen iss ausnahmsweise alles still. Eine andere Juristin sitzt im 2.Stock ihres Hauses in Manado fest. Den kleinen Wilden reicht dort das Wasser bis zur Brust. Der Katastrophen-Hilfsdienst, der normalerweise vor einem sinnlos orangen Gebäude engagiert Fuβball spielt, bedient schon keinen Anrufer mehr. Kein Strom, kein Wasser im Tank, doch überall in Kuhlen und Tälern tosende Harzer Gebirgsbäche wie bei Schneeschmelze. Alle Siebe mit Müll verstopft, die Ufer dekoriert mit den Produkten der Moderne: Silberverfolte Snäck-Tüten, alle Arten von Plastik-Mosaik, verunfallter Motorrad-Bedarf, vollgeschissene Unterhosen, pensionierte Schuhe. Leida imma nur 1. Wenn wenigstens 1 Paar angeschwemmt würde. Ich könnte neue Halbschuhe gebrauchen. Als ich das Hauptwehr vom Schlamm und Müll befreie, hockt plötzlich einer der jungen Moslem-Lumpen auf dem Mauerrand über mir, die weiter unten einen illegalen Glücksspiel-Betrieb unterhalten und Motorrad-Taxi fahren. Wenn sie dabei so streng ins Wasser kucken, müssen sie kacken und warten darauf, daβ ich mit meiner Arbeit fertich bin. Später, wenn ich mich dann mit dem Wasser wasche, weil kein anderes zur Verfügung steht, hoffe ich, daβ sich ihr Dünger weitgehend verdünnt hat. Sie selbst baden nur in derartigem. Als wir anfangen, Regenwasser aufzufangen, hört es auf zu regnen.
Alle groβen, schwächelnden Bäume sind schon umgefallen. Die Wilden hassen Bäume, weil sie ihnen auf den Kopf fallen und Vögel beherbergen. Einmal wollte ich nachts das Stromkabel eines verbeamteten Krach-Direktors, das über eins meiner Grundstücke führte, mit meinem Haumesser kappen. Da ich mir nicht sicher war, ob ich dabei gekocht würde, hackte ich mir zuerst eine Holzkrücke, mit der ich das Kabel mit links runterzog (Lohnt sich Widerstand, wenn man dabei umkommt? fragte ich mich kurz zweifelnd.). Dann haute ich mit rechts zu. Ein gewaltiger Blitz, Funken stoben und brannten auf dem Boden weiter, an der Klinge eine Spur wie angelötet, das Kabel und ich heil (Holzgriff!). Jetzt fiel ein riesiger Sumeding drauf. Das iss irgend so ein schnell und bizarr wachsender Baum mit milchigem Saft und ledernen Blättern, der die Leitung total zerstörte. Die Wilden hatten ihn schon lange immer wieder angekokelt. Solcher Art Gerechtichkeit lieben wir!
Meine Ziegen wollten ganich mehr aus ihrem Stall raus – gut zu verstehn – wenn ich Ziege wäre, tät ichs ebenso. Doch da Karl Philipp Moritz (1756-1793) sogar auf einem Heuboden studieren konnte, so möcht ich nich sagen, es sei mir schlecht ergangen in diesen elementaren Stunden, wiewohl es mir an Reinlichkeit mangelte, und 1 Sturm selten allein kömmt. So mußte ich neben dem Aufräumen von Umgefallenem auch noch amoklaufende Ameisen umlenken, und Hornissen mit Giftgespritze und Räucher-Stäbchen davon überzeugen, besser bei meiner fiesen Nachbarin ihre neue Heimstatt zu wählen. Eine verstand mich nich und stach mir genau in Adam seinen Apfel. Und als der Strom plötzlich wieda erschien, saß der Pumpenregler fest und setzte das Bade-Zimmer unta Wasser. Nach 1Std. war der Strom wieda wech. Und jetz isser wieda da.

http://www.indonesianews.net/index.php/sid/219696881/scat/f9295dc05093c851

4 Gedanken zu „Schtrom iss wech

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s