Das Lächeln der Glaser

sw-smile

Neulich wurde ich im Café „J.Co” in Manado – ich wieder der einzige mit traditionell-exotischem Hemd – aufgefordert: „Take a bite for a glazzier smile!“ Kein Problem für mich. Hab ich sofort gemacht. Wär ja gelacht! Wenn ich heil am dem Zwerg im schwarzem Polohemd, mit dem irreführenden Aufdruck „Police“, auf der Teer-Maschine, die die Straβe neu asphaltierte, und den Kirchen „Filadelfia“ und „Alfa Omega Central“ vorbeikommen konnte, auch an dem Jesus mit Auβenbord-Herz, der vor die katholische Kirche „Santu Tarsius“ (Hl. Koboldmaki) betoniert ist, die wie eine Raketen-Abschuβ-Basis wirkt, selbst den Tailor „Stinky“ passierte ich ohne stärkere Belästigung als den üblichen allgemeinen Gülle-Geruch, da werde ich doch wohl noch ein Gletscher-Lächeln zustande kriegen. Allerdings schreiben sich die „glaciers“. Sollte ich also eher wie ein Glaser (glazier) lächeln? Das warf Fragen auf, die unbeantwortet blieben, denn auch ein glasiertes (blasiertes?) Lächeln iss ebenso verwirrend, wie der Kios „Double“ You und das Englisch der Minahasa.

aussenbord

Ähnlich schwierig ist die Benutzung der neuen Fuβwege. Die im Wechsel mit arschglatten, glasierten Kacheln und Fluβ-Steinen gefliesten begeht man wie auf Glatteis. Dagegen wirken die mit Betonsteinen ohne Wasserwaage belegten, als ob sie von Panzern befahren worden sind. In jedem Fall sollte man als Fuβgänger in Manado ständig auf der Hut sein, besonders wenn der Verkehr mal wieder stockt. Dann kommen einem die Motorrad-Fahrer auf dem Bürgersteig entgegen. Mit normaler Geschwindigkeit, dabei in der rechten Hand den Lenkergriff, in der linken beispielsweise eine Lötlampe – aba freundlich grüβend. Oder sie texten gerade. Volle Deckung heiβt es, wenn sie Motor-Sensen und Wasser-Rohre transportieren.
Heil wieder zuhause angekommen, kappte ich ein beindickes (dickes Bein) Alokasien-Bündel im Hinterhof mit dem Haumesser, weil die mistigen Ameisen zwischen den riesigen, lederartigen Blättern mit Vorliebe rumeiern, und wenn sie genuch geeiert haben, zur Hausinvasion ansetzen. Die Strünke strunkten auseinander, und hervor kam eine kleine Schlange, die mit aufgerissenem Maul wütend nach mir stieβ. Ich rannte sofort wech, um meine Kamera zu holen, doch als ich zurück, war sie abwesend. Stattdessen fand ich einen recht groβen Fleck roten Schlangenbluts, was verständlich machte, warum sie so sauer auf mich war.

Schlangenblut

Am nächsten Tag ruhte ich nach Arbeiten am neuen Ziegen-Fort auf einer Bank an einem meiner Teiche, wobei ich auf einem Ast schräg über mir eine ebenfalls ruhende, jedoch eingewickelte, armdicke Schlange bemerkte, die mich mit ihrer Zunge sondierte.

Wickelschlange

Am Abend dann, während ich auf der Pazifik-Veranda mal wieder unfreiwillig dem Gejaule der wahnsinnigen Christen lauschte, schlingerte unter mir eine lange, dünne Schlange durchs Wasser, den Kopf periskopartig über der Oberfläche, und mit fächerartig sich ausbreitender Bugwelle verschwand sie schlieβlich über die Teich-Mauer. Das waren 3 verschiedene Schlangen in 2 Tagen, was nichts Gutes bedeuten konnte. Und tatsächlich: Meine Grafik-Karte gab daraufhin den digitalen Geist auf, und auβerdem erwarteten einige Verwirrte für die nächsten Tage die angebliche Ankunft eines sogenannten „Christkindes“, was erklärte, wieso es auf dem Markt keine Eier mehr gab. Auβerdem starb jeden Tag einer. Eine Frau beim Kuchenbacken.
Der 24. dann als ob eine Epidemie alle Wilden dahingerafft hätte. Geradezu unheimlich diese Truhe vor dem Wurm. Nur wurde ich von gelegentlichen Explosionen aus dem Schlaf geschreckt. Explosionen, mit denen man in Niedersachsen nach Bodenschätzen forscht. Seit die Demokratie ausgebrochen ist, forschen die Wilden ganzjährig Tag und Nacht.
Am 25. die Region ein Tollhaus. Die dünnen Frauen sangen wie die Micky-Mäuse, die dicken wie pensionierte Opernsängerinnen, die Männer wie Eunuchen. Und alle versuchten so viel Krach wie möglich zu produzieren.
Der Morgen des 26. Ausdruck totaler Erschöpfung. Nur das Rauschen des starken Dezember-Windes zu hören. Meine Ziegen so nervös von der Knallerei, daβ sie nicht richtig schlafen konnten. Ich muβte sie sogar zum Frühstück wecken. Ab 10Uhr – sofern es Strom gab – wurde wieder geheult und pressluftgehämmert.
Am 28. versuchte eine Kellnerin, meine Hose mit heißem Cap Cae (Gemüse mit Soße) zu übergießen, aba diesmal war ich schneller. Außerdem begann der große Regen, der alle Zündschnüre unbrauchbar machte, inklusive meines gerade reparierten Internet-Kabels, das durch einen umstürzenden Baum unterbrochen wurde.

2 Gedanken zu „Das Lächeln der Glaser

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